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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika (Geologische Verhältnisse)

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Afrika (Geologische Verhältnisse)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Afrika (Bodengesteltung)'

einzelt aufragende Hügelgruppen aus krystallinischem Gestein und im O. durch das Auftreten breiter, granitischer Hochflächen, welche den Übergang zur nackten Wüste darstellen, charakterisiert. Die dritte Zone umfaßt die Flußgebiete des Senegal und Niger mit dem Gebirgsland Futa Dschalon (1200 m), dessen Gipfel im Sundumali und Daro die Höhe von etwa 2000 und 1340 m erreichen, und die Niederungen der Westküste und am Golf von Guinea. Die innerhalb des Nigerbogens gelegenen Mandingolandschaften (540–760 m) stellen vollkommen ebene oder langgewellte Flächen dar, die erst beim Abfall nach der Goldküste und in das Togoland in gebirgsartige Formen sich verwandeln. Die vierte Zone umfaßt den flachsten Teil A.s, die Sahara (s. d.); sie besteht vorzugsweise aus Tafelland von paläozoischen Schichten, die im O. von Kreideschichten überlagert werden. Im NO. tritt die Wüstentafel im Plateau von Barka hart an das Meer heran, während sie in Tripolis in Terrassen zum Meere hin abfällt; im NW. begrenzt sie der Atlas, im W. das Atlantische, im O. das Rote Meer. Das Wüstenplateau, dessen mittlere Erhebung man zu 400–500 m annimmt, bildet keineswegs eine einförmige Ebene, sondern gestaltet sich bald zu öden, steinigen Hochflächen, (Hammada), Kiessteppen (Sferir) und Dünenregionen (Erg), getrennt durch Wadis, bald zu einzelnen Bergzügen oder ganzen Gebirgsgruppen. Die noch nicht ganz erforschte Osthälfte der Sahara scheint reich an Bergen und Felsen zu sein, so die Bergländer Tibesti, Borku und Wadschanga; der höchste Gipfel in Tibesti, der Emi Bomo im Tarsogebirge, hat 2400 m Höhe. Für die mittlere Region der Sahara sind die von zahlreichen Wadis durchschnittenen Plateaubildungen charakteristisch, die Duveyrier nachgewiesen hat und zwischen denen das Gebirgsland der Tuareg sich erhebt. Nördlich vermittelt eine öde Region hoher Sanddünen, die sich durch die ganze westl. Sahara von Kap Blanco bis Tunis hinzieht, den Übergang von den Plateaus zu einer teilweise (angeblich 25 m) unter dem Meeresspiegel gelegenen Niederung, in der sich große Salzlagunen oder Schotts (Schott Melrir, Schott Dscherid) ausbreiten. Eigentümlich ist dem der Westküste zunächst gelegenen Striche, daß abwechselnde Zonen von felsigem Boden und breitern oder schmälern Sanddünengürteln von SW. nach NO. sich hinziehen. Über die ganze Wüste verbreitet, vornehmlich innerhalb der Hügellandschaften, finden sich mehr oder weniger gut bewässerte Striche Grasland, sowie Oasen, in denen eine mäßige Vegetation das Dasein einer spärlichen Bevölkerung ermöglicht, während sonst die Wüste unbewohnbar ist.

Den nördl. Abschluß der westl. Sahara bilden Marokko, Algerien und Tunis, welche das isoliert aufragende, geologisch zu Europa gehörende Atlasgebirge von Kap Ghir bis nach Tunis 2230 km lang durchzieht; der Atlas in Marokko, ein einheitlicher Gebirgsstock mit ausgedehnten Längsthälern und mit dem Dschebel Ajaschi (4500 m) als höchster Erhebung, entsendet nach Algerien zwei