Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

719
Perrons - Pflanze
sichern Erfolg gewährleistet, daß es vor dem sichtbaren Auftreten des Schädlings in Anwendung gebracht wird. Nach den vorliegenden Erfahrungen erscheint es zweckmäßig, die Bespritzung in jedem Jahre zweimal vorzunehmen, und zwar das erste Mal vor, während oder gleich nach der Blüte, das zweite Mal4-6 Wochennach der letztern, selbstverständlich niemals während des Regens. Für die erste Bespritzung benutzt man eine Lö'snng von 1,5 1^- Kupfervitriol und 2,5, kß^ gelöschtem Kalk, wie ihn die Maurer verwenden, in 100 Lit. Wasser, für die zweite Bespritzung I k^ Kupfervitriol und 2kß' gelöschten Kalk in 100 L. Wasser. Empfehlenswert ist es, jeden Tag nur den Tagesbedarf der Lösung zu bereiten.
Diese Flüssigkeit soll in feinster Zerstäubung auf die Blätter der Weinreben gebracht werden, zu welchem Zwecke in neuester Zeit eine große Anzahl im wesentlichen nicht viel voneinander'abweichender Apparate, die Peronospora-Spritzen, konstruiert worden ist. Das Vorbild derselben war zweifellos der aus Amerika stammende Liquid-Atomizer, Flüssigkeitszerstäuber, welcher bereits vor 15 Jahren zur Bespritzung der Kartoffelpflanzen, gleichfalls mit einer Kupfervitriollösung, angewendet wurde, um den Kartoffelkäfer, Dor^iloiH tleoemliueat.^ zu vertilgen. Die Peronospora-Spritze, System A. Schmid, ist eine geschlossene, cylinderförmige Butte von starkem, inwendig verzinntem Kupferblech. Mittels äederriemen wird die Butte auf dem Nucken getragen, wobei unter dem rechten Arm ein eiserner Hebel hervorragt, mittels dessen zwei in den Kessel hineinragende Luftpumpen in Bewegung gesetzt werden.
Hierdurch erfolgt eine Pressung der Luft in dem Kessel und ein Äustreten der Flüssigkeit durch einen Schlauch in das von dem Arbeiter mit der linken Hand geführte Spritzrohr. Der Austritt erfolgt in einem beständigen Strahl in feinster, staubartiger Verteilung, und zwar wird letztere durch die eigentümliche Anordnung der Austrittsöffnung bewirkt.
Die Wirkung ist eine derartige, daß die Nebblätter nur betaut werden; ein Abtropfen soll nicht stattfinden. Zu beachten ist, daß das Pumpwerk mit der Kupfervitriollösung in keine Berührung kommt; es sindet mittels desselben vielmehr lediglich eine Pressung der Luft über der Flüssigkeit in dem Kessel statt.
Bei den bessern Spritzapparaten genügen wenige Hebelbewegungen in der Minute, um das gleichmäßige Austreten der staubartig verteilten Flüssigkeit zu bewerkstelligen. Der Arbeiter schreitet, mit den: Apparat ausgerüstet, die Reihen des Weingartens langsam ab und bespritzt die ihm zugekehrten Seiten der Stöcke rechts und links nur so viel, daß weder ein Zusammenfließen noch ein Abtropfen stattfindet.
Der Verbrauch an Lösungsflüssigkeit ist bei Verwendung dieses Apparats nicht erheblich; man braucht pro Hektar bei zweimaliger Bespritzung etwa 10 kx Kupfervitriol mit 700-800 L. Wasser. Neukomms Peronospora-Spritze, mit einem kupfernen Kessel von 13 L. Inhalt, stimmt im Prinzip mit der oben beschriebenen überein; der am Ende des Spritzrohres angebrachte Zerstäubungshahn kann durch eine einfache Drehung derartig reguliert werden, daß er auch zur Bespritzung von Bäumen und andern Pflanzen, z. B. Hopfen, um diese von Insekten, Blattläusen, Kupferbrandmilben, Honigtau zu befreien, angewendet werden kann.
Perrons, s. Eisenbahnsteige.
Peruzzi, 2) Ubaldino, ital. Staatsmann, starb 9. Sept. 1891 in Florenz, nachdem er 1890 zum Senator des Königreichs ernannt worden war.
Perwolf, Joseph, tschech. Schriftsteller (Bd. 17), starb 2. Jan. 1892 in Warschau.
Peschta, Gustav Adolf von, Mathematiker, Professor in Brunn, folgte im August 1891 einem Ruf an die technische Hochschule in Wien.
Peters, 4) Karl, Afrikareisender, traf 2. Juni 1891 als Kommissar der deutschen Regierung in Tanga ein, von wo er noch in demselben Monat mit einer 150 Mann starken Truppe und den beiden Offizieren Johannes und Bronsart von Schellendorf durch Usambara nach dem Kilima Ndscharogebiet aufbrach. Nach Gründung einer Station in Mariale bei Tavira, südöstlich vom Kilima Ndscharo, ist er gegenwärtig damit beschäftigt, im Verein mit dem britischen Konsul in Mombasa die deutsch-englische Grenze in Ostafrika festzustellen.
I>6M mal, s. Balneologische Gesellschaft.
Petrie, William Matthew Flinders, namhafter Altertumsforscher auf ägyptischem Gebiet, geb.
3. Juni 1853 zu Woolwich, 'genoß in Rücksicht auf seine schwache Gesundheit Privatunterricht und zeigte schon frühzeitig ein lebhaftes Interesse für Chemie und besonders für Altertümer. Wissenschaftlich arbeitete er zuerst in den Jahren 1870-75 über Metrologie, später (1875-80) über britische Altertümer.
Im I. 1880 wandte er sich nach Ägypten, wo er bis jetzt mit geringen Unterbrechungen thätig gewesen ist. Nachdem er dort 1880 -82 in Gizeh namentlich mit der Untersuchung der Pyramiden beschäftigt gewesen war, wurde er von der Ausgrabungsgesellschaft des Ntz'^t Nx Mi'Hticm?nnä mit Grabungen im Delta betraut, deren Ergebnisse in den Nemoii'8 des Nx^ioratiun I^unä niedergelegt sind.
Seit 1887 arbeitet er auf eigne Hand und veröffentlicht die Resultate seiner Forschungen alljährlich in besondern wertvollen Schriften. Petries Wohnsitz ist seit 1870 Bromley in Kent. Neben Aufsätzen in der »Nnc^iop^eäia Liitt^niea« (die Artikel »I^yr^iniä«« und >>^Vei<M8 anä ineanui'68«), dem I^o^i arcliaeoi. Institute«, dem ^ntliropolo Aioni Institute« :c. veröffentlichte P. folgende Schriften: »Inäuetive Netrolo^y« (1877), »8tl)netienA6: ?I«,n8, 6680?^)tions ami tli60iie8< (1880), »^Iie p^raniiä« ancl templ68 of^ixek (1883), »1^ni8 (1,1885), »Naukr.Ttig« (Teil 1, 1886), »1^ni8 II, Nedeßlieli kuä Deteuned« (1887), »^»^ 86580U WN^pt1887« (1888), »Kacmi Portraits (190 Photographien von ägypt.
Denkmälern ,, 1889), »Hi8t0rieHl 8oa.rad8< (1889), -H^vai'H, Lialimu anä ^I8in06« (1889), Xakun, (^aiol) anä H^vai-H« (1890), »Iiialmn, Xalmn and ^ural)« (1891), »I'eil ei He8^ (I^odisli) < (1891), Hieäum« (1892), >^en )'6kl«' äiF^inA8, a populär aeconnt« (1892).
Petroleumboote, s. Boote.
Peyron, 2) Alexandre Louis Joseph, franz.
Marinemmister, starb 9. Jan. 1892 in Paris.
Pflanze. Die dikotylen Angiospermen, welche gegenwärtig das Hauptelement in der Vegetation darstellen, sind erst spät auf der Erde erschienen, und ihr erstes Auftreten ist noch in Dunkel gehüllt. Während die Flora der untern Kreide der Karpathen (Urgon) noch keine Spur von Dikotylen zeigt, enthält die der böhmischen obern Kreide (Cenoman) bereits eine reiche Anzahl davon, welche sich ohne Schwierigkeit den jetzt lebenden Arten anschließen lassen. Daher durfte man hoffen, in den dem Cenoman vorhergehenden Schichten Dikotylen zu finden, welche ihrem Ursprungspunkt näher stehen als diejenigen der böhmischen Kreide. In Buarcos (Portugal) hat man schon Dikotylen gefunden, welche wahrscheinlich der