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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ekrasit - Elektrikerkongreß
Blutkörperchen (Leukocyten), welche bekanntlich den E. bilden, aufweisen; und doch muß in den Batterien, z. B. in st Hpliviooooons anisus und 8. aiduL, eine Substanz enthalten sein, welche die Ansammlung der weißen Blutkörperchen bewirkt. (5s gelang nun Buchner, nachzuweisen, daß der Inhalt der Bakterienzelle selbst, d. h. die Bakterienproteine, eine außerordentlich starke Anziehungskraft für die Leukocyten besitzt. Er erhielt diese Proteine, welche alle Reaktionen der Eiweißkörper zeigen und sich am meisten den Pflanzenkaseinen nähern, durch Züchtung der Bakterien auf festem Nährboden, Abstreifen und Digerieren derselben mit schwacher Kalilauge, Filtrieren und Fällen des Proteinkörpers durch Salz- und Essigsäure. Subkutane Einspritzung von einigen Milligramm des Proteins von Z?.tMu8 s^oo^-Q6U8 bewirkt eine erysipelatöse, mit Lymphangitis 2c. verbundene Entzündung auf rein chemischem Wege ohne Bakterien. Koch hat angegeben, daß auch das Tuberkelbacillenprotein ausgesprochen eitererregende Wirkung besitzt. Die Ähnlichkeit der Vakterienprotekne mit den Pflanzenkaseinen veranlaßte Büchner, letztere näher zu untersuchen, und er fand, daß dieselben, namentlich das Glutenkaseinvon Weizenkleber nicht nur starke Anziehungskraft auf die Leukocyten, sondern auch^ Entzündung erregende Eigenschaften besitzt. Die Überlegung, daß im menschlichen Körper das Protein nur beim Absterben der Bakterien zur Wirkung kommen könne, daß also das Absterben der Eiterung vorhergehen müsse, läßt Buchner vermuten, daß die' Entzündung eins der wirksamsten Schutzmittel gegen die Bakterienwucherung sei. Die Herbeiführung einer starken entzündeten Reaktion würde demnach die Heilung eines bakteriellen Prozesses einleiten, und so scheint auch die Heilung nach Anwendung des Kochschen Mittels aufzufassen zu sein. Über Immunität gegen die Bakterien desselben s. Chirurgenkongreß, S. 152.
Etrasit, in Österreich bei der Genietruppe für Sprengzwecke und zu Sprengladungen für Artilleriegeschosse eingeführter Sprengstoff, dessen Grundstoff Pikrinsäure sein soll. In semer Sprengkraft soll er mindestens dem Dynamit gleichkommen und keiner Selbstzersetzung unterliegen, auch gegen Stoß, Schlag und Reibung ganz unempfindlich sein.
Elettritertongreß. Auf Anregung der elektrotechnischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. tagte vom 8. bis 12. Sept. 1891 daselbst ein internationaler E., zu welchem über 20l) Ausländer erschienen waren. Nach einer Begrüßung durch den Geheimen Postrat Goldberg hielt der Staatssekretär v. Stephan die Eröffnungsrede. Nach einigen einleitenden Worten des Dankes an das Komitee, welches den Kongreß vorbereitete, führte der Redner aus, daß die Regierung des Kaisers an den Beratungen das lebhafteste Interesse nehme. Bei der Bedeutung, welche denselbenm wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung innewohne, würden dieselben von den betreffenden Behörden mit eingehendster Teilnahme verfolgt werden. Der erste Elektrotechnikerkongreß zu Paris habe die große Frage des einheitlichen elektrischen Maßsystems gelöst, dem jetzigen Kongreß aber seien noch umfassendere Aufgaben gestellt. Die Anwendung der Elektrizität auf den Gebieten des Nachrichtenwesens, der Beleuchtung, der Elektrochemie und Metallurgie, im Eisenbahnwesen, in der Marine, im Bergbau, in der Heilkunde sowie für motorische und sonstige Betriebszwecke hat in den letzten Jahren ganz erstaunliche Ausdehnung gefunden. In allen Teilen der Welt erheben sich elektrische
Anlagen, und es ist ein erhebendes Gefühl, daß das 19. Jahrh., welches uns so viele bedeutende Entdeckungen und Fortschritte auf dem Gebiete der exakten Wissenschaften und der Lebenspraxis gebracht hat, vielleicht zum Teil mit Beeinträchtigung des idealen undmetaphysischen Gebiets, einer Beeinträchtigung, die aber wohl nur als eine vorübergehende anzusehen ist, mit der gewaltigen Thatsache der Dienstbarmachung der Elektrizität für die kulturellen Zwecke der Menschheit seinem Schlüsse entgegengeht.
Der Funke, den Voltas erfinderischer Geistdenlz'ögnnden Metall entriß, hat sich in einen Lichtbogen verwandelt, der nicht nur in das Dunkel der Vergangenheit aufhellend zurückstrahlt, sondern auch in das uferlose Meer der Zukunft, eine Leuchte der Wissenschaft, uns die Pfade weist. Dankbar gedenken wir der großen Männer aller Nationen, welche seit anderthalb Jahrhunderten zur Entdeckung dieser wunderbaren Naturkraft, zur Erforschung ihrer Gesetze und Wirkungen und zur Verwertung der letztern im Leben beigetragen haben. Aber diese glänzenden Ergebnisse müssen uns doch vor einer Überschätzung des bisher Erreichten bewahren, denn es bleiben noch wichtige Fragen zu lösen, wie z. B. diejenige der Herstellung eines richtigern Verhältnisses der erreichten nutzbaren Wirkung zum stattgehabten Kraftverbrauch. Bei den gewaltigen und wachsenden Angriffen auf unsre Kohlenbestände sieht man sich ernstlich vor die Frage gestellt, ob denn nicht bei Umsetzung der Verbrennungswärme in Elektrizität ein größerer Nutzeffekt erzielt, mit andern Worten der Kohlenverbrauch verringert werden kann. Denn bis wir dahin gelangen, an Stelle der in frühern geologischen Epochen aufgespeicherten Sonnenwärme vielleicht die Sonnenwärme unsrer Tage direkt oder eine andre Kraft als Energiequelle verwenden zu können, wird wohl noch geraume Zeit vergehen, wenngleich die Schlagweite des Geistesfunkens der Menschheit eine ganz unberechenbare ist. Und noch eine andre Frage bietet sich dar, nämlich diejenige, ob alle die elektrischen Anlagen, wie sie vorhanden oder geplant sind, auch dringenden Bedürfnissen entsprechen. Wie es Menschen gibt, deren Wesen sich nicht einheitlich äußert, und bei denen man immer das Gefühl hat, es stecke noch ein andrer dahinter, so scheint es mitunter, als ob hinter dem bewundernswerten Erfindungsgeist unsrer Zeit auch zum Teil deren Erwerbsdrang steht. Gewiß ist die Spekulation eine mächtige Triebfeder des Fortschritts, und die Konkurrenz hat sich äußerst fruchtbringend auch auf diesem Gebiet erwiesen, aber bei dem freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte sollte doch nie vergessen werden, daß dasselbe auch Pflichten auferlegt. Wie das Völkerrecht gewisse Regeln aufgestellt hat, nach denen oie Kämpfezwischen den Nationen durchgefochten werden, so sollten auch auf diesem Gebiete die allgemeinen Regeln und Ge setze nicht außer acht gelassen werden, ohne welche ein einträchtiges Zusammenwirken der Menschheit, ein Hinführen auf die göttlichen Zwecke überhaupt nicht möglich ist. Alle Regierungen haben ein lebhaftes Interesse für die freie Entwickelung der wichtigen elektrotechnischen Industrie bekundet, keine derselben strebt danach, für einzelne Zweige der Industrie ein Monopol oder Regal (abgesehen von dem Herkömmlichen und Notwendigen des öffentlichen Nachrichtenwesens) durchzuführen. Auf der andern Seite aber liegt den Regierungen die Wahrnehmung der höher stehenden Interessen der Allgemeinheit ob, und es ist gewiß zu wünschen, daß sie bei der Erfüllung dieser Pflicht Unterstützung, und keine Gegen-