Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Verwässerung des Aktienkapitals - Viehlose Wirtschaft
seitige Rückversicherungen international erweitert ist.
Was von den Prämieneinnahmen, gilt natürlich auch von den Schadenzahlungen 2c.
In sämtlichen Versicherungsbranchen hatten zu
verzeichnen:
Teutsche Versicherungsanstalten.
(In Tausenden M^rk.)
Jahr
Vrutto-prämien-einnahnien Netto-vrämicn^) Schadenzahlung für eigne Rechnung Gesamt»
Aktiveil
' 1887 1888 1889 1890 400487 419742 455567 478 712 328 514 342397 37218? 389 753 181027 182 748 206 750 218 104 1301348 1402698 1506 588 1613 919
Österreichische Versicherungsanstalten.
(In Tausenden Gulden.)
Brutto Netta Cchadenzcih
prämien prämien lung für eigne si'N
einnahmen cinnahinen ^) Rechnung
1887
88117 65 756 41609 238232
1888
91577 68326 46610 247699
1889
93146 69341 44 796 257 513
1890
96023 71440 51813 26^355
^) Vei den Lebensversicherungen sind bloß die Nückv.rsicherungsprämien, bei den übrigen Branchen auch der Prämien-Neserv?zuwachs in Abzug gebracht.
Vgl. Wagner, Der Staat und das Versicherungswesen (Tübing. 1881); Derselbe, Versicherungswe^n (in Schönbergs »Handbuch der politischen Ökonomie«, 3.Aufl.,'das. ,1891); (5. Rellstab, Der Staat und das Versicherungswesen (Verl. 1882); >Berichte des eidgenössischen Versicherungsamtes« (Vern 1886 ff.); Zeitschriften: Wallmanns »Verficherungs-Zeitschrift (Berl., seit 1865); > National-Ökonom« von B. Israel (Wien, seit 1887); Österreichische Versicherungszeitung« von A. Ehrenzweig (das., seit 1875). - Über die Fortschritte in den einzelnen Zweigen des Versicherungswesens vgl. die betreffenden Artikel.
Verwäffenmg des Aktienkapitals ^Vat6iiii^ tlie 3t<x'i<6) nennt man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika das Anerbieten neuer Aktien (^vlNerkä 8toek8, gewässertes Kapital) an die bisherigen Aktionäre zu niedrigerm Kurse. Dasselbe wird teils zu dem Zwecke angewandt, um ein etwaniges hohes Erträgnis der Gesellschaften den Blicken der Uneingeweihten zu entziehen, teils, um einer Anzahl von Großaktionären in bequemer Weise eine Majorität in den Generalversammlungen zu verschaffen.
Vichleihe ist eine in vielen Gegenden Deutschlands, insbesondere in der Rheinprovinz, uort'ommende Form des Viehkaufs, bei welcher der Händler gegen ratenweise Zahlung des meist sehr hohen Kaufpreises und unter Vorbehalt des Eigentums bis zur völligen Abtragung der Schuld den: Bauer ein Stück Vieh'überläßt. Dieselbe ist vielfach zur wucherischen Ausbeutung benutzt worden. Die nur in Teilbeträgen im Laufe der Zeit" zu entrichtende Kaufsumme wird, zumal in einer Notlage, im Augenblick nicht so hoch geschätzt. Dieser Umstand wird von schlauen Händlern mcht allein dazu benutzt, um den Preis in die Höhe zu schrauben, sondern auch dazu, um allerlei lästige Bedingungen in den Vertrag aufzunehmen, deren Schwere deswegen nicht gewürdigt wird, weil man den Eintritt derselben als unwahrscheinlich betrachtet. Eine derselben geht dahin, daß der Bauer, wenn er einmal nicht in der Hage ist, die fällige Nate des Kaufpreises pünktlich zu entrichten, nicht allein
seine bisherigen Zahlungen verliert, sondern daß er nun auch das Vieh auf seine Kosten für den Händler die ganze Zeit über gefüttert hat. Um diesem Übelstände abzuhelfen, haben einige preußische Kreise (Kochem, Altenkirchen, Wetzlar u.a.) Viehleihekassen ins Leben gerufen, für welche Kreistag und Provinz die nötigen Mittel verwilligten. Mit den letztern wird Vieh angeschafft und an weniger vermögliche tüchtige und zuverlässige Landwirte gegen allmähliche Zahlung des Kaufpreises unter den nötigen Sicherungen für die Kasse verkauft.
