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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserrad; Wassersäcke; Wassersäulenmaschine

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Wasserrad - Wassersäulenmaschine.

verwendet G. Oesten jetzt dazu einen gewöhnlichen Badeschwamm, den er an einem Ende der Schnur befestigt und dann von durchfließendem Wasser durch die Rohrstrecke treiben läßt. Der Verlauf der Arbeit bei der Reinigung ist folgender: In Abständen von 100-150 m wird das Rohr aufgegraben und frei gelegt und an jeder Stelle ein Stück Rohr von ca. 1 m Länge herausgeschnitten. An dem Ende, von welchem der Spülwasserzufluß stattfinden soll (Fig. 4), wird ein Spülkasten a zeitweilig eingedichtet, in welchen die Schnurrolle und eine Leitrolle für die Schnur eingesetzt werden. Das Ende der Schnur mit dem Schwamme wird in die zu reinigende Strecke bc gesteckt, der Spülkasten durch einen Deckel geschlossen u. Wasser eingelassen, welches den Schwamm wie einen Kolben vorwärts treibt. Je enger das Rohr wird, desto mehr preßt er sich zusammen; wo das Rohr sich wieder erweitert, quillt er auch wieder auf, so daß er zuverlässig und sicher mit einer Geschwindigkeit von 1-2 m die Rohrstrecke durchläuft, die Schnur hinter sich herziehend. Aufhalten kann ihn nur eine vollständige Sperrung des Rohres, welche mit Hilfe eines auf Messingrollen laufenden Gliedergestänges durchstoßen werden muß. Ist nun der Schwamm am andern Ende c der Rohrstrecke angelangt, so wird er abgenommen und das Ende eines Taues an die Schnur gehängt. Der Spülkasten wird wieder geöffnet, die Schnur wieder aufgewickelt und dadurch das Tauende nach dem Anfangspunkt h hingezogen. Hier wird daran das Ende einer Kette gehängt, welches durch Wiederaufwinden des Taues durch das Rohr nach c befördert und dann mit dem ersten Raumer verbunden wird, der beim Zurückziehen der Kette ein zweites Kettenende durch das Rohr hinter sich herzieht. Die Ketten liegen auf zwei fahrbaren Kettenwinden d und e, welche über den beiden Arbeitsgruben aufgefahren sind. Durch Hin- und Herwinden der Ketten werden die verschiedenen Werkzeuge, zuerst Raumer, dann Bürsten, in der Rohrstrecke hin und her gezogen. Dabei läßt man stets Wasser durch das Rohr fließen, welches die losgerissenen Ansatzteile herausspült. Damit das Wasser die genügende Druckhöhe erhält, wird auf den Spülkasten, bevor die Kette eingebracht ist, eine Erhöhung f von Zinkblech aufgesetzt. Statt der Führungsrolle für die Schnur ist zugleich eine Kettenrolle g eingesetzt, ebenso ist am andern Rohrausschnitt eine Kettenrolle h befestigt. Haben die Werkzeuge genügend gewirkt, so werden sie ausgelöst und die Ketten zurückgezogen. Der Spülkasten wird noch einmal geschlossen und nun Wasser mit dem vollen Drucke hindurchgelassen, wodurch alle Unreinigkeiten hinausgespült werden. Dabei wird aus der untern Baugrube (Fig. 5) das Wasser mittels einer Baupumpe herausgehoben. Sobald es klar fließt, ist die Reinigung beendet. Die Rohrlücken werden durch Einsetzen neuer Rohrstücke wieder geschlossen.

Die Ausführung der beschriebenen Operationen geht sehr schnell von statten. Bisher sind in Berlin im Betriebsjahr 1887/88: 1590 m, in 1888/89: 18,282 m und 1889 bis Anfang Februar 1890: 20,100 m Leitungsrohre, im ganzen rund 40,000 m Rohr von 75-100 mm Weite gereinigt, welche 25-34 Jahre im Betrieb waren. Die Kosten der Reinigung belaufen sich einschließlich des Materials an neuen Rohrstücken und Dichtungen sowie der Werkzeuge auf 70-100 Pfennig für das laufende Meter. Die Kosten einer solchen Reinigung müssen sich bei einem Rohrnetz, welches von vornherein durch Einsetzen von leicht herausnehmbaren und wieder einzubindenden Rohrstücken an den geeigneten Stellen auf eine spätere Reinigung eingerichtet ist, erheblich niedriger stellen. Deshalb dürfte es sich empfehlen, künftig anzulegende Rohrstrecken mit entsprechenden Einrichtungen zu versehen. Vgl. »Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure«, 1890, S. 586. - Über Filteranlagen s. Gesundheitspflege, S. 357.

^[Abb.: Fig. 4., Fig. 5 Reinigung an Wasserleitungsrohren.]

Wasserrad. Um Wasserräder im Falle der Not schnell abstellen zu können, wendet die Maschinenfabrik für Mühlenbau vormals Kappler in Berlin eine schwingende Schütze an, welche in erhobener Stellung durch eine Sperrklinke festgehalten wird und dem Wasser den Zutritt zum W. gestattet. Wird nun die plötzliche Abstellung des Wasserrades erforderlich, so braucht man nur an einem Kettenzug zu reißen, um die Sperrklinke auszulösen, worauf die Schütze sofort niederfällt und den Wasserzufluß abschneidet. - Zur Litteratur: Ludewig, Allgemeine Theorie der Turbinen (Berl. 1890).

Wassersäcke, s. Epiphyten, S. 249.

Wassersäulenmaschine. Die bisherigen größern Wassersäulenmaschinen der Bergwerke mußten sehr langsam laufen, weil sonst infolge des unelastischen Betriebsmittels (Wasser) leicht starke Stöße entstanden, welche die Maschinen zertrümmern konnten. Als eine der schnellstgehenden Wassersäulenmaschinen galt bisher die von Jordan für den Königin Marien-Schacht bei Klausthal ausgeführte, welche im Maximum 12 Doppelhübe in der Minute macht, aber um dies zu ermöglichen, mit einem Schwungrad von riesigem Gewicht ausgestattet ist. Ein neueres System von Wassersäulenmaschinen, welches von M. Ch. Roux angegeben ist, soll gestatten, ohne Anwendung eines Schwungrades, mehr als viermal soviel (50) Doppelhübe in der Minute zu machen. Die Maschine kann daher für gleiche Leistung viel kleiner gebaut werden und bedarf eines bedeutend geringern Anlagekapitals. Eine neuere Ausführung der W. von Roux findet sich in der Kohlengrube des Creusot. Hier liegt die gemeinschaftliche Sammelstelle der Grubenwasser 351,69 m unter Tage. Ein großer Teil derselben kommt aus einer 266,52 m unter Tage befindlichen Sole. Das Gefälle dieses Wassers (351,69-266,52 = 85,18 m) ist dazu benutzt, mittels Rouxscher W. den zehnten Teil der gesamten Grubenwasser zu Tage