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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Paparrigopulos - Papier
Übungen vergangener Jahre bestätigt wurden. Während man früher bis zu Booten von 20 - 30 Ton. herunterging und solche von 50-60 T. für alle Fälle ausreichend hielt, baut man heute die Hochseeboote zu etwa 90 T. und darüber, während für den Dienst an der Küste auch kleinere Boote zweckmäßig Verwendung finden. Um sich aber die Vorteile kleiner Boote auf hoher See im Verbände der Schlachtflotten zu erhalten, hat man in England Schiffe gebaut, welche auf Deck sechs Torpedoboote transportieren, die im Gebrauchsfalle schnell mittels Dampfkränen zu Wasser gelassen werden können. Das nach diesen Grundsätzen gebaute, englische Torpedo-Depotschiff Vulkan von 6620 T. kann vermöge seiner großen Geschwindigkeit von 20 Knoten den Geschwadern folgen und soll sich bei den Übungen bewährt haben.
Vgl. Dislere, Die Kreuzungsschiffe und der Kaperkrieg (deutsch von Dietrich, Pola 1876); Lechner, Unsre Flotte (Kiel 1891); Busley, Die neuern Schnelldampfer der Handels- und Kriegsmarine (das. 1891); »Die neuesten Panzerschlachtschiffe der fremdländischen großen Marinen (»Marine-Rundschau«, Heft 6-8, Berl. 1891).
Paparrigopulos, Konstantin, griech. Historiker, geb. 1815 zu Konstantinopel, Sohn eines aus dem Peloponnes stammenden Bankiers, D emetrio s P., der 1821 beim Ausbruch des griechischen Aufstandes mit einem Teil seiner Familie von den Türken ermordet wurde, flüchtete mit seiner Mutter nach Odessa, ward daselbst auf Kosten des Zaren Alexander erzogen und begab sich 1828 nach Griechenland, wo er im Justizministerium angestellt und schließlich zum Direktor ernannt wurde. 1848 entlassen, übernahm er eine Professur am Gymnasium und 1854 an der Universität zu Athen. Er starb daselbst 26. April 1891. Sein Hauptwerk ist: »Geschichte des griechischen Volkes« (2. Aufl., Athen 1890, 5 Bde.), von der er selbst einen französischen Auszug unter dem Titel: »Hiätoiis ä61^ civili Z^tion (Par. 1878) veröffentlichte.- Sein Bruder Peter P., geb. 1817 zu Konstantinopel, studierte in München und Heidelberg die Rechte und wurde 1845 Professor der Rechtswissenschaft und Mitglied des Kassationshofs in Athen; seit 1860 ist er Rechtsanwalt daselbst. Er übersetzte Gibbons Werk: »^ti6 äsoline auä ^11 ot
t Kk NoiNHN NlNM'6« (1854).
Papier. Infolge des fortwährend zunehmenden Verbrauchs an P. und der dadurch bedingten Vermehrung der Produktion wie auch infolge des günstigen Einflusses der amtlich und privatim geübten Papierprüfungen auf die Beschaffenheit des Papiers sind in neuester Zeit die Bestrebungen der Papier-, fabrikation wesentlich aus die Erzeugung einer ausreichenden Menge von Ersatzstoffen gerichtet, deren Faserbeschaffenheit jener der Hadern möglichst nahekommt. Au die Spitze dieser Stoffe ist nunmehr das Holz getreten, nachdem es gelungen ist, durch Verbesserungen und Vervollkommnungen der Gewinnungsmethoden daraus Fasern uon solcher Beschaffenheit herzustellen, daß dieselben nicht nur ein sehr gutes P. liefern, sondern die andern Fasern, namentlich Strohfasern, verdrängen. In der Erzeugung der Holzfasern (Holzstoff) handelt es sich um die zwei Produkte Holzschliff und Holzcellulose, je nachdem mechanische oder chemische Mittel die Grundlage derselben bilden. Der durch Abschleifen auf drehenden Steinen gewonnene Holzschliff fällt sehr verschieden aus, je nach der Lage, in welcher das Holz an den Stein gepreßt wird, da letzteres z. B. niemals mit der Hirnfläche anzulegen ist, weil dann zu kurze
Fasern entstehen. Stets ist die Aderholzfläche die Arbeitsfläche, und man unterscheidet Querschliff und Längsschliff, je nachdem der Stein rechtwinkelig oder parallel zu den Fasern zur Wirkung kommt. Der Längsschliff liefert ohne Frage längere und daher für die Verfilzung günstiger beschaffene Fasern als der Querschliff. Dennoch war bis jetzt der letztere überwiegend in Gebrauch, weil er ein gleichmäßigeres Produkt lieferte als der Längsschliff, da bei diesem auf der runden Steinoberfläche Mulden eingearbeitet werden, die ein Abspalten von größern Holzstücken und somit ein sehr splitterreiches Fasermaterial hervorrufen, während zugleich bei tiefern Mulden der Stein in einer Fläche zum Angriff gelangt, die sich der Hirnfläche immer mehr und mehr nähert. Um die mit dem Längsschliff verbundenen großen Vorteile der langen Fasern jedoch zu erzielen, wurde von Direktor Schmidt in Bockau eine Tangensschliff genannte Schleifart eingeführt, welche darin besteht, daß die zum Abschleifen bestimmten und vorbereiteten Holzstücke mit ihrer Faserrichtuug tangential an dem Stein hin und her bewegt werden. Zu diesem Zwecke befindet sich an jeder Seite eines mit horizontaler Achse gelagerten Schleifsteins ein Kasten zur Aufnahme der Holzklötze, welcher durch eine Stange mittels Kurbel an Führungen auf und ab geschoben wird, während die aufrecht stehenden Holzstücke durch Schrauben u. dgl. Andruck erhalten. Die abgeschliffenen Fasern machen ihrer mangelhaften Beschaffenheit wegen noch ein Mahlen auf dem sogen. Raffineur erforderlich, das allerdings dieselben wieder in kürzere Fasern verwandelt und somit die Vorteile zum Teil aufhebt. Diejenigen Fasern jedoch, welche nicht durch den Raffineur hindurchgehen, bilden ein vorzügliches Material zu Pappen und groben Packpapieren.
Die große Brüchigkeit und Unbeständigkeit des Holzschliffes infolge der sogen. Inkrusten macht denselben überhaupt für alle Papiere, welche auf einige Dauer Anspruch haben müssen, so ungeeignet, daß derselbe hier fast als ausgeschlossen und nur als Füllstoff zu betrachten ist, namentlich seitdem die Erzeugung der sogen. Cellulose mit großer Sicherheit und geringem Kostenaufwand gelungen ist, da die Holzcellulose eine geschmeidige Faser ohne Inkrusten darstellt, die für sich allein schon ein sehr haltbares P. liefert. Dieses Übergewicht der Cellulose datiert von der Einführung der schwefligen Säure zum Aufschließen der Faser, für die Mitscherlich sich ein großes Verdienst erworben hat. Für dieses Verfahren, die Herstellung von Sulfitstoff, wird das Holz vorbereitet, indem es, von der Rinde befreit, schräg (etwa 45") gegen die Fasern in Scheiben zerschnitten wird, und zwar entweder mittels Hobelmesser, die radial auf einer sich drehenden schweren runden Gußeisenscheibe sitzen, oder in neuester Zeit vielfach mittels eines schweren, nach Art der Guillotine eingerichteten, durch Kurbel und Schubstange auf und ab bewegten Messers, das wie eine Schere gegen ein unten festliegendes Messer arbeitet. Hierbei werden die je nach Bedürfnis 5 ^^ 30 inia dicken Holzscheiben derart gelockert, daß die Äste und dergleichen Teile leicht beseitigt, die Scheiben selbst auf das zweckmäßigste für das Eindringen der Kochlaugen zugängig werden. Der wirksame Bestandteil der letztern ist eine Lösung von schwefligsaurem Kalk oder schwefligsaurer Magnesia, weshalb sie Sulfitlaugen genannt werden. Die Gewinnung dieser Laugen erfolgt überwiegend in hölzernen, mit Bleiblech ausgefütterten runden oder viereckigen Türmen