Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

801
Sandákan - Sanskrit
offenen Zelten und Blockhäusern leben, oder sich nach Art der Indianer im Freien tummeln. Die Anstalt beruht auf halb wohlthätiger Grundlage und erhält sich teils durch freiwillige Beiträge, teils durch mäßige Mahlungen der Krausen. Vgl. heyden, über Spezial ten für Tuberkulose (»Medizin. Wochenschrift 1890); Dettw eiler, Behandlung der Lungenschwindsucht in geschlossenen Anstalten (das. 1884); Finkelnbürg, Über Errichtung von Volkssanatorien für Schwindsüchtige (Bonn 1890); Flick, 8p6(ia1 Iio^)itull, t'or t1i6 tr6^tm6iit0ftud6!cu1<)8i8(Pln'lad. 1890).
Sandätan, Hauptstadt von Britisch-Nordborneo, s. Borneo.
Sanjö Sanetomi (Fujiwara no Sanetomi), japan. Staatsmann, geb. 18^9 zu Kiötö, aus dem Geschlecht der Fujiwara, einer der höchsten Kuge (Hofadel-) Familien, zeichnete sich durch seinen Eifer für Wiederherstellung der kaiserlichen Macht aus und mußte doshalb, um der Rache des Bakufu (Shögunatregierung) zu entgehen, in der Zeit vor der Restauration mit 6 andern Kuge nach El^öshü fliehen. In dem 1868 aufbrechenden Kampfe Zwischen den Anhängern des Kaisers und der Shögunatpartei war er immer um die Person des Kaisers und gelangte nach Beendigung des Krieges sofort zu den höchsten Ämtern. Zuerst zum Ndaijin ernannt, wurde er rasch nacheinander Sadaijin und (1871) Taijö-Daijin oder höchster Staatsminister, welche Stellung er bis 1885 cmncchm. Inzwischen vom Kaiser in den'Fürstenstand erhoben, blieb er seit 1885 als Nai-Daijin und Großsiegelbewahrer bis an seinen 11. Febr. 1891 erfolgten Tod der vertrauteste Ratgeber des Kaisers.
Sanskrit. Überblickt man die Fortschritte der Sanskrit forsch ung etwa in den letzten 5 Jahren, so treten auch in diesem neuesten Lustrum der Sanskritphilologie bedeutende Leistungen fast auf allen Gebieten uns entgegen. Da bei der enormen Reichhaltigkeit der in der Sanskritsprache abgefaßten Litteratur eine vollständige Herausgabe aller in Handschriften erhaltenen Werke als völlig unthunlich erscheint, so gewinnen die auf Katalogisierung der Handschriften gerichteten Bestrebungen eine erhöhte Bedeutung.
Besonders erwünscht sind diejenigen Kataloge, in welchen zugleich Auszüge aus den verzeichneten Handschriften gegeben werden. Dahin gehören die in: Auftrag der englischen Regierung von Bengalen von Rajendralala Mitra herausgegebenen Xotice« <>t' !8. 21mms0i'ipt8«, die 1890 bis zum 10. Band und bis zur 3381. Handschrift gelangt sind, ferner die ebenso für die brahmanische wie für die Litteratur der Dschainasekte bedeutsamen Verzeichnisse der Sanskrit- und Präkrithandschriften der königlichen Bibliothek zu Berlin von A. Weber, die in drei Teilen die Wedas, die Grammatik, Lexikographie, Prosodie, Musik, Rhetorik und Jurisprudenz umfassenden Kataloge der Iiuli^ (Mc^ I^idi-ai^ in London von Eggeling, der dritte, sehr umfängliche Bericht, den Professor Peterson in Bombay über die von ihm untersuchten Privatsammlungen von Handschriften in der Präsidentschaft Bombay erstattet hat, u. a. Die Verzeichnisse der in der Provinz Oudh vorfindlichen Sanskritmanuskripte von Pundit Deviprasada, das in der Zeitschrift der Teutschen morgenländischen Gesellschaft erschienene Verzeichnis der von Professor Bühler der Imlin. Ot'tics I^idi'l N'^ in London zum Geschenk gemachten Hand« schriften und verschiedene in Indien veröffentlichte Kataloge cuthalten wesentlich nur die Namen der Werke und ihrer Autoren. Aus Indien kommt übri M?yers.Nmw.Lerikon, 4. Aufl. XIX. 2-d.
gens die wenig erfreuliche Kunde, daß die anglo-indische Regierung von 1892 ab die jährlichen Bewilligungen für die Entdeckung und den Ankauf seltener Sanskritmanuskripte abschaffen will; doch sollen auch weiterhin 9000 Rupien jährlich auf die Veröffentlichung der bisher entdeckten Sanskrit- und persischen Werke verwendet werden.
