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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Abraumshalden - Abrin

aus (s. Staßfurt). Außer in der Gegend von Staßfurt, Westeregeln und Aschersleben hat man A. bisher noch bei Kalusz in Galizien getroffen. Hier finden sich besonders mächtige Lagen von Sylvin und Kainit.

Abraumshalden, s. Halden.

Abravanēl, Isaak ibn Jehuda, oder Abarbanel, jüd. Gelehrter, geb. 1437 in Lissabon, stand bei Alfons Ⅴ. von Portugal in großer Gunst, mußte aber nach dessen Tode 1482 nach Kastilien fliehen, wo er 1484 in Ferdinands d. Kath. Dienste trat, bis die Austreibung der Juden aus Spanien ihn 1492 auszuwandern nötigte. Er begab sich nach Neapel, 1495 nach Messina, darauf nach Korfu, 1490 nach Monopoli in Apulien und ging 1503 in Aufträgen der portug. Regierung nach Venedig, wo er 1508 starb. Er schrieb theol. Exegesen des Pentateuch und der Propheten, Kommentarien und Schriften philos. oder theol. Inhalts. Der berühmteste seiner drei Söhne war Jehuda Leone oder Leo Hebräus, geb. um 1462, gest. nach 1520, der 1502 «Dialoghi di amore» (Rom 1535 u. ö.) herausgab, ein einst vielgelesenes philos. Werk in platonisierendem Geiste. – Vgl. Zimmels, Leo Hebräus, ein jüd. Philosoph der Renaissance (Bresl. 1886).

Abráxas, Abrasax oder Abracax, ein mystisch-theosophisches Wort, fälschlich für ägyptisch gehalten, aber pers. Ursprungs, in welchem Falle es das ganze pehlewische Ziffersystem umfaßt. Der Gnostiker Basilides (s. d.) nannte den Inbegriff der, analog den 365 Tagen des Jahres, von ihm angenommenen 365 Geistergestalten, in denen die Gottheit sich äußert, Abrasax, weil dieses Wort nach griech. Schreibweise die Zahl 365 ausdrückt (a=1, b=2, r=100, a=1, s=200, a=1, x=60). – Vgl. Dieterich, Abraxas (Lpz. 1891).

Abraxassteine oder Abraxasgemmen, geschnittene Steine, auf denen sich neben abenteuerlichen Bildern, meist Zusammensetzungen aus menschlichem Rumpf und Armen, Hahnenkopf und Schlangenleib oder andern an ägypt. Vorstellungen erinnernden Figuren und Symbolen, das Wort Abraxas (s. d.) findet. Derartige, zahlreich vorhandene Gemmen stammen angeblich aus Syrien, Ägypten und Spanien; man hat ihnen zu viel Wert und Bedeutung beigelegt. Die gnostische Sekte der Basilidianer hat den Namen Abraxas zuerst und allein gebraucht, als Bezeichnung nicht nur für den höchsten Gott, sondern auch für die Gesamtheit der Weltgeister. Später kam diese Lehre und mit ihr die gnostischen Symbole durch die Priscillianisten nach Spanien und wurde schließlich von allen magischen und alchimist. Sekten angenommen. Ohne Zweifel sind diese Steine zum größten Teile im Mittelalter als Talismane gefertigt worden. Schon die wunderliche Zusammensetzung ihrer Bilder kann als Beweis gelten, daß die Urheber selbst sich sehr oft nichts Bestimmtes dabei gedacht, vielmehr nur aus Symbolen aller Art oder aus eigener Phantasie Bilder und Aufschrift zusammengesetzt haben. – Vgl. Bellermann, Versuch über die Gemmen der Alten mit dem Abraxasbilde (3 Stücke, Berl. 1817‒19), vervollständigt durch Matter in der «Histoire critique du gnosticisme» (2. Aufl., 3 Bde., Straßb. 1843‒44); Barzilai, Gli Abraxas (Triest 1873).

