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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cambridge (Universität: die Studenten)
Naum, oft ein besonderes Gebäude, für den Gottesdienst (eliai)6l) sowie eine Bibliothek. Einige Collsgebibliotheken, besonders die von ^rinit^ (^oll^s und von Ooi'MZ^W'i Lti Oolwa-e, sind sehr reichhaltig und äußerst sehenswert; höchst interessant ist auch die ?6^8llii I.idi'3,1^ im Ng>Fä^i6U6 (^oiis^L. Ein Beispiel einer sehr alten Bibliothek, in welcher besonders wertvolle Bücher und Handschriften an die Pulte angekettet waren, ist die von ^iwit^ Hall.
Für den 21^8t6r gibt es meist ein besonderes Haus (tkk nia8t6r'8 1oäF6), alleinstehend oder eingebaut.
Jedes College hat eine Anzahl von Hörsälen, ein Lesezimmer, ein Zimmer, in dem sich die I'eiio^g vor und nach den Mahlzeiten versammeln (ooindinktion 100m), und endlich eine große Anzahl von Wohnungen für die Mitglieder des College (mindestens Stube und Schlafzimmer), doch finden längst nicht alle Studenten in den Colleges Raum, sondern etwa die Hälfte muß, obschon sie im College liaii und cliapki besuchen, doch in loä Fin^Z wohnen. Von den 3469 Studenten des Jahres 1890 wohnten 1827 im College, 1609 außerhalb des College und 133 gehörten keinem College überhaupt an (non co1i6Aiiit6 8ruä6iit8). Von allen Colleges hat ^rinit^ die bei weitem größte Studentenzahl: 671. Es folgen 8t. .lotin'L mit 328 und (^iu8 mit 246. An der Spitze eines College steht der auf Lebenszeit gewählte Nö.8tsr. Ferner setzt sich die College-Gesellschaft zusammen aus den ^6l1o^v8 (senior und Muioi' feilo^L), deren Anzahl durch die Collegestatuten festgesetzt ist, den LHoitlls (bessern Studenten, welche auf Grund von Prüfungen Stipendien von 40-80 Pfd.Sterl. genießen) und den^6N8i0Q6i8 (die Mehrzahl der gewöhnlichen Studenten). Einzelne Colleges haben daneben noch^6ii0^vlÜ0NM(iu6i8 (meist ältere Studenten, welche das Vorrecht haben, mit an der erhöhten Tafel der I^siiovvs zu speisen) und 3i2^i'8 (tüchtige, arme, vom College besonders unterstützte Studenten). Der U^tei-, die?6i1<nv8 und die 8edo1ar8 sind on tli6 touuä Htion ol td6 Ooi-16Z'6, d. h. sie beziehen regelmäßige Einkünfte vom College. Die?6U8iou6r8, ^siio^v Oominoners und ^i23,r8 sind zahlende Mitglieder, deren Beiträge verschieden hoch bemessen sind. Zu diesen allen kommen noch in jedem College eine Reihe älterer Doktoren oder (^i'Ä(IuÄt68, welche, ohne ^6i1o^v8 zu sein, sich dem College angeschlossen haben oder früher dem College als Studenten angehörten. Diese sind einfach inemd6r8 ol td6 Ooiieze, dem sie alljährlich einen kleinen Beitrag zahlen. Die 1^6110^8 sind der gesetzgebende, verwaltende und lehrende Körper des College. Sie erwählen aus ihrer Mitte den 21a8t6i- (eventuell auch den Viee-in^tsr), Lul8Äl, stkwarä, lädi'Hi'i^u, die v6kN8, (^Min8, ^ut-0l8 und I<6ewr6i'8. Die I^iio^s werden aus den besten 8o1ioiHi'8, meist des eignen College, zunächst auf etwa 7 Jahre gewählt und beziehen jährlich meist zwischen 100 und 250 Pfd. Sterl. Gehalt.
