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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Spangenberg - Spanien
sellschaft«, herausgegeben wurde. Diese beiden Zeit- l schriften hatten mehrere tüchtige Mitarbeiter und > wurden ebenso wie ein großer Teil der sozialdemokra-, tischen Presse mit Geschick redigiert. Außerdem er-! schienen Kalender (z. V. »Der arme Konrad<) und! Flugschriften in großer Zahl. Sehr förderlich für die Verbreitung der sozialistischen Druckschriften war der Umstand, daß der Preis derselben sehr niedrig bemessen war, was zum Teil durch Massenabsatz, zum Teil dadurch ermöglicht wurde, daß die für Herausgabe und Vertrieb beschäftigten Kräfte nicht hoch bezahlt wurden. Mit Erlaß des Sozialistengesetzes ging die sozialdemokratische Presse in Deutschland ein. Versuche, Blätter und Broschüren unter einem andern unverfänglichen Titel erscheinen zu lassen, i schlugen anfangs vollständig fehl, erst Ende der 80er > Jahre hatten dieselben mehr Erfolg. Es erschienen:
Politische Blätter:
wöchentlich j 1890 j 1891
sechsmal
dreimal
zweimal
einmal
Zusammen:
10
25
10
51 j 69
Gewerkschaftsblätter:
wöchentlich j 1890 j 1891
dreimal
einmal
monatlich:
dreimal
zweimal
einmal
20
1
26
4
20
4
55
Zusammen: ^
Außerdem erscheint wöchentlich als wissenschaftliche Neuve »Die Neue Zeit« (Stuttg., seit 1883, bis 1890 als Monatsschrift). Dieselbe wird von K. Kautsky redigiert und zählt die hervorragendsten Mitglieder der Partei, neben Deutschen auch Ausländer, unter ihren Mitarbeitern. Ferner erscheinen noch wöchentlich ein Unterhaltungsblatt: »Der Gesellschafter ,, und alle 14 Tage zwei Witzblätter: »Der wahre Jakob« und »Der süddeutsche Postillon«.
Den von vielen Seiten her geäußerten Wünschen nach neuen Lokalblättern und nach Unterstützung von solchen konnte nicht Rechnung getragen werden; vielmehr hatte der 1890 in Halle abgehaltene Parteitag den Parteigenossen empfohlen, bei Gründung von neuen Blättern möglichst Vorsicht walten zu lassen und solche Unternehmungen unter keinen Umständen zu gründen, bevor sie nicht genau erwogen und sich überzeugt hätten, daß die Möglichkeit der Existenz des Unternehmens aus eignen Mitteln gegeben und daß vor allem auch die notwendigen geistigen, technischen und administrativen Kräfte zur Leitung eines Blattes vorhanden seien. Auch vom 1891er Parteitag wurde auf Grund der im letzten Jahre gesammelten Erfahrungen der Wunsch ausgesprochen, es möchten die im Beschlusse von 189l) aufgestellten Grundsätze auch weiterhin beachtet werden.
Zur Förderung des Vertriebes und der Neuherausgabe der Parteilitteratur wurde eine eigne Parteibuchhandlung unter dem Titel »Vorwärts« in Berlin ins Leben gerufen. Dieselbe befaßt sich insbesondere auch mit der Herausgabe des Textes von für die Arbeiterwichtigen Gesetzen. Diese Aufgabe hatte sich uor 1878dieinBerlinherausgegebenesozialdemokratische z »Freie Presse« gestellt, welche in einer für die Leser ^ dankenswerten Weise wichtigere Gesetze mit kurzer, z allerdings vom einseitigen Parteistandpunkte diktier-! ter Kommentierung als Gratisbeilagen einzelnen Nu-! mern beigab. !
Bis 1878 verfügte die sozialdemokratische Partei l über eine große Zahl Agitatoren, deren Hauptthätig- ^ keit darin bestand, die sozialdemokratischen Grund' ! sätze in öffentlichen Versammlungen zu vertreten, j neue Mitglieder zu gewinnen, überhaupt für die j
Partei zu wirken. Man zählte deren zuletzt 68, von denen 54 ganz, 14 nur zum Teil besoldet waren.
