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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mission (Ostafrika)
Noch schlimmer wurde die Lage der trotz dieser Androhungen immer zahlreicher werdenden christlichen Gemeinde nach Mtesas Tode (10. Okt. 1884) und der Besteigung des Thrones durch seinen Nachfolger Mwanga. Derselbe ließ die Christen sogleich auf das heftigste verfolgen, 1885 mehrere Zöglinge der englischen M. lebendig verbrennen und sogar den englischen Bischof für Zentralafrika, Hannington, lnnrichten. Nach MwangasSturz(1888) erklärte sein Nachfolger Karema Religionsfreiheit, doch muhte er bald wieder Mwanga weichen, der sich nun den Christen, den Protestanten sowohl als deu Katholiken, freundlich zeigte und mit deren Unterstützung sich gegen Unjoro behaupten konnte. Auf deutschem Gebiet hat die M. Stationen in Mpwapwa, Kisokwe und Mamboia. Die Universitätenmission unter einem Bischof in Sansibar hat Anstalten zur Erziehung befreiter Sklavenkinder zu Kiungani (für Knaben) und Mimbweni (für Mädchen), in ersterer auch neben der Industrieschule ein kleines Seminar errichtet. Auf dem ehemaligen Sklavenmarkt erhebt sich die Kathedrale; auf dem Festland bestehen Stationen in Magila, Mkumbi, Mkuzi, Umbor, Masasi, Karagwe u. a. Ein Hospital wurde auf der Insel Sansibar errichtet. Auf dem Nyassa ist ein zur Abhaltung von Gottesdiensten besonders eingerichteter Dampfer in Thätigkeit und am Ostufer die Station Lukoma mit Schule angelegt. Die I^onäou, Ui88i«n3,i^ 8ooi6t^ legte 1879 zur Erleichterung des Weges nach dem Tanganjika eine Station zu Urambo an und am See selber Kawala und Fambo.
Ein Dampfer leistet sehr wichtige Dienste. Am Nyassa verlegte die ^i'66 l^duieli ol ßcoti^uä ihren Hauptsitz 1881 von Livingstonia nach Bandawe und errichtete außerdem zehn Nebenstationen. An der befreundeten Handelsgesellschaft am See, welcher auch ein Dampfer gehört, hat sie einen guten Halt. Die M. der Ämrck ok scotianä zu Blantyre, südlich vom Nyassa, hat neuerdings zwei Nebenstationen zu Domasi und Tschirajulo gegründet. Wie von freikirchlichen, so wird auch von dieser Gesellschaft ärztliche M. getrieben.
Als die erste deutsche Missionsniederlassung in Ostafrika ist Dschimba bei Mombas zu nennen, gegründet 1886 von der 1855 gestifteten evangelisch-lutherischen Missionsgesellschaft für Ostafrika in Bayern. Bald darauf entstand eine zweite Station weiter landeinwärts in dem an der Karawanenstraße liegenden Mbungu. Nach dem deutsch-englischen Vertrag vom 1. Nov. 1886 gehört dieses Gebiet der bayrischen M. zur englischen Interessensphäre.
Im Wituland begann die 27. Aug. 1882 zu Neukirchen bei Mors am Rhein gegründete M. 1887 ihre Arbeit, indem sie nahe der englischen methodistischen Station Golbanti am Tanafluß zu Ngoo ihre crsto Station errichtete. Zwar zerstörten dic Somal schon im nächsten Jahre das Missionshaus, doch wurde dasselbe von den Missionaren, die, zeitig gewarnt, sich hatten retten können, sogleich wiederaufgebaut. Beide Missionen sind, seitdem das Gebiet, in dem sie wirken, aufgehört hat, deutsch zu sein, auf deutsches Gebiet übergesiedelt und haben dort Stationen gegründet. Für Deutsch-Ost afrika selber wurde 1886 in Berlin die evangelische Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika gegründet, welche die von ihrem Leiter redigierte Zeitschrift: »Nachrichten aus der ostafrikanischen M.« herausgibt. Ein aus Abessinien vertriebener Missionar der Chrischona-Missionsanstalt bei Basel wurde 1887 nach Dar es Salam ausgesandt, dem bald andre folgten. Den
Grundstock der neuen Gemeinde bildeten befreite Sklavenkinder. Alles ging vortrefflich, als der Araberaufstand ausbrach und die Missionare 9. Jan. 1889 zu eiliger Flucht nach Sansibar nötigte, wohin sie auch die befreiten Sklavenkinder retteten. Doch schon im April konnte unter dem Schutze deutscher Kriegs-, schiffe die Arbeit in Dar es Salam wieder aufgenommen werden. Aber der größte Teil der befreiten Sklaven war bei jenem Überfall den Arabern in die Hände gefallen, und so belief sich die Zahl der bci der Station befindlichen Eingebornen nur noch auf 22. Eine neue Station wurde 1890 in Tanga errichtet. Neben dieser M. haben sich 1891 zwei weitere Missionen entschlossen, am Nordende des Nyassasees im Anschluß an das Missionsgebiet der schottischen Freikirche Niederlassungen zu begründen.
Die Brüdergemeinde entsandte vier Brüder, welche unter Leitung des bereits seit 5 Jahren am Nyassa thätigen frelschottischen Missionars Croß ihr Werk beginnen werden. Die Berliner südafrikanische Missionsgesellschaft (Berlin I) trat in Unterhandlungen mit der Deutsch-Ostafrikanischen Missionsgesellschaft (Berlin III) zur Anbahnung einer gemeinschaftlichen Arbeit in Ostafrika. Diese Verhandlungen scheiterten indes, und so entschloß sich Berlin III, vier Missionare und drei Handwerker unter Führung des erfahrenen Merensky zum Nyassa Zu senden und an dessen Nordende eine Station Zu gründen. Auch die Goßnersche M. gedenkt in Ostafrika zu arbeiten und sich am Rufidschi niederzulassen. Die Neuendettelsauer Missionsgesellschaft, welche bisher nur auf Kaiser Wil-Helms-Land thätig war, legte 1890 durch Zwei Missionare die Station Ikutha in Mteno an.
Die katholischen Missionen in Ostafrika.
Der Afrika-Verein deutscher Katholiken, welcher jetzt zehn Diözesanvereine, nämlich Köln, Trier, Münster, Paderborn, Fulda, Osnabrück, Hildesheim, Rottenburg und das apostolische Vikarsat Sachsen umfaßt, außerdem noch Zweigvereine in Berlin, Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen, Elsaf^Lothringen, Baden und Bayern besitzt, hatte 1889 und 189l) eine Einnahme von 530,000 Mk., wovon 370,000 Mk. für die afrikanischen Missionen verausgabt wurden.
Das apostolische Vikariat Nord-Sansibar umfaßt die Stationen Bagamoyo mit 3 Priestern, 8 Brüdern und 10 Schwestern von der Kongregation der Töchter Maria, Mhonda mit 3 Priestern und 1 Bruder, Mandera, Mrogoro, Tununguo, La Longa und Windthorst, früher Kilema, mit je 2 Priestern und 1 Bruder.
Die M. steht unter einem Bischof. Dieses apostolische Vikariat verdankt seinen Ursprung den zuerst 1860, dann wieder 1863 von Reunion nach Sanftbar gekommenen Brüdern von der Gesellschaft des Heiligen Geistes und des heiligen Herzen Maria, den sogen, schwarzen Vätern, welche zuerst in Sansibar ein Krankenhaus und Schulen eröffneten, bald auch eine solche in Bagamoyo errichteten, in welcher 300 Kinder Aufnahme fanden. Die St. Benediktus-M. von St. Ottilien, welche von dem oben genannten Verein eifrig unterstützt wird, steht unter einem apostolischen Präfekten von Süd-Sansibar. Derselbe wirkt in Dar es Salam mit 7 Priestern, 7 Brüdern und 9 Schwestern, denen ^891 noch8 weitere Mitglieder und 5 Schwestern gefolgt sind, um eine zweite Station mit Sanatorium anzulegen.
Diese M. errichtete in Pugu bei Dar es Salam eine landwirtschaftliche Station, eine Kapelle und das Kloster Missionskreuz, ein Kinderasyl für 100 .Knaben und Mädchenu.a. Der Aufstand der Arabcr vernichtete diese M., einige der Missionare und