Unter den auf Inhalt uud Geschichte der Sanskritlitteratur bezüglichen Arbeiten stehen bei dem überwiegend religiösen Charakter der indischen Litteratur! die auf die religiöse Litteratur gerichteten Forschunz gen obenan, unter denen wieder die auf die ältesten Schriften, die Wedas, bezüglichen Arbeiten den Vorrang beanspruchen können. Die Textgeschichte des ältesten der Wedas, des Rigweda, haben Oldenberg.
(Die Hymnen des Rigweda«, Berl. 1888, ?. ^ö.) und der sendem verstorbene französische Sanskritist Vergaigne durch gelehrte Arbeiten gefördert. L. v.
Schröder hat seine Ausgabe eines erst neuerdings entdeckten Nedas, der Maiträyam Samhitä, vollendet (Leipz. 1886). Teile des Atharvaweda sind von A.
Weber und Grill übersetzt worden. Die Syntax des ältesten S. hat Telorück bearbeitet (»Altindische Syntax«, Halle 1888). Reich an neuen Ergebnissen, besonders was den Zusammenhang des Ideenkreises der Wedas mit den Vorstellungen der spätern Zeit betrifft, ist das Werk »Wedische Studien« von Pischel und Geldner (Halle 1889). Auf das Gebiet der Brähmanas, der uralten theologischen Kommentare zu! den Wedas, beziehen sich größere Arbeiten von Eggeling und Lindner; die ältesten Opfer-und Festgebräuche haben Hillebrandt, Lindner und Schwab untersucht.
Von den Sütras, den merkwürdigen Lehrbüchern, welche die späteste Schicht der nordischen Litteratur bilden, haben die Grihyasutras, jene für die Kulturgeschichte unvergleichlich wertvollen Denkmäler, in denen alle häuslichen Feste und Neligionsgebräuche der alten Inder von der Wiege bis zum Grabe mit liebevoller Sorgfalt geschildert sind, besondere Beachtung gefunden, wie die von Knauer in Dorpat, Kirste und Winternitz in Wien, Bloomfield in Baltimore, Oldenberg in Kiel veranstalteten Ausgaben und Übersetzungen wichtiger Grihyasutras zeigen.
Schon in den Wedas finden sich die Keime der philosophischen und theosophischen Spekulation, welche später in Indien zu so reicher Entfaltung gelangt ist. Eine Übergangsstufe bilden die schon von Schopenhauer mit Begeisterung gefeierten Uvanishads, und diese interessanten Denkmäler indischer Philosophie sind in den letzten Jahren besonders durch die vorzüglichen, wortgetreuen Übertragungen Böhtlingks, des Altmeisters der Sanskritforschung, unserm Verständnis bedeutend näher gebracht worden. Von den sechs philosophischen Systemen der Inder hat der Vedänta, die pantheistische Philosophie, welche noch heutzutage das Glaubensbekenntnis gebildeter Hindu zu sein pflegt, durch Deußen (»Die Sütras des Vedänta ,, Leipz. 1887) eine deutsche Bearbeitung erfahren, Garbe hat die Hauptwerke des atheistischen Sankhyasystems auf Grund seiner in Benares unter der Leitung gelehrter Punditen gemachten Studien bearbeitet. Windisch einen gelehrten indischen Kommentar über Logik untersucht: zahlreiche Textausgaben andrer philosophischer Werke sind in Indien von Thibaut, Peterson u. a., namentlich aber von einheimischen Gelehrten veranstaltet worden.
Auch in der spätern Litteratur, dem sogen, klassischen S., tritt das religiöse Interesse stark hervor, daneben machen sich aber auch andre Gesichtspunkt? geltend. Ein wunderliches Gemisch von Theologie
51