Dieses ist gewöhnlich keine feste Summe, sondern ein Prozentsatz des College-Einkommens und daher starken Schwankungen unterworfen. Falls die I^eiio>v8 sich wissenschaftlich besonders auszeichnen oder dem College in diesen 7 Jahren in irgend einer Stellung sich sehr nützlich machen, können sie nach Ablauf der 7 Jahre wieder gewählt und dauernd an das College gefesselt werden. Sie dürfen lange Zeit auf Reisen von C. entfernt, neuerdings auch verheiratet sein. Ihre Anzahl beträgt gegenwärtig zwischen 350 und 400. Das Leben im College ist ein fröhliches, anregendes und ungezwungenes, obschon
natürlich die Studenten sich einer bestimmten Disziplin unterwerfen müssen, die besonders von den ^utoi-8 aufrecht erhalten wird; außerhalb der Collegemauern stehen sie unter den Gesetzen der Universität und der Disziplinargewalt der?r0ot0i8. Zur Universität stehen die Colleges etwa in demselben Verhältnis wie die Bundesstaaten zum Deutschen Reich. Sie werden pekuniär zur Unterstützung der Universität herangezogen (ihr Beitrag für 1891/92 ist auf 17,414Pfd. Merl.bemessen) und liefern fast ausschließlich die Lehrer und Verwaltungsbeamten für dieselbe. Für Lehrzwecke pflegen sich auch häufig mehrere Colleges zusammenzuthun und einen besonders tüchtigen ^eiimv als Lehrer seines Faches für die Studenten der Kartellcolleges aufzustellen.
Solche Vorlesungen, durch welche viel Zeit und Energie gespart und dem Gegenstande die bestmögliche Vertretung gesichert wird, heißen Intsreoiik-Aiatk Ii6etui'68. Ihrer gibt es jetzt eine große Anzahl neben den eigentlichen Universitätsvorlesungen.
Früher mußte jeder Student irgend einem College angehören. Diese Bestimmung ist seit 1869 fortgefallen, doch waren von den 3469 Studenten des Jahres 1890 nur 133 uou ooiis Fi^te 8tuä6iit8 (unter der Aufsicht eines O6N8or). Die Zahl der in den beiden großen Frauencolleges hier studierenden jungen Mädchen beläuft sich auf etwa 250. Die Anzahl der Studenten ist in den letzten 30 Jahren beständig gewachsen. Im 1.1862/63 betrug z. B. die Zahl der'Uiiä6r-Al'a,äng.t68 nur 1526. Die Zulassung der Frauen zu den höchsten Prüfungen datiert erst seit 1881.
Den Studenten wie den 6i'Näuat68 eigentümlich ist die mittelalterliche akademische Tracht, (np anä A0>vu, in denen sie bei allen Vorlesungen und ähnlichen offiziellen Anlässen zu erscheinen verpflichtet find. Die Tracht ist eine Modernisierung des mittelalterlichen Baretts und Talars, die Form des e^p ist einer Ulanen-Tschapka sehr ähnlich und wurde 1769 eingeführt anstatt des alten runden Baretts. Der über dem Roche getragene schwarze, bez. blaue ^o^u der Studenten ist kurz, der der (si'Ä(1ug.t68 lang herabwallend, nach Rang, Fakultät und College verschieden. Die Fo^us der Doktoren sind scharlachrot. Über dem Fcnvu tragen die l^iaäu^t68 bei besondern Anlässen noch die schwarzseidene, mit weißer Seide gefütterte Iiooä (auch die L^eliLlo^ haben eine eigentümliche kooä aus weißen Kaninchenfellen), und beim Gottesdienst trägt (ri'aän Hts wie Hiiä6i-FrHäulU6 die langen, den Körper völlig bedeckenden weißleinenen 8urp1iL68 mit langen Ärmeln. Sonntags, und stets nach Einbruch der Dunkelheit, müssen Studenten den ^ov^n tragen. Nachmittags zwischen 2 und 6 Uhr erscheinen die Studenten alle in den verschiedensten bunten Spielanzügen in den Farben ihres College oder ihres Klubs. Die Anzüge bestehen meist aus buntem Flanell. Das Alter der Studenten ist durchschnittlich etwas niedriger als das ihrer deutschen Kommilitonen. Ihre Vorbildung ist sehr ungleichmäßig und fast durchweg weit geringer als die der deutschen Abiturienten, ihre Fähigkeit, wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten, viel weniger entwickelt.
Da es in England keine Maturitätsexamina gibt, müssen die Studenten sämtlich eine Universitäts-Aufnahmeprüfung bestehen (tlw pr6viou8 examiii Htiou genannt); daneben hat jedes College noch eine besondere Aufnahmeprüfung. Diese ausschließlich schriftlichen Examina sind jedoch alle sehr leicht.
Die Gesamtheit der Studenten zerfällt in zwei große, etwa gleich zahlreiche Klassen: 1)die sogen.I'oii