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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Handel Deutschlands (überseeischer)
Heeres und 1865 die Nachhut der konföderierten Armee. Schon vor der Sezession hatte er energisch die Erneuerung des Sklavenhandels bekämpft und sprach sich noch zu Anfang des Jahres 1861 entschlossen gegen die Zerreißung der Nnion aus, weihte jedoch aus Treue gegen den Süden seine Dienste der Konföderation. So wurde es ihm nicht schwer, sich in die neue Ordnung der Dinge zu fügen; die uw ge Heuern Vermögensverluste, die er als großer Pflaw zungen- und Sklavenbesitzer durch den Krieg erlitten hatte, verschmerzend, widmete er sich ganz dem Wohle seines Heimatsstaates, wurde 1876 und 1878 zum Gouverneur desselben erwählt, 1878 und 1884 zum Bundessenator, unterlag jedoch l891 bei der Wahl zum Bundessenat einem Mitgliede der Farmerallianz gegenüber. H.ist einer derjenigen Staatsmänner des Südens, die aufrichtig, warm und wirksam für eine Versöhnung mit dem Norden eingetreten sind.
Handel Deutschlands. Verdeutsche Ausfuhrhandel hatte in den letzten Jahren mit sehr ungünstigen Verhältnissen zu kämpfen. Durch die 6. Okt. 1890 in den Vereinigten Staaten von Nordamerika in Kraft getretene Mac Kinley-Villsollteunterdem Deckmantel einer zum Schutze der nationalen Arbeit ergriffenen, durch die Verhältnisse angeblich gebotenen wirtschaftlichen Maßnahme thatsächlich doch bloß eine Ab: schlagszahlung geleistet werden an jene Interessenkreise der Industriellen, welche das Zustandekommen der Windom-Bill ermöglicht und damit den sogen.
Silberkönigen, den Besitzern der Silberminen, einen unschätzbaren Dienst geleistet hatten. Nachdem der Plan eines panamerikanischen Zollvereins vorläufig an dem Widerstände der südamerikanischen Regierungen Anfang 1890 gescheitert war, sollte mit der Mac Kinley-Bill doch wenigstens eine möglichst vollständige wirtschaftliche Abschließung der Nnionsstaaten durch Ausschluß aller fremden Fabrikate von den dortigen Märkten erreicht werden. Zunächst wurde die deutsche Textilindustrie bedroht, deren wichtigstes Absatzgebiet Nordamerika bildet. Auf diesem wie auf allen geschäftlichen Gebieten entwickelte sich sofort eine fieberhafte Thätigkeit, um die bis zum Inkrafttreten der Bill noch übrigbleibende kurze Frist möglichst auszunutzen und gewaltige Massen aller Industrie-Erzeugnisse auf den amerikanischen Markt zu werfen. Die Folgen der genannten Bill haben sich schon jetzt sehr empfindlich fühlbar gemacht. Vielen deutschen Industrie-Erzeugnissen wird durch die hohen Zölle für längere Zeit der Eintritt in die Union gänzlich verwehrt sein, andre Waren werden durch schlechtere amerikanische ersetzt werden, diejenigen aber, welche nach wie vor wegen ungenügender Entwickelung der nordamerikanischen Industrie aus Europa bezogen werden müssen, werden infolge der Verteurung durch die hohen Zölle auf einen kleinern Kreis von Abnehmern als früher beschränkt bleiben. Erst allmählich können die Lücken sich finden lassen, durch welche deutsche Industriespezialitäten in größern Mengen eingeführt werden können. Auch der günstigste Erfolg der bevorstehenden Weltausstellung in Chicago dürfte an diesem Ergebnis nichts Wesentliches ändern. Und wenn auch in nächster Zeit eine Reihe bedeutender Fabriken in Amerika entstehen wird, um Artikel, welche bisher vom Ausland bezogen werden mußten, nunmehr im Lande selbst zu fabrizieren, so ist das Resultat der im November 1890 vollzogenen Wahlen doch wenig geeignet, die Unternehmungslust der Amerikaner in Bezug auf Anlage von größern Kapitalien in neuen Fabriken zu steigern. Zudem
fängt man bereits an, mit der Wahrscheinlichkeit der Aufhebung der Mac Kinley-Bill zu rechnen, was die Errichtung industrieller Etablissements wenig begünstigt. Der Rückgang in unserm Verkehr nur der nordamerikanischen Union ist gegenwärtig unleugbar.
