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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gärtner - Gaskraftmaschine
stoffe bei verschiedenen Pflanzen in sehr ungleicher Weise beeinflußt. Die roten Blüten der Tulpe ('1'nlipa. 6e8N6i'in<UH), die violetten des ^roeus, die blauen der 8oi11cT 8idii'icn> kleiden sich auch in voller Dunkelheit in ihren Farbenschmuck, während die blauen.Hyazinthen und die violetten Blüten des persischen Flieders bei Entfaltung im Dunkeln bleich werden. Erst dann, wenn die Zusammensetzung der Blütenfarbstoffe und die Art ihrer Entstehung innerhalb der Pflanze ermittelt sind, werden Versuche, die Farben auf künstlichem Wege in der Kultur zu ändern, in planvoller Weise ausgeführt werden können.
Unter den zahlreichen andern Problemen, bei welchen die botanische Wissenschaft mit der praktischen Erfahrung für die Förderung des Gartenbaues zusammenzuwirken hat, sind noch hervorzuheben die Fragen nach dem Ausreifen der Samen und des Holzes; nach der Art des Verwachsens vorher getrettttter Pflanzenteile beim Propfen; nach der Erzeugung von Pfropfbastarden und ihren Eigenschaften; nach dem relativen Einfluß der verschiedenen Arten vegetativer Vermehrung und der Fortpflanzung durch Samen auf die Entwickelung des Pflanzenstoffes; nach den Gesetzen der Variationen und der Artcnbildung.
Gärtner, August, Hygieniker, geb. 18. April 1848 zu Ochtrup in Westfalen, studierte im medizinisch-chirurgischen Friedrich Wilhelms-Institut in Berlin Medizin, wurde Assistenzarzt beim 57. Infanterie-regiment in Wesel und war dann 12 Jahre Marinearzt, als welcher er viele und große Reisen machte und als Hilfsarbeiter in das kaiserliche Gesundheitsamt kommandiert wurde. Von hier ging er als außerordentlicher Professor der Hygiene nach Jena, wo er 1887 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. G. arbeitete besonders über Wasseruntersuchung, Desinfektion und Schiffshygiene. Von seinen bakteriologischen Arbeiten verdient die Untersuchung über die Fleischvergiftung in Frankenhausen und deren Erreger sowie über die Erblichkeit der Tuberkulose besondere Erwähnung. Er schrieb: »Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von Kauffahrteischiffen« (hrsg. vom kaiserlichen Gesundheitsamt, Berl.1888); »Die chemische u. mikroskopisch'bakteriologische Untersuchung des Wassers« (mit Tiemann, Braunschw.
188^); »Leitfaden der Hygiene für Studierende und Ärzte« (Verl. 1892). Für Neumayers »Anleitung zu wissenschaftlichen Untersuchungen auf Reisen« (2. Aufl., Berl. 1888) bearbeitete er das Kapitel
»Heilkunde«.
Gärung. Der von einer belgischen Gesellschaft ausgegangene Vorschlag, die Gärung durch Zusatz von Fluorwasserstoffsäure (Flußsäure) günstig zu beeinflussen, hat sich bei genauer Prüfung als sehr Zweckentsprechend erwiesen. Flußsäure und ihre Verbindungen vermindern die Säuerung und unterstützen die reine alkoholische Gärung teils durch Förderung destzefewachstums, teils durch Unterdrückung der gärungstörenden Bakterien. Auch über die Verwendbarkeit der Schlempe von einer mit Flußsäure, Fluorammonium oder dergleichen versetzten Maische liegen günstige Erfahrungen vor; namentlich besitzt die betreffende Schlempe eine fast unbegrenzte Haltbarkeit, und Schlempemauke tritt bei ihrer Verwendung nicht auf. Rühmenswert ist auch die Sauberkeit in der Brennerei bei Anwendung von Flußsäure, weil niedere Organismen weder in den Bottichen noch an andern Stellen vorkommen. Bei Dickmaischen muß der Zusatz von Fluhsäure vorsichtiger bemessen werden als bei Dünnmaischen, weil ein Überschuß
dort viel mehr schadet. Während der Zuckerbildung darf die Flußsäure noch nicht in die Maisclie gebracht werden, weil sie die Zuckerbildung beeinträchtigt.
Auffallenderweise verträgt Ataische um so weniger Flußsäure, je saurer sie ist. Delbrück hat Vergärungsversuche mit sterilisierten Maischen und verschiedenen Heferassen gemacht. Zunächst erzeugen verschiedene Hefen auch einen verschiedenen Grad der Vergärung, und zwar jede stets denselben. Setzt man, nachdem die Gärung bei einer bestimmten Hefeart vorüber ist, der Flüssigkeit wieder Zucker zu, so beginnt die Gärung von neuem, ein Zeichen, daß vorher kein Zucker mehr vorhanden war. Nnd doch zeigten die üblichen Zuckerbestimmungsmethoden noch Zucker in der Flüssigkeit an. Das beweist, daß diese Methoden trügen und daß dasjenige, was sie anzeigen, nicht mehr wirklicher Zucker, sondern ein Übergangsprodukt vom Zucker zum Dextrin ist. Eine Bestätigung findet diese Annahme in der Thatsache, daß die Gärung auch dann von neuem einsetzt, wenn man nicht Zucker, sondern Diastase zufügt, also den durch das Erhitzen der Flüssigkeit und durch erfolgte Zerstörung der Diastase gehemmten Zuckerbildungsprozeß wieder anregt. Manche Hefearten vergären nun lediglich den wirklichen Zucker, andre auch noch jenen Scheinzucker, und es wird also ein guter Gärungsprozeß abhängig sein sowohl von der Gegenwart einer in diesem Sinne leistungsfähigen Hefe als auch von derjenigen der Diastase.
Gastrastmaschine. Um die bei der Verbrennung des Gases auftretende, sonst durch das Kühlwasser nutzlos abgeführte Wärme auszunutzen, benutzt C.
Tellier bei seiner G. (Deutsches Reichs-Patent Nr.
52,876) die abziehenden Verbrennungsgase zur Erhitzung, bez. Erzeugung von gespannten Dämpfen, die das Gas beiseiner Arbeit unterstützen. Als Gas dient Kohlenoxyd, als weitere Träger motorischer Kraft Wasser- und Ammoniakdampf. Das Kohlenoxyd wird, mit Luft gemischt, in einem Arbeitscylinder zur Verbrennung gebracht und treibt den Arbeitskolben vorwärts.. Die hohe Wärme des Auspuffgases wird nun zur Überhitzung von Wasserdampf benutzt, der mit dem Kohlenoxyd gleichzeitig bereitet wurde. Der hierdurch stark gespannte Dampf wird auf die Rückseite des Kolbens geleitet, so daß er diesen zurücktreibt. Die Temperatur des verbrauchten Dampfes genügt noch, um aus einer wässerigen Ammoniaklösung gespannte Ammoniakdämpfe zu entwickeln, welche nun in einem besondern Arbeitscylinder, dessen Kolben mit demjenigen des ersten Cylinders an einer Stange sitzt, zur Wirkung gelangen und so die vom Gas und Wasserdampf abwechselnd geleistete Arbeit vermehren. Auf diese Weise soll die Wärme des zur Kohlenoxydgasbildung verwendeten Brennstoffs möglichst weitgehend ausgenutzt werden. Fig. 1 gibt eine Skizze der zur Verwirklichung des angegebenen Prinzips dienenden Vorrichtung. Das in dem Gasentwickelungsapparat ^^ erzeugte Kohlenoxyd wird durch die Rohrleitung i unter den Kolbendes Arbenscylinders 1^ geleitet, wo es mit eingepumpter Luft verbrennt, Arbeit leistet und an den aufgehenden Kolben überträgt. Die auspuffenden Verbrennungsgase gehen durch das Rohr 0 in den Dampfüberhitzer 5, dessen Röhrensystem i' sie unter Angabe von Wärmedurchstreichen, um,genügettdalcsssettttht, durch den Schornstein y zu entweichen. Das Röhrensystem iwird nun von dem in den: Gasgenerator ^^ für sich entwickelten und durch das Rohr ^'^' in den Überhitzer geleiteten Wasserdampf umspült. Dieser nimmt die vom Gas abgegebene Wanne auf, wird überhitzt und