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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Getreideproduktion und Getreidehandel (Ausfuhrländer)
geregt durch einen Vortrag von Ehrlich (Berlin), auf das Kochsche Heilverfahren, über welches die Ansichten, wie überall, auseinander gingen. In der zweiten Sektion wurden am letzten Tage Vorträge über Desinfektion gehalten. In der dritten Sektion trat Fleming bei Besprechung der Hundswut energisch für Prohibitivmaßregeln im Sinne der bei uns üblichen ein. Roux berichtete über die Erfolge der Präventivimpfungen im Pasteurschen Institut. Ferner wurde verhandelt über Fleisch- und Milchvergiftung, Milchversorgung von Städten, Nahrungsmittelüberwachung und Vorkommen von Milzbrand in Gewerbebetrieben. Die vierte Sektion schloß sich mit großer Majorität der Agitation an, die seitens namhafter Hygieniker für den Ersatz unsrer gebräuchlichen rechtsschrägen Schreibschrift durch die sogen. Steilschrift ins Leben gerufen ist. Rückgratverkrümmungen und Kurzsichtigkeit wurden auf die unzweckmäßige Schriftlage und die dadurch bedingte Körperhaltung zurückgeführt. Die fünfte Sektion behandelte hauptsächlich die Rauchbelästigung in Städten, die sechste und siebente Sektion die Prinzipien der Städteanlagen, die für die Arbeiterwohnungsfrage wichtige Einteilung des Bebauungsblockes, den Bau öffentlicher Gebäude, den Theaterbau, die Wasserversorgung und die Städtereinigung. In der achten Sektion wurde das Quarantänewesen, die Schiffshygiene und die Ernährung der Schiffsmannschaft, besonders in den Tropen, besprochen. Die neunte Sektion verhandelte über die Arbeiterwohnungsfrage, Anzeigepflicht, das System der Todesursachen, Erziehungsfragen und die Notwendigkeit des Unterrichts in Hygiene und hygienischer Physiologie in den Volksschulen. In der zehnten Sektion wurden statistische Fragen aus allen Gebieten der Hygiene besprochen.
Getreideproduktion und Getreidehandel. In den letzten Jahren hat die Produktion von Getreide, insbesondere von den zur menschlichen Nahrung dienenden Arten desselben, eine sehr bedeutende Erweiterung und zugleich eine Verschiebung erhalten. Viele der ehedem mehr als genügend für ihre Bedürfnisse produzierenden Staaten unsers Erdteils sind durch das starke Anwachsen ihrer Bevölkerung, noch mehr aber durch den gesteigerten individuellen Verbrauch aus Produktionsgebieten Konsumtionsgebiete geworden. Und wenn auch noch immer in normalen Jahren der europäische Osten ganz gewaltige Massen von Getreide aller Art auf den Weltmarkt zu bringen im stände ist, so tritt doch schon jetzt die nordamerikanische Union als gefährliche Konkurrentin, aber auch als notwendige Ergänzerin des uns mangelnden Bedarfs an Brotfrüchten auf, so daß der Schwerpunkt der Getreideproduktion bereits überseeisch zu suchen ist. Und an diesen mächtigsten Faktor im internationalen Getreidehandel reiht sich bereits eine ganze Anzahl andrer, welche, wie Indien und Australien, schon deswegen als besonders hervorragend auftreten, weil ihre Erntezeiten und damit ihr Erscheinen auf dem europäischen Markt in andre Jahreszeiten fallen, als die abweichenden klimatischen Verhältnisse unsers Erdteils und Nordamerikas sie diesen vorgezeichnet haben. Ein sehr großer Fehlbetrag in Europa trat 1891 ein. Nach der Berechnung englischer Statistiker bedarf unser Erdteil wöchentlich einen Zuschuß von 900,000 Quarters (zu 2,91 hl) Weizen. Thatsächlich wurden aber nach dem 1. Aug. 1891 bis in die Mitte des September hinein nach Westeuropa aus Amerika, Indien und Rußland wöchentlich 1,125,000 Quarters eingeführt, und auch von Roggen kamen ansehnliche Mengen von Amerika, aus den Donauländern, besonders aus Bulgarien und der Türkei. Vor allem aber ist es die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Ernte gewesen, welche, jeder frühern Erfahrung spottend, in den 5 Wochen nach dem 1. Sept. 1891 von beiden Küsten nicht weniger als 2,791,000 Quarters gegen 302,000 Quarters im Vorjahr, also den neunfachen Betrag, nach Europa entsandte.