Dazu kamen noch über 80 unbesoldete Agitatoren, welche ihren Lebensunterhalt als Redakteure, durch litterarische Arbeiten und anderweit verdienten und nicht ihre ganze Kraft der mündlichen Propaganda widmen konnten. Neuerdings hat man davon Abstand genommen, redegewandte Mitglieder als ständige Agitatoren anzustellen. Dieses System habe mancherlei Mißstände im Gefolge gehabt und sei früher nur deswegen angewandt worden, weil es damals vielfach in ganzen Provinzen an Personen gefehlt habe, deren soziale Stellung so unabhängig gewesen sei, daß sie ihre Zeit der Partei nach Bedarf hätten zur Verfügung stellen können. Dies Verhältnis habe sich jetzt insofern zu gunsten der Partei geändert, als die Zahl der sozialdemokratischen Preßorgane sich bedeutend vermehrt habe und unter den an denselben beschäftigten Personen sich fast immer einer oder mehrere Parteimitglieder befänden, welche des Wortes mächtig und zur Agitation in Versammlungen geeignet seien. Die Parteileitung hatte für diese Agitation an eine Anzahl geeigneter Kräfte regelmäßige Zuschüsse bezahlt, und es wird beabsichtigt, diese Einrichtung zum Zwecke einer wirksamen Propaganda noch weiter auszubilden.
Spangenberg, 4) Gustav, Maler, starb 19. Nov.
1891 in Berlin.
Spanien. Der auswärtige Warenhandel Spaniens zeigte in den letzten 4 Jahren folgende Bewegung (Werte in Millionen Pesetas):
Jahr Einfuhr Ausfuhr
1888 716.1 763,1
1889 8«6,3 896,9
1890 810,1 824.3
1891 862,3 855,0
Die spanische Handelsbilanz welche in den Jahren 1888-90 aktiv war, ist sonach im I. 1891 infolge der stark vermehrten Einfuhr wieder passiv geworden (Mehreinfuhr7,IMill. Pesetas). Die 13 Warenklassen des spanischen Zolltarifs weisen im I. 1891 in der Einfuhr und Ausfuhr folgende Werte (in Millionen Pesetas) auf:
Einfuhr Ausfuhr Steine, Erden. Erze. Glas- und Thonwaren 82,6 83,6
Metalle und Mctallwaren...... 30.9 130,s
Drogen und Chemikalien...... 54,3 28,0
Baumwolle und Baumwollwaren. .. .. .. 101,6 28,8 Hanf, Flachs, Jute und Waren daraus .. 34,4 4,0
Wolle und Wollwaren....... 41.6 11,5
Tcide und Teidenwaren....... 20,1 5,2
Papier und Bücher......... 7,6 10,1
Holz und Holzwaren........ 54,6 35,5
Tiere und tierische Produkte..... 46,0 45,6
Maschinen und Instrumente..... 49.1 0,8
Nahrungsmittel und Getränke..... 173,2 469,0
Verschiedene Artikel........ 159,3 2,3
Zusammen: 862,3 855,0
Gegen das Jahr 1890 zeigt sich in der Einfuhr hauptsächlich nur bei den Nahrungsstoffen (insbesondere in Mehl, Zucker und Sprit) eine Verminderung (um 46 Mill. Pes.), dagegen in den meisten Klassen eine Zunahme, welche namentlich bei den verschiedenen Artikeln (Sisenbahnmaterial, Tabak, edle Metalle, zusammen um 68 Mill. Pes.), bei Baumwolle (^ 17 Mill.)und bei Schafwollwaren (-j- 7 Mill.) in die Augen fällt. In der Ausfuhr weist nur die Tarifklasse der Steine, Erze ?c. einen bedeutenden Rückgang gegen 1890 (- 16 Mill.) auf, wogegen die meisten und wichtigsten Klassen, wie die der Metalle, Drogen, Baumwollwaren, Holzwaren, vor allem dis