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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Konfessionsänderungen (Statistisches)
ausgeführt werden, wird zur Abkühlung ein Gradierwerk benutzt. Dies besteht (s. Figur,S. 543) aus einem ca. 6 m hohen, in Holz ausgeführten Turm, in welchem zwei Systeme von parallelen senkrechten Vrettwänden (^ und d) übereinander eingebaut sind, und zwar so, daß die obern Breitwände <^ quer über den unternd hinweglaufen. Das vom Kondensator o kommende, durch den niedergeschlagenen Dampf erwärmte Wasser läuft durch ein Rohr in offene Rinnen und rieselt von da an den Brettwänden langsam und in ganz dünnen Schichten nieder, während von unten durch den Ventilator ä, dem Wege des Wassers entgegengesetzt, mit geringer Geschwindigkeit(6 in pro Sekunde) ein Luftstrom geblasen und dadurch ein Teil des warmen Wassers verdunstet wird. Hierdurch wird Wärme gebunden, welche zum Teil dem herabrieselnden Wasser entnommen wird, so daß dieses abgekühlt in dem Sammelraum 6 anlangt. Es erfolgt eine Abkühlung von 45", welche das Wasser im Kondensator angenommen hatte, auf 22". Der Verlust an Wasser wird durch den kondensierten Dampf, der ohne K. in die Luft gehen würde, nahezu wieder ersetzt, so daß ttttr wenig Wasserzufluß nötig ist. Zum Betrieb von Maschinen mit dieser K. ist also nur so viel Wasser erforderlich, als die Dampfkesselspeisung verbraucht.
Von 6 aus gelangt das Wasser durch das Rohr t wieder in den Kondensator, wird dort beim Niederschlagen des Dampfes wieder erwärmt, gelangt zur Abkühlung wieder auf das Gradierwerk :c. '' Eine günstige Folge dieses Kreislaufes ist die, daß dem Wasser fast alle Luft und Kohlensäure entzogen wird, so daß die Luftpumpe vorteilhafter wirken kann und ein höheres Vakuum erzielt, als beim Gebrauch von frischem, luftreichem Kühlwasser. Das Gradierwerk ist bei jedem Kondensationssystem (Oberflächen- oder Einspritzkondensation) anwendbar. Derartige Kondensationsanlagen sind in einer größern Anzahl von Werken im Betrieb. Auch die Lieferanten haben auf ihrem Werke eine derartige Anlage errichtet, die seit Anfang 1890 ununterbrochen im Betrieb ist und bei einem Wasserzusatz von höchstens der Hälfte des für die Dampfmaschine erforderlichen Speisewassers ein hohes Vakuum liefert.
Konfe!sion3änderungen. Die Religionsgenossenschaften erleiden in ihrem Bestände stetige Veränderungen, die einerseits eine Folge der natürlichen Vermehrung durch Geburtenüberschüsse, anderseits e>ine Folge der Übertritte von der einen Konfession zur andern sind. Im allgemeinen stehen die Übertritte, welche man als K. bezeichnet, den durch die natürliche Volksbewegung vor sich gehenden Änderungen im Bestände der Religionsgenossenschaften bedeutend nach. Nichtsdestoweniger sind die K. eine soziale Erscheinung, welche in vielen Arten ihres Auftretens und zu verschiedenen Zeiten der Geschichte, auch gerade in der unsrigen, alle Beachtung verdient. Die wichtigsten Beispiele von K. bieten die heutigen Weltreligionen in ihrer Entstehung, vornehmlich das Christentum und der Islam, dann die Reformation.
