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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cambridge (Universität: Verdienste um die Nationalerziehung; Litteratur)
im dritten senior 80pli«) den Grad eines V«X'1i6ior ! (ot^.i't8, ot'I^^v 2c.) mit oder ohne Iionoui'8, je nach: ^ deni er ein Uipos examen oder nur die zwei Prü-! fungen für den oiäinnry d^g'i6^ (n-6N6i'a1 6Xtlmin^>! tion, 8^eoia1 ßx^mination) gemacht hat. N'ach weitern ! drei Jahren, während deren er jedoch nicht in (5. zu wohnen braucht, wird er dann ohne weitere Prüfung, nur nach Entrichtung einer gewissen Summe an die Universität, zum 2Ili^6i' (ot ^its 2c.) befördert und kann als solcher unter gewissen Bedingungen Mit- ! glied des Senats und sogar der Nieotoi^i I^oil wer-! den. Der Doktorgrad wird auf Antrag seitens des ! Doktoranden diesem von der Universität auf Grund ^ hervorragender wissenschaftlicher Werke und nach Einholung eines Gutachtens des betreffenden ßpeoial Loai'l! ohne weitere Prüfung, nur gegen Entrichtung vorgeschriebener Gsbühren, verliehen. Die deutschen Doktorprüfungen mit Dissertation, Rigorosum und Disputation sind in (5. unbekannt; die Doktoren haben in C. eine bevorzugte Stellung und sind ohne Ausnahme erheblich älter als die meisten deutschen Gelehrten, wenn sie den Grad erringen. Ein in C. erworbener Uniuersitätsgrad wird nach Erfüllung einer kleinen Förmlichkeit auch von Oxford anerkannt und umgekehrt. Außerdem verleiht die Universität alljährlich eine gewisse Anzahl von Graden »1i(moi'i8 oHU8^«. Dissertationen werden nur an einigen wenigen Colleges von den Bewerbern um ^6l!mv8dip8 gefordert, aber fast nie durch den Druck bekannt gemacht. '
In der verschiedensten Weise hat sich die Universität > nicht nur um die Erziehung der ihr aus dem ganzen z britischen Weltreiche zuströmenden jungen Leute, son- l dern auch um die Nationalerziehung verdient ge- ^ macht. Es gibt in England keinen Unterrichtsnnnister und sür die höhern Schulen keinen einheitlichen ^ehrplan. Seit 33 Jahren (1858) hat nun die Universität eine Reihe verschieden schwerer, nach wohldurchdacht z tem Plan entworfener sogen. I^ocal NxlimiiilUiou8 ^ eingerichtet und in großartiger Ausdehnung durchgeführt und damit einer bedeutenden Anzahl von Schulen durch die von der Universität gestellten wissenschaftlichen Anforderungen die ^ehrziele für die verschiedenen Altersstufen bezeichnet. Viele vorzügliche Schulbücher sind von tüchtigen Cambridger Gelehrten zur Vorbereitung auf diese Prüfungen verfaßt. Viele Tausende von Schülern und Schülerinnen unterziehen sich alljährlich denselben, und z die Leistungen der Schulen haben sich infolge dieser Prüfungen wesentlich gebessert. Daß mit diesem System anderseits mancherlei Nachteile unvermeidlich verbunden sind, läßt sich natürlich nicht leugnen.
Man unterscheidet: «lunior I^occü (für Kandidaten unter 16 Jahren), senior I^ooizi (unter 18 Jahren), Hio'1i6i- I^oo^i Nxa,iuinatioii8 (über 18 Jahre), auch ist neuerdings eine Prüfung zur Erlangung von (^0inin6i'cm1 (^6rtiüc!it68 eingerichtet worden, diese letztere freilich bisher ohne sonderlichen Erfolg. Im Dezember 1891 wurden allein in den ^6nioi' und junior 15xamiiilUi0ii8 (den beiden größten) 9990 Kandidaten geprüft. Von diefen waren 86iiioi'8 2030, 'Iuuioi'8 7960; Knaben 5962, Mädchen 4028. Ferner werden auf Wunsch ganze Schulen von C. aus inspiziert und über die Anstalt dann ausführlich berichtet. Im I. 1890 wurden 105 Schulen auf diese Weise examiniert. Eine Anzahl andrer, meist größerer Schulen, welche eine beträchtliche Anzahl von Knaben für die Universität vorbereiten, werden (seit 1873) von C. in Gemeinschaft mit Oxford geprüft (Oxt'oi'ä Hud ^3.mdiiäß.6 ^cliool Nx Hwiua.tiou
NoHi'd). Diese wichtigen Prüfungen wurden später (1876) auch auf die höchsten Mädchenschulen ausgedehnt. Seit 1879 werden auch zur Vorbildung künftiger Lehrer regelmäßige (bisher schwach besuchte) pädagogische Kurse und im Anschluß an diese Prüfungen abgehalten und Zeugnisse verliehen, welche von Wert find, da es für das höhere Lehrfach keine Staatsprüfungen (und -Stellen) gibt. Die höhere und höchste Frauen- und Mädchenbildung wird seit vielen Jahren (1868) in C. eifrig gefördert.