Abrechnen, das Ausgleichen vornehmlich wechselseitiger Geldschulden. Wenn zwei Parteien das, was sie sich wechselseitig schulden, gegeneinander aufrechnen, so hat das zunächst die Wirkung einer Tilgung der aufgerechneten Posten. Sie sind vertragsmäßig kompensiert (s. Aufrechnung). War die Abrechnung dazu bestimmt, alle wechselseitigen Schulden der beiden Parteien, oder doch alle wechselseitigen Schulden aus einem bestimmten Verhältnis aufzurechnen, so können bei der Abrechnung vergessene Posten, welche überhaupt oder aus diesem Verhältnis geschuldet werden, nachträglich nicht mehr gefordert werden, es sei denn, daß der Gläubiger einen solchen Irrtum (s. d.) nachweisen kann, wie er zur Rückforderung einer irrtümlich geleisteten Schuld dienlich ist. Das gilt insonderheit, wenn Kaufleute, welche in laufender Rechnung oder im Kontokurrentverhältnis miteinander stehen, abgerechnet haben. Bleibt bei der Abrechnung ein Saldo (Überschuß) für die eine Partei, so hat die Abrechnung zugleich die positive Bedeutung, daß die andere Partei damit diesen Saldo als ihre Schuld anerkennt. Die Klage auf den Saldo wird mit der Bezugnahme nur auf die Abrechnung begründet, ohne daß auf den Charakter der abgerechneten Posten zurückzugehen ist. Die Abrechnung kann angefochten werden wegen Arglist der Gegenpartei und wegen entschuldbaren Irrtums. Eine Abrechnung zwischen mehr als zwei Parteien heißt Skontration (s. d.).

Abrechnungsbureaus und Abrechnungsstellen, s. Clearing-House, Giroverkehr, Eisenbahnabrechnungsstellen und Liquidationskassen.

Abreibungen. Nasse A. gehören zu den wirksamsten Methoden der Abhärtung (s. d.). Man nimmt sie am besten so vor, daß man ein 2½ m langes und 1½ m breites, in kaltes oder laues Wasser getauchtes und mehr oder minder ausgerungenes Leinentuch um den Körper des Abzureibenden schlägt, nachdem zuvor Gesicht, Kopf, Brust und Achselhöhlen zur Verhütung von Kongestionen benetzt oder gewaschen wurden, und zwar wird der eine Zipfel des feuchten Leinentuchs in die rechte Achselhöhle eingelegt und durch den an den Rumpf angeschlossenen Arm festgehalten, der übrige Teil des Leinentuchs quer über Brust und Unterleib nach der linken Achselhöhle hingeführt und sodann nach hinten über den Rücken und über die rechte Schulter hinweg nochmals nach vorn quer über die Vorderfläche des Körpers nach der linken Schulter herumgelegt, so daß das Leinentuch die Vorderfläche zweimal bedeckt. Hierauf werden von dem Badediener mit den flach aufgelegten Händen sämtliche Körperstellen in schnellem Tempo mehrmals kräftig abgerieben; mitunter wird auch dieses Frottieren durch das sog. Abklatschen ersetzt, ein in raschem Tempo mit mehr oder minder großer Kraft wechselndes Anlegen und Abziehen der flachen Hände. Nach der Abreibung wird das feuchte Leinentuch so rasch als möglich mit einem trocknen Frottiertuch vertauscht und damit der ganze Körper gehörig abgetrocknet, woran sich sofort, sofern dies die Kräfte des Abgeriebenen gestalten, ein längerer oder kürzerer Spaziergang anschließt. Derartige A. befördern nicht bloß die körperliche Abhärtung, sondern wirken auch als kräftiger Nervenreiz und finden deshalb bei Nervenleiden der verschiedensten Art sowie bei allen Kongestionszuständen der innern Organe vielfache Anwendung.

Abreiten, das Wegfliegen des Auerhahns vom Baume.

Abrenunziation, s. Exorcismus.

Abrichten, s. Dressur.

Abrichthobelmaschine, s. Hobelmaschinen.

Abrīn, ein neuerdings entdeckter, äußerst giftiger Stoff, der in den Abrusbohnen oder Pater-^[folgende Seite]