1) Getreideausfuhrländer.
[ Vereinigte Staaten.] Die mit Weizen, Mais und Hafer, den drei Hauptkörnerfrüchten der Union, bebauten Flächen haben sich in den letzten Jahren wenig verändert, 1890 gegen die nächsten Vorjahre sogar nicht unwesentlich vermindert. Es waren 1890 bestellt mit Weizen 14,434,862, mit Mais 28,788,305, mit Hafer 10,572,540 Hektar. Die Ernten betrugen in Millionen Bushels (36,35 Lit.):
Weizen Mais Hafer
1888 415,87 1987,79 701,73
1889 490,56 2112,89 751,52
1890 399,26 1489,97 523,62
Für 1891 wird die Ernte von Weizen auf 545, die von Mais auf 2027 Mill. Bushels veranschlagt. In en 10 Jahren 1870-79 betrug die Weizenfläche 10,074,966 Hektar, die durchschnittliche Weizenproduktion 312,152,728 Bushels und der Durchschnittspreis 104,9 Cents; in den 11 Jahren 1880-90 war dagegen die Weizenfläche 14,868,307 Hektar, die durchschnittliche Weizenproduktion 445,110,508 Bushels und der Durchschnittspreis 82,8 Cents. Nach den Berechnungen des landwirtschaftlichen Departements befanden sich in den bänden der Farmer 1. März 1890:156 Mill. und 1. März 1891: 112 Mill. Bushels, in Getreidespeichern 1. März 1890: 29 Mill. und 1. März 1891: 23 Mill. Bushels. Es wird angenommen, daß die Vereinigten Staaten nach der jetzigen Bevölkerungszahl 299 Mill. Bushels Weizen konsumieren (4 2/3 Bushels pro Kopf) und daß 53 Mill. Bushels zur Aussaat erforderlich sind. Von der Maisernte waren 1890 infolge schlechter Qualität 20,5 Proz. nicht verkäuflich und mußten als Viehfutter Verwendung finden, Die Ausfuhr von Weizen und Weizenmehl (1 Faß Mehl 3 1/2 Bushels gleichgestellt) betrug in dem Jahrzehnt 1880-90: 1,266,157,086 Bushels oder 446,168,434 hl, so daß sich die mittlere Jahresausfuhr auf nahezu 127 Mill. Bushels oder auf über 44,5 Mill. hl berechnet. Die durchschnittliche Jahresernte betrug 450 Mill. Bushels oder 158,570,000 hl. Es sind also 28,2 Proz. der gesamten Weizenernte zur Ausfuhr gelangt. Das Verhältnis der Ausfuhr zur Ernte erreichte den höchsten je erlangten Stand 1880/81, als 37,4 Proz. der ausnehmend reichen Ernte zur Ausfuhr kamen. Der Export betrug von Weizen und Weizenmehl 1888/89: 88, 1889/90 109 und 1890/91: 106 Mill. Bushels, von Mais 1888/89: 69, 1889/90: 102 und 1890/91: 31 Mill. Bushels. Der Gesamtwert der Ausfuhr aller Brotstoffe erreichte 1879/80 die hohe Ziffer von 288 Mill. Doll., sank danach aber gewaltig und hob sich erst 1889/90 wieder auf 154,9 Mill. Doll. Davon kamen auf
1888/89 1889/90
Weizen 41052701 Dollar 45275906 Dollar
Weizenmehl 45296485 57036168
Mais 32982277 42658015
Roggen 158917 1279814
Hafer 245502 4510055
Die Weizen- und Weizenmehlausfuhr geht in der Hauptsache nach England (71,648,469 Bushels), dann nach Frankreich (3,847,779 Bushels), das aber früher