Nicht nur werden Mädchen zu allen I^oeal Vxaminlttion8 zugelassen, sondern die Studentinnen von (^ii'ton (^o1i6Z'6 und Xe^vulmm ^o1i6^6 dürfen auch die Uniuerfitätsvorlesungen besuchen und sich (ausschließlich) den höchsten Prüfungen unterziehen. Das Benehmen sowie die Erfolge der jungen Studentinnen sind äußerst lobenswert gewesen. Endlich war C. die erste englische Universität, welche (seit 1867, und besonders seit 1873) höhere Bildung den Angehörigen der mittlern und untern Klassen, welche die Universität nicht besuchen können, gleichsam vors Haus trägt. Seit 18 Jahren entsendet C. eine Anzahl junger, redegewandter 6i'n.äu.9.te3, nm in größern und kleinern Städten über gewisse Gegenstände eine Reihe zusammenhängender wissenschaftlicher Abendvorträge zu halten, an die sich unmittelbar darauf eingehende Diskussionen und Beantwortung der seitens der Zuhörer gestellten Fragen knüpfen. Die bessern Schüler, oft gereifte Männer au^ allen Klassen, Bürger und Arbeiter (es gibt auch besondere Arbeiterklaffen), beantworten schriftlich eine Reihe von Fragen, welche vom Lehrer gestellt und deren Beantwortung mit Erläuterungen versehen zurückgegeben werden. In dieser Weise wird der Gegenstand gründlich durchgearbeitet und die gemachten Fortschritte und gewonnenen Kenntnisse schließlich durch ein Prüfung festgestellt, auf Grund deren von der Universität Zeugnisse verliehen werden. Die Bewegung ist in kürzester Frist außerordentlich angewachsen und erfreut sich überall der größten Beliebtheit und Anerkennung. Im I.
1885/86 besuchten ca. 8000 Zuhörer die an 50 verschiedenen (^6iiti'68 gehaltenen Vorlesungen. Andre wichtige Hochschulen Englands sind dem Beispiel von C. gefolgt (London 1876, Oxford 1885) und das Univt.i'zit)' Nxten Fion H1ov6ineiit ist ein gerechter Stolz der Cambridger Schule. Mitten im geistigen Leben der Nation stehend, es leitend und ihm neue Bahnen weisend, ist C. mit einer Reihe wichtiger Reformen im Geiste der Neuzeit der Schwesteruniuersität vorangegangen und eifrig damit beschäftigt, während es, die lebensfähigen sorglich schont, die veralteten Überbleibsel mittelalterlicher Einrichtungen zum Besten der frisch aufblühenden modernen Studien zu beseitigen.
Litteratur.
»8tatut68 of tli6 IIuiv6r8it^ oi 0. ancl tor tk6
(1878-8i^) vniä Li- t1i6 l^niv6i8iti<^8 0t Oxtoi'ä ÄH(l (.'. ^ot, 1877« (Cambr., ?itt I>re88, grundlegend für die Verfassung); »0rdmHne68 ot td6 Huiv-6i'8it? ot O.< (?itt ?i'688, Sonderbestimmungen durch Senatsbeschluß); »<Ü0llii)6näiuin ot Iluiv 61'8it^ 1<6FNi3.ti0N8 toi' t1i6 U8S ot P61'8UU8 iu 8tktu
puMikri« (Cambr. 1889); »(^mdriäF6 Univ-6i8it^ Rkpoltei'« (das offizielle Universitätsblatt, erscheint im tsrm mindestens einmal wöchentlich); »(^mdi'iä Fk Diiiv6i8it^ (^Iknäln'« (erscheint seit fast 100 Jahren jährlich im Oktober in C.; nicht offiziell, aber sehr zuverlässig und umfassend, be-