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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Leo - Licht
die Hierarchie wie für die Macht der französischen Nation erfüllt, drang daher bei der Kurie darauf, daß der französische Klerus fich offen für die Republik erklären dürfe, um Einfluß auf sie zu gewinnen und ihre Macht den Zwecken der Kirche dienstbar zu machen. L. erklärte sich damit einverstanden. Sein Staatssekretär Rampolla und der Nunzius in Paris, Ferrata, sprachen es offen aus, daß die über alle Parteien gestellte Kirche die göttliche Einrichtung für sich allein beanspruche, daß die Ausdehnung des göttlichen Rechtes auf das Königtum im Evangelium nicht begründet sei und sowohl der Nation wie der Kirche zum Unheil gereicht habe. Als dieser Umschwung in der.Haltung des Klerus von den Republikanern in Frankreich mit Genugthuung begrüßt wurde, gründete die Kurie hierauf sofort ausschweifende Hoffnungen; man glaubte im Vatikan, Frankreich, mit Italien seit längerer Zeit verfeindet, werde, um dieses Zu schwächen, eine Wiederherstellung des Kirchenstaates begünstigen, und als gar in Kronstadt der Bund der französischen Republik mit dem russischen Zaren geschlossen wurde, rechnete man auf die Zertrümmerung des Dreibundes und der italienischen Einheit durch einen europäischen Krieg und auf die Erfüllung der päpstlichen Wünsche infolge desselben. Die entschiedene Mißbilligung derselben seitens der Führer des deutschen Zentrums blieb unbeachtet. Große Pilgerzüge französischer Arbeiter und der französischen Jugend wurden im Herbst 1891 veranstaltet, um den Papst von den ihm günstigen Gesinnungen des französischen Volkes zu überzeugen, und mit Siegesgewißheit wurde auf einer Versammlung der jugendlichen Pilger in Rom verkündet: »Das Banner des Vatikans muß wieder auf dem Kapitol wehen, das Denkmal Giordano Brunos auf dem Campo de' Fiori wird von uns umgeschmolzen und zu Glocken für unsre Kirchen verwendet werden! Indes eine Taktlosigkeit einiger Pilger im Pantheon am Grabmal Viktor Emanuels 2. Okt. genügte, um das italienische Nationalgefühl zu einer großartigen Demonstration gegen das Papsttum aufzureizen. Die französische Regierung tadelte sofort das Verhalten der Pilger und beeilte sich, weitere Pilgerzüge zu verbieten. Sie erklärte in der Kammer, daß die französische Republik nicht daran denke, den Kirchenstaat herzustellen, und selbst konservative Deputierte bezeichneten dies als unmöglich. Ja, ein hoher französischer Prälat wurde wegen Beleidigung der Regierung in Anklagezustand versetzt. Dennoch gab L. seine Hoffnung auf die französische Republik nicht auf, erließ zu gunsten derselben im Febr. 1892 eine Encuklika an die Katholiken Frankreichs und befahl die Auflösung der monarchistischen katholischen Vereine, obwohl die französischen Radikalen das Ministerium gerade wegen seiner papstfreundlichen Haltung stürzten (s. Frankreich, S. 338). Nur widerwillig fügten sich die französischen Monarchisten.
Leo, Friedrich, kloss. Philolog, geb. 10. Juli 1851 zu Regenwalde in Pommern, studierte in Göttingen und Bonn, woselbst er 1873 mit den > (Hn3,6-8tioii68 ^.i'istopilaus Ns« promovierte, habilitierte sich 1877 als Privatdozent in Bonn und wurde 1881 außerordentlicher Professor in Kiel, 1883 ordentlicher Professor in Rostock, 1888 in Straßburg, 1889 in Göttingen. Er besorgte Ausgaben von Senecas Tragödien (Verl. 1878-79,2 Bde.), des Venantius Forwnatus (in den »Nonuinenw (^6i'inania6 liiswricn ,, das. 1881), der »(^omoeäias« des Plautus (bis jetzt Bd. 1, das. 1885) und des dem Vergil zugeschriebenen Gedichtes »l^ulex« (das. 1891).