Auch heute entstehen neue Neligionsgenossenschaften, und zwar besonders unter den protestantischen Völkern in Nordamerika, England, Teutschland :c., aber diese Religionsgründungen halten keinen Vergleich mit jenen großen Ereignissen aus, sie betreffen meist kleine Gesellschaften von lokaler Bedeutung, die überdies oft mit einer bestimmten Persönlichkeit stehen und fallen. Die Heidenmissionen in Afrika, Amerika und den übrigen Kontinenten haben zweifelsohne große Erfolge; diese ziffermähig zum Ausdruck zu bringen, ist jedoch mangels Nachweisungen unmög lich. Der Erfolg der Missionare liegt überdies selten gerade in dem Umstände der Bekehrung, d. h. des Übertrittes zu dem einen oder andern christlichen Bekenntnis, welches in den weitaus meisten Fällen etwas rein Äußerliches sein mag, sondern vielmehr in der Einwirkung auf die nachwachsenden Generationen, welche den dogmatischen und moralischen Inhalt sowie das äußere Formenwesen der neuen Religion schon von frühester Kindheit an in sich aufnehmen. Allerdings ist nicht zu übersehen, daß auch die Hauptkonfessionen untereinander Proselyten machen, und daß dies im speziellen auch für die Beziehungen der einzelnen christlichen Konfessionen zu einander gilt. Mit solchen Bestrebungen hängen wohl vereinzelte Übertritte zusammen, welche überall und unter allen Konfessionen, auch heute, zu konstatieren sind. Es dürfte aber die Behauptung wohl unanfechtbar sein, daß sie durchaus nicht die Hauptursache der K. sind, welche heutzutage in den Kulturländern überall dort vorfallen, wo die Bevölkerung konfessionell gemischt ist, was ja namentlich in den Städten, aber auch sonst vielfach der Fall ist. Die Hauptursache der hier auftretenden K. ist vielmehr das Moment der Eheschließung. Dort, wo die Bevölkerung konfessionell gemischt wohnt, wie dies immer mehr und mehr der Fall ist, werden auch die Mischehen häufiger; bei dem intimen Leben in der Ehe tritt der Umstand der Verschiedenartigkeit der Konfession sehr störend auf, da diese ja auch den Menschen in seinen intimsten Beziehungen erfaßt. Dazu kommt, daß staatliche Gesetze oder kirchliche Vorschriften oft die Abschließung gemischter Ehen sehr erschweren oder geradezu unmöglich machen. Die K., welche hier vorfallen, beziehen sich entweder auf die Übertritte des einen Teiles der Brautleute zum Bekenntnis des andern vor der Ehe, oder aber auf die Übertritte nach geschlossener Ehe als Folge der Assimilierung der beiden Eheleute oder aus äußern Rücksichten. Somit haben die in den gemischt-konfessionellen Kulturländern heute vorfallenden K. sehr wenig oder gar nichts mit dem innern Momente, dem Glauben und der Überzeugung, zu thun.
Die Zahlenverhältnisse der K. sind, so interessant es auch wäre, sie kennen zu lernen, fast gänzlich unbekannt. Bezüglich der Missionen liegen wohl Notizen verschiedener Missionsgesellschaften :c. vor, aus denen aber eine allgemeine Übersicht nicht zu entnehmen ist. Was die Übertritte in den Kulturländern anbelangt, so hat sich die offizielle Statistik im allgemeinen noch nicht mit denselben befaßt. Die besten Nachrichten liegen bisher für die österreichischen Städte (vgl. das »Österreichische Städtebuch«, Bd. 1) vor; sonst haben sich nur die statistischen Ämter mancher Städte mit dieser Erscheinung befaßt, so Wien und Berlin. Auf Grund dieser Daten werden im folgenden einige Grundzüge mitgeteilt, nach welchen die K. in die Erscheinung treten.
Die Städte sind im allgemeinen jene Bevölkerungszentren, welche für K. die größte Disposition besitzen, einerseits weil die Mischung der Konfessionen die größte, und anderseits, weil die Religiosität am wenigsten intensiv ist. Auf dem Lande sind solche auf Grundlage der Eheschließung 2c. beruhende K. wohl sehr selten; dagegen finden hier Übertritte in größerer Masse statt. Die Ursachen sind allerdings auch hier selten eigentlich religiöser Natur, sondern meist auf einem ganzandern Felde zu suchen. In Österreich z. B. bringt der Zusammenhang von Konfession und Nationalität bei dem Umstände der heutigen größern Bedeutung des nationalen Momentes