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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Panzerschiffe (Systeme; Armierung)

seitlichen Ausbauten vor dem vordern Turin, über der stark nach innen geneigten (eingezogenen) Bordwand, die übrigen stehen in der Batterie hinter dem vordern Turm, in den Gefechtsmasten etc. Die beiden Schrauben werden durch zwei dreifache Expansionsmaschinen getrieben, deren jede 4500-5000 Pferdekräfte entwickelt und dem Schiff gegen 16 Knoten Geschwindigkeit erteilen werden. Die Schiffe werden eine größte Länge von 116, eine Breite von 19,5, einen Tiefgang von 7,4 m und ein Gewicht von 10,300 T. haben. Hinter dem vordern Geschützturm befindet sich der aus 30 cm dicken Panzerplatten hergestellte Kommandoturm, von welchem alle Telegraphen und Sprachrohre ausgehen, und wo auch das Direktionsrad der Dampfsteuerung untergebracht ist. Das Schiff besitzt durch seine Einteilung in 120 wasserdicht abschließbare Räume eine sehr große Schwimmfähigkeit. Von der Aufstellung 100 Ton. wiegender oder noch schwererer Geschütze an Bord von Panzerschiffen, wie es in Italien und England geschehen, ist man zurückgekommen. Durch die in der Neuzeit erzielte Vervollkommnung der Geschütze erhalten wir schon bei

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erheblich geringerm Kaliber, bis zu etwa 34 cm, eine hinreichende Durchschlagskraft der Geschosse. Neben der erheblich geringern Belastung der Schiffe wird damit noch der Vorteil erzielt, daß diese Geschütze im Notfall mit der Hand bedient werden können, was bei den schweren Geschützen nur mittels Maschinen geschehen kann. Während man bei den deutschen und englischen Schiffen Angriffs- und Widerstandskraft sorgfältig gegeneinander abgewogen, sind in Italien die Geschützärmierung und Fahrgeschwindigkeit anf Kosten der Panzerung sehr bevorzugt, ein System, das viele Freunde hat, und dem von manchen die Zukunft zugesprochen wird. Sardegna z. B. wird mit vier 34,3 cm, acht 15 ein Kanonen L/40, zehn 12 ein, zehn 5,7 und zwölf 3,7 cm Schnellfeuer- sowie 7 Revolver- und Maschinengeschützen armiert und Maschinen von 22,800 Pferdekräften erhalten, die ihm mindestens 18 Knoten Geschwindigkeit erteilen werden.

Auch betreffs der Torpedoboote ist insofern eine Wandlung eingetreten, als die schon geäußerten Zweifel über die Zweckmäßigkeit sehr kleiner Boote wegen mangelnder Seefähigkeit durch die Flotten-

^[Abb.: Fig. 2. Panzerschiff Marce an (Frankreich).]

^[Abb.: Fig. 3. Panzerschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm (Deutschland).]