Lcste, ein trockner, Saharastaub mit sich führender Ostwind, welcher auf Madeira und den Kanarischen Im'eln meist in der kältern Jahreszeit auftritt.
Leuchttonncn, Leuchttürme, s. Seezeichen.
Leutomame, s. Schlaf.
vevy, 2) Ealman, franz. Buchhändler, starb 18. Juni 1891 in Versailles.
Lcwicli (spr. -itzki), Anatol, poln. Historiker, geb.
1841 Zu Prysowce in Galizien, studierte in Lemberg, war zuerst Lehrer der Geschichte in Przemysl, dann seit 1883 Professor in Leinberg und ist jetzt P^s^v'c der österreichischen Geschichte an der Universität Krakau.
Er schrieb: »U1682K0 II« (Krak. 1875); »^inti8-I^v II« (Przemysl 1876); () Ui682ku III« (Lemb.
1881); »Hi8t0i')-a I'olski i Iw8i« (2. Aufl., Krak.
1884-88); deutsch: .Ein Blick in die Politik König Siegmunds gegen Polen während der Hussitenkriege« (Wien 1886) u. a.
Lcwinsti, Alfred von, preuß. General (Vd. 18), erhielt 1. April 1892 den erbetenen Abschied als Kommandeur des 15. Armeekorps in Straßburg.
Lexer, Matthias, Germanist, Professor in Würzburg, folgte im April 1891 einem Rufe an die Universität München, starb aber 16. April 1892 in Nürnberg.
L'Hirondelle-Expedition, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen.
Licht, Hugo, Architekt, geb. 1842 zu Niederzedlitz bei Fraustadt (Prou. Posen), trat nach mehrjähriger praktischer Thätigkeit 1862 in das Atelier von Ende u. Böckmann in Berlin ein, studierte seit 1864 auf der dortigen Bauakademie, wo er sich besonders an R. Lucae anschloß, dessen Atelierschüler er wurde, und bildete sich dann weiter in Wien nach den Werken H. Ferstels und des Malers F. Laufberger, dessen Bestrebungen zur Erneuerung der Sgraffitomalerei auf Lichts eigne Bauschöpfungen von Einfluß wurden. Nachdem L. 1870 eine Studienreise nach Italien gemacht, war er von 1871-79 als Privatarchitekt in Berlin thätig, wo er in mehreren Wohnhäusern, besonders aber in den Heckmannschen Bauten vor dem Schlesischen Thore (Villa, Gartenhaus, Fabrikgebäude) seinen fein entwickelten Farbensinn bekundete. Zur vollen Entfaltung seiner künstlerischen Kraft gelangte er aber erst, als er 1879 als Chef des städtischen Hochbauamts nach Leipzig berufen wurde. In dieser Stellung hat er ebensosehr seine Fähigkeit für monumentale Gestaltung wie für zweckmäßige innere Anlage öffentlicher Bauten bewährt. Seine künstlerische Eigenart, die in den klassischen Mustern der italienischen Renaissance wurzelt, zeigt sich am reinsten in dem Erweiterungsbau des städtischen Museums und dem Konservatorium für Musik. Daß er aber auch die Formen der deutschen Renaissance Zu beherrschen weiß, hat er in dem Predigerhaus am Nikolaikirchhof bewiesen. Von seinen übrigen Schöpfungen, die die architektonische Physiognomie Leipzigs wesentlich bestimmt haben, sind noch zu nennen: die Bauten auf dem neuen! Iohannesfriedhof, die Anlage des Südfriedhofs aml Napoleonstein, das Siechenhaus, die Gewerbeschule,! das Polizeigebäude, der Zentralschlacht- und Vieh' bof und die Zentralmarkthalle. Auch ist ihm die ^Ausführung des Grassi-Museums in Leipzig für Kunstgewerbe und Völkerkunde und des architektonischen Teiles des Kaiser Wilhelm-Denkmals für Breslau übertragen worden. L. besitzt die kleinen goldnen Medaillen der Berliner und Münchener Kunstausstellung. Er gab die Sammelwerke: »Architektur Berlins«, »Architektur Deutschlands«, »Architektur der Gegenwart« (Verl. 1876-92) heraus.