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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Historische Litteratur 1890/91 (Österreich, Schweiz, Frankreich)
Quellenstudien beruht, aber in der Sprache gesucht und nicht immer glücklich ist, und in der Auswahl des Stoffes entschieden zu weit geht: die Reichsgeschichte ist in einem Umfang in die Darstellung einbezogen worden, der durch den Anteil der zähringischen Herzöge an den Ereignissen derselben schwerlich gerechtfertigt werden kann. Allerdings wird eben darum das Buch auch von allen denen, die sich mit der Reichsgerichte des 11. und 12. Jahrh. beschäftigen, beachtet werden müssen. Den günstigsten Eindruck erwecken die bis jetzt erschienenen Lieferungen von E. Gotheins »Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes und der angrenzenden Landschaften« (Straßb. 1891). Wir erwähnen schließlich noch, anderes übergehend, die liebevolle, vortrefflich unterrichtete Biographie des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin von L. v. Hirschfeld (Leipz. 1891) und die kulturgeschichtlich interessante Skizze von H. Haupt, »Waldensertum und Inquisition im südöstlichen Deutschland« (Freiburg 1890).
Ehemals deutsche Länder. Österreich. Schweiz.
In die Zeit des Josephinischen Österreich führen zwei Arbeiten: eine Geschichte des Aufstandes der Niederlande gegen Joseph II. von dem Jesuiten L. Delplace (Brügge 1890), die denselben natürlich von streng kirchlichem Gesichtspunkt aus beurteilt und für die Reformen des Kaisers kein Verständnis hat, und eine von C. Wolfgruber (Saulgau 1890) aus handschriftlichen Materialien gearbeitete Biographie des Kardinals Migazzi, Fürsterzbischofs zu Wien, der seinerseits ein Gegner der Josephinischen Kirchenpolitik war. Fr. v. Krones, »Tirol 1812-1816 und Erzherzog Johann von Österreich« (Innsbr. 1890), schöpft vornehmlich aus den Tagebüchern des Erzherzogs und ist im stände, dessen bisher vielfach verkanntes Verhalten den Tirolern gegenüber vollkommen zu rechtfertigen; in einer zweiten Publikation: »Aus dem Tagebuch Erzherzog Johanns von Österreich 1810-1815« (Innsbr. 1891), gibt er schätzbare Beiträge zur Geschichte der Befreiungskriege und des Wiener Kongresses. Eine vortreffliche Arbeit, die reife Frucht langjähriger Studien, ist die Geschichte der »Finanzen Österreichs von 1701-1740«, nach archivalischen Quellen dargestellt vom Freiherrn v. Mensi (Wien 1890): die Kläglichkeit der Finanzlage Österreichs in dieser Epoche, in der es vier mehrjährige Kriege auszufechten hatte und Zu verzweifelten Kreditoperationen schreiten mußte, tritt hier in hellste Beleuchtung.