Viohlo'le Wirtschaft, Ackerbau ohne Vieh (richtiger nutzviehlose Wirtschaft), geht noch weiter al5 die freie Wirtschaft oder die Spekulationswirtschaft, indem jene nicht nur voll einer regelmäßigen Aufeinanderfolge oer angebauten Pflanzen, sondern auch von der organischen Vereinigung der Pflanzenproduktion mit der Tierproduktion absieht. Je nachdem diese Ungebundenheit verschieden weit geht, entstehen nach Krafft zunächst die viehschwache Wirtschaft, weiterhin die v. W. mit Stallmistdüngung und schließlich die vieh- und stallmistlose Wirtschaft.^ Die viehschwache Wirtschaft ist als Übergangsform von den gebundenen oder den freien Wirtschaftssystemen zu der viehlosen Wirtschaft anzusehen. Sie reiht sich somit den vorgenannten Betriebssystemen an und unterscheidet sich von diesen nur durch möglichste Verminderung des Nutzviehsiandes; die Höhe des Zuguiehstandes erfährt meist keine Beschränkung.
Die v. N. mit ^tallmistdüngung eignet sich für solche wirtschaftliche Lagen, wo der Ankauf des Stallmistes billiger als die Selbstgewinnung zu stehen kommt, wie dies in der Umgegend volkreicher Städte und bei billigen Transportmöglichkeiten zutrifft, und wo für die marktlosen Wirtschaftsprodukte, die Kartoffeln, Rüben, Stroh, Spreu, Heu u. dgl., loko Wirtschaftshof auf einen guten und dauernden Absatz, meist an kleine Landwirte, welche das Abführen dieser Produkte selbst besorgen, zu rechnen ist. Innerhalb der viehlosen Wirtschaft mit Stallmistdüngung kann die Organisierung des Feldsustems entweder in gebundener oder freier Wirtschaft stattfinden. Der Viehstand beschränkt sich auf die notwendigen Gespanne, die jedoch auch durch gemietete Gespanne ersetzt oder durch die Ackerbestellung mit Dampfkulturgeräten wesentlich verringert werden können.
Beispiele: Berliner Rieselfelder, Rittergut Düppel bei Berlin, Rittergut Klein-Wolmsdors bei Dresden 2c. In der Umgegend größerer Städte oder bedeutender Neitergarmsonen wird vielfach der Viehstand auf das erforderliche Zugvieh beschränkt, Futter und Streu zu Marktpreisen verkauft und dafür der Düngerausfall durch Zukauf aus der Stadt oder Kaserne gedeckt. Oder es wird vor der Mahd sowohl die Heuals auch die Grumternte am Stengel im grünen Zustande an die Fuhrwerksbesitzer der nahegelegenen Stadt verkauft, welche die Mahd, Aufarbeitung und Einfuhr fich selbst besorgen. Eine weitere Vereinbarung verpflichtet den Käufer, im Verhältnis der von ihm gekauften Futtermengen 1-10 Fuhren Stallmist dem Besitzer in den Hof zu führen, welche dann mit dem Dünger des Zuguiehstandes vollkommen ausreicht. Nach u. Funke (»Landwirtschaftliche Jahrbücher ,, Verl. 1889) ist es in Weingegenden auf Gütern, die von städtischem Latrinendünger reichlichen Gebrauch machen können und eilte billige Wasserstraße zur Verfügung haben, nichts Ungewöhnliches, daß Stallmist auf dem Landgute für den Markt produziert wird neben Molkereiprodukten, Jungvieh :c. Auf den 425 Hektar großen Hosen Gut-