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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cambridge (Universität: Studienplan, Prüfungen, Erholungen etc., Grade)
M6Q (von oi Tso/^tit, »die vielen <), die nur wenig zu studieren und alljährlich eine sehr einfache Prüfung abzulegen brauchen, um den gewöhnlichen V. ^..
(Laeksloi'ok ^.i'ts) zu erringen, und hauptsächlich in C. einige vergnügte Jahre zu verleben und sich mehr zum Gentleman als zum Scholar auszubilden wünschen. 9) Eine bessere Klasse von Studenten sind die Hoiwui's ni6n, welche sich in 3-4jähriger Studienzeit hier auf die höchsten Universitätsprüfungen (ti'ipo868) vorbereiten. Es ist übrigens erwähnenswert, daß Theologen, Juristen und Mediziner in England nicht notwendigerweise Universitätsbildung zu besitzen brauchen, sondern sich auf Seminaren, bei praktischen Juristen und in großen Hospitälern theoretisch und vorzugsweise praktisch auf ihren Beruf vorbereiten können. Die durchschnittlich erlaubte Studienzeit ist ein Triennium, das fast ausnahmslos auf derselben Universität zugebracht wird. Während desselben müssen bestimmt vorgeschriebene, alljährlich wechselnde und stets drei Jahre vor Abhaltung der Prüfung bekannt gemachte Bücher und Studiengebiete durchgearbeitet werden, und über dieselben wird im neunten t6im von den Kandidaten (huestiouistg) eine in den meisten Fächern ausschließlich schriftliche Prüfung abgelegt.
Nur die besten Studenten dürfen in einem vierten Jahre noch einen weitern Wissenszweig studieren oder sich ausschließlich auf das Studium eines Lieblingsgegenstandes werfen; doch machen nur sehr wenige (zum Teil der Kosten wegen) von dieser Vergünstigung Gebrauch. Jedes akademische Jahr zerfällt in drei t6rni8, die zusammen fast V2 Jahr ausmachen (obschon es offiziell mindestens 227 Tage fein sollen). Fleißige Studenten kommen jetzt häufig in den großen Ferien (im Juli und August) auf 6-8 Wochen zu stiller Arbeit auf die Universität zurück. Das Studium ist nicht so frei wie in Deutschland: es ist zeitlich gebunden durch die absolute Verpflichtung ,, nach Ablauf von drei Jahren die Prüfung abzulegen, ferner eingeengt durch die bis ins einzelnste vorgeschriebenen Prüfungsgegenstände.
Der Studienplan wird nur selten von einem Studenten selbständig entworfen und durchgearbeitet.
Der 001162,6 ^utor und der (^116^6 I^6ctur6r geben die erste Anweisung, sodann in vielen Fällen bis zum Ende der Studienzeit ein ki'ivaw Lutor sowie der Hniv6l8it^ ^i'0l6880r und IIniv6i'8it^ I^oturei'.
Vorlesungen werden im ganzen prinzipiell nur sehr wenige gehört, und zwarfast ausschließlich in den Vormittagsstunden zwischen 9 und 1 Uhr. Nachmittags wird nicht gearbeitet, jeder tummelt sich in freier Luft. Gegen Abend nehmen die Fleißigern die Arbeit wieder auf. Die Arbeitszeit der?o11 M6n beträgt durchschnittlich täglich 2-3 Stunden, die der Hououi'8 in6ii 6-8. Der Besuch mancher Vorlesungen wird genau kontrolliert; sie sind entweder öffentliche Universitätsvorlesungen oder O0II6F6 I^etui'68. Mehr als 10 Vorlesungsstunden in der Woche nimmt kein Student an, die meisten hören weniger. Neben den Vorlesungen und den praktischen Übungen in Seminaren und Laboratorien gehen die viel gesuchten und gegebenen Privatstunden (Mvat6 mition, pi'ivat6 <?03,MnF) her, in denen die schwächern Studenten wöchentlich 3-6mal sämtliche vorgeschriebenen Gegenstände unter Anleitung durcharbeiten, und von denen selbst die bessern Studenten während eines Teiles ihrer Studienzeit gern Gebrauch machen. Seminararbeit im deutschen Sinne für die besten Studenten ist in C. fast unbekannt. In den Ferien thun sich häufig mehrere Studenten mit einen:
^utor zu einer sogen. r6g.äing' Mi't^ zusammen und lassen sich an einem schönen Orte Englands oder des Auslandes nieder und verbringen ihre Ferien zwischen Arbeit und Ausflügen. Manche verleben auch die ganzen Ferien im Auslande. Die Durchschnittskosten für das akademische Jahr (5-6 Monate) sind 150-200 Pfd.Sterl.; in einigen Colleges ist der Aufenthalt bedeutend teurer. Dagegen können sich ^011 Opii. 8tucl6nt8 viel billiger einrichten; auch gewähren 8ekoiHi'8tiip8, Nxliibitiou« (kleinereStipendien), 8i2a!-8kii)8) ?i'io68 den weniger bemittelten tüchtigen Studenten wesentliche Hilfe, ungleich viel mehr als in Deutschland durch Stipendien..geschieht. Die in England zu einem nationalen Übel gewordenen Konkurrenzprüfungen sind natürlich auch in C. äußerst zahlreich. Es gibt Universitätsprüfungen jeder Art, Collegeprüfungen, Prüfungen für Preise, für Stipendien, für ^6i1cnv8lii^8, jährlich für jeden Studenten mindestens eine, wodurch die ruhige Arbeit um der Erkenntnis willen oft ganz ungebührlich unterbrochen und zurückgedrängt wird. Die Fragebogen für die einzelnen Prüfungen werden gedruckt und sind später, oft zugleich mit dem amtlichen Bericht der Examinatoren, käuflich zu haben. Sie sind dadurch von größtem Einfluß auf die Entwickelung des Studiums, werden aber häufig auch Gegenstand geistloser Einpaukerei. Zu eigner wissenschaftlicher Leistung gelangt unter dem jetzigen System der Vorbereitung auf einen ti'ipos und die coinpetitiv6 6x^imiilUi0U8 fast nie ein Student; nur einige wenige V. ^.. arbeiten nach abgelegter Prüfung und erlangtem Grade und ^6ii0^v8kip wirklich erfolgreich wissenschaftlich weiter.
Die Grholungen und Vergnügungen der Studenten sind sehr zahlreich, die Spielplätze prächtig gelegen, und eine Neihe schöner Boothäuserder Ruderklubs erheben sich am Unterlauf des Cam. Die beliebtesten Spiels sind: Lawntennis, Cricket, Football, Golf und Polo. Dazu kommen die Sports: Rudern, Schwimmen, Reiten, Fahren, Jagen. Manche Studenten bringen ihre eignen Reitpferde mit und nehmen auf ihnen an den großen Fuchsjagden teil. Reiten und Fahren ist auch ein beliebtes Vergnügen mancher Studentinnen, welche täglich sich regelmäßig körperliche Bewegung machen. Auch im Wettlauf sowie auf dem Zwei- und Dreirad üben täglich viele Studenten, oft in leichtester Kleidung, ihre Kräfte. Manche Studenten treten als Freiwillige in das Iluivei'üit^ IiiÜ6 00i'p8 ein, wo sie an mehreren Nachmittagen der Woche auf einige Stunden von Unteroffizieren der Armee gedrillt werden. Abends finden die Studenten sich wieder in Klubs jeder Art zusammen, Hniv6l-V6l8it^ sowie O0II6A6 (^Wd8, in der O6datm^ 80ei6t^ der Union, den Nu8ioa1 80ci6ti68, Oinmatia 01ud8 2c. Dazu kommen viele Bälle, Konzerte und Theater (C. hat kein stehendes Theater), besonders von Ende Mai bis Mitte Juni, dem Schluß des akademischen Jahres. Fast alle Abendvergnügnngen der Studenten finden in ihren Colleges oder Privathäusern statt, zu denen man auch die Klubhäuser rechnen kann. Besuch von Kneipen, Komment, Kommers, Exkursionen mit Dozenten sind unbekannt. Mit dem deutschen Studentenleben hat das Leben der Studenten von Oxford und C. sehr wenig Ähnlichkeit.
Es gibt keine Korps, Burschenschaften, Mensuren und Duelle, dagegen weit mehr männliche Sports als in Deutschland.
Nach dreijährigem Studiuni und Ablegung der vorgeschriebenen Prüfungen erlangt der Student (im ersten Jahre »t'r68dmaii<, im zweiten »Miiorso^ii«,