In der historischen Litteratur der Schweiz stehen in diesen Jahren die beiden Jubiläen, welche im Sommer 1891 gefeiert worden sind, das der Eidgenossenschaft und dasjenige der Stadt Bern, im Mittelpunkt. Die zahlreichen, diesen Vorgängen gewidmeten Schriften, die wir hier nicht sämtlich aufzählen können, zeigen, wie schon die Anberaumung des eidgenössischen Festes selbst auf den 1. Aug. 1891, d. h. den 600. Jahrestag des ersten uns erhaltenen Bündnisses zwischen den Urkantonen, daß man auch in der Schweiz jetzt mehr und mehr dahin gelangt ist, die nationale Geschichte auf zuverlässigen Urkunden und Quellen statt auf der ruhmvollen, aber wankenden Grundlage der patriotischen Befreiungssagen aufzubauen. Darum ist es verdienstvoll, daß J. J. v. Ah die ältesten »Bundesbriefe der Eidgenossenschaft 1291 bis 1513« (Einsiedeln 1891) in' glänzender Ausstattung und doch zu billigem Preise allgemein zugänglich gemacht hat; diplomatischer Genauigkeit entbehren diese Abdrücke allerdings und genügen deshalb wissenschaftlichen Bedürfnissen nicht. Der Bundesbrief von 1291 selbst ist außerdem noch mehrfach veröffentlicht worden. Wie schwer man sich übrigens selbst in rein wissenschaftlichen Kreisen entschließen kann, ganz auf die Sagen von der Schweizer Befreiung Zu verzichten, das zeigt die Darstellung der Anfänge der Eidgenossenschaft in dem Neujahrsblatt der Baseler Gesellschaft zur Beförderung des Guten (Basel 1890) von A. Bernouilli: nur die Tellsage wird hier völlig preisgegeben, dagegen der wenig aussichtsvolle Versuch gemacht, die Männer und den Bund vom Rütli aus dem Anfang des 14. Jahrh., wo die Sage sie kennt, in die Mitte des 13. Jahrh. zu versetzen und so für die Geschichte zu retten. Zwei wahrhaft glänzende Publikationen sind: das ausgezeichnete Werk von W. Öchsli, »Die Anfänge der schweizerischen Eidgenossenschaft« (Bern 1891), und die »Große Festschrift zur VII. Säkularfeier der Gründung Berns« (Bern 1891), mit wertvollen Beiträgen verschiedener bernischen Gelehrten; aber auch die populäre Festschrift von Wolfgang v. Mülinen: »Berns Geschichte 1191-1891« (das. 1891), darf als eine tüchtige und verdienstliche Arbeit bezeichnet werden.
Ausland.
Frankreich. Ein gelehrtes und gründlich gearbeitetes, dabei doch vortrefflich geschriebenes Handbuch der französischen Verfassungsgeschichte hat P. Viollet in seiner »TTTTT« (Par. 1890) zu schreiben begonnen; der erste Band umfaßt die gallische, römische, fränkische Periode. Mit den Zuständen speziell der ältesten Zeit beschäftigt sich ein umfangreiches Werk von H. d'Arbois de Jubainville, »TTTTT« (Par. 1890), der in lebhafter Polemik gegen Fustel de Coulanges und mit besonderer Berücksichtigung der Ortsnamen das Fehlen eines Sondereigentums an Grund und Boden im vorrömischen Gallien zu erweisen sucht. Seine ausgezeichnete Verfassungsgeschichte der kapetingischen Epoche: »TTTTT«, hat A. Luchaire in zweiter Auflage erscheinen lassen (Par. 1891), und demselben fleißigen Forscher verdankt man noch zwei andre Werke über die kapetingische Epoche, eine Geschichte der Gemeinden: »TTTTT« (Par. 1890), und eine Spezialarbeit über »Ludwig VI. (das. 1890), die aus einer elegant geschriebenen Einleitung und Regesten zusammengesetzt ist. Für die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland im Mittelalter ist von Interesse P. Fournier, »TTTTT« (Par. 1891). Der Verfasser, der mit der einschlägigen deutschen Litteratur gut vertraut ist, behandelt in ansprechender Darstellung den Kampf um das burgundisch-arelatische Reich, der im 14. Jahrh. zum Nachteil Deutschlands zu Ende geht; natürlich steht er auf französischem Standpunkt; die Einverleibung Burgunds in Frankreich erscheint ihm als ein notwendiges und heilvolles Ereignis. - Aus der sehr umfangreichen Litteratur über neuere französische Geschichte greifen wir nur einiges heraus. Eine Biographie des Finanzministers Nicolas Fouquet unter Ludwig XIV. von I. Lair (Par. 1891, 2 Bde.) gestaltet sich zu einer vollständigen Rettung dieses viel angeklagten Staatsmannes, den der Verfasser als treu, unbestechlich und tugendhaft hinstellt. L. W ies euer, »TTTTT« (Bd. 1, Par. 1890), schöpft in seinem die Politik des