Während noch für 1890 die beiden amerikanischen Generalkonsulate, für Norddeutschland in Berlin, für Süddeutschland in Frankfurt a. M., eine Zunahme der Ausfuhr nach der Union nachweisen konnten (nur in einigen Konsulardistrikten, insbesondere in Chemnitz, war eine Abnahme zu konstatieren), ist der Rückgang 1891 ein sehr beträchtlicher, wenngleich kein allgemeiner gewesen. So betrug die Ausfuhr aus den beiden genannten Generalkonsulatsbezirken:
1890 1891 1891 wemger
Berlin. .. .. .. 58808080 51245107 7 562 913 Doll.
Frankfurt a. M. 4i133»i3? 37^86587 5747050 .
Zusammen: 101941717 88631694 13310023 Doll.
Mit Britisch-Nordamerika ist der Handel nicht unbeträchtlich; 1890 betrug die deutsche Einfuhr in Kanada 776,505, in Neufundland ^206 Pfd. Sterl., die Ausfuhr von dort nach Deutschland 204,207, bez.
6983 Pfd. Sterl. Verhältnismäßig günstig gestalteten sich die Märkte von Zentralamerika. Der Kredit Mexikos ist infolge der mehrjährigen Ruhe, welche das Land genießt, seitdem Porfirio Diaz das Staatsruder führt, beträchtlich gestiegen, und seine großen Reichtümer werden allmählich gewinnbringend erschlossen. Die politischen Verhältnisse in den übrigen zentralamerikanischen Staaten, Guatemala, Costarica u. a., sind zwar keineswegs erfreulich, aber doch nicht so bedenklich, um ihren wirtschaftlichen Ruin zu bewirken. Hamburg, das den Verkehr mit diesen Ländern von alters her gepflegt hat, berechnete seine Handelsverbindung 1890 wie folgt:
Einfuhr Ausfuhr
Mexiko.......12467 570 Mk. 19 743 710 Mk.
Guatemala ,, ... 23928410 - 6582020
Honduras..... 81960 - 449000
Salvador......6105910 - 2283300
Costarica......2617490 - 2808030
Nic^ragua.....3990340 - 2194230
Britisch-Honduras .. .. 23190 - 123850
Sankt Thomas .... 48280 - 1076690
Puerto Rico.....8943950 - 6516310
Halti.......10993900 - 5724370
Dominikanische Republik 6106090 - 1814180
Cuba.......11422 790 - 4.^20210
Iamaica......1441380 - 427460
Trinidad...... 493040 - 478770
Dagegen ist Südamerika einer der unsichersten Abnehmer europäischer Industrieartikel auf der ganzen Erde. In Niederländisch-Guayana beherrschen die Negeraufstände und deren Wirkungen die Gesamtheit der politischen und wirtschaftlichen Zustände.
Bolivia scheint sich in neuerer Zeit in einem gewissen Stadium der wirtschaftlichen Ruhe zu befinden, indessen ist seine Abhängigkeit von den in den umgebenden Staaten sich abspielenden Vorgängen zu groß, als daß auf längere Zeit hinaus Europa ihm größere Kredite ohne ausreichende reale Grundlagen einzuräumen im stände wäre. Dasselbe gilt von Venezuela und Kolumbien; im letztern Lande haben Engländer wie Franzosen sehr üble Erfahrungen gemacht. Dagegen eröffnet sich in Peru unter Leitung englischen Kapitals eine aussichtsreiche Zukunft, die freilich zunächst der englischen Industrie zu gute kommen wird. Doch stehen die in Angriff genommenen Unternehmungen erst in den Anfangsstadien. Die Ausfuhrnach Ehile istdurch die dortigen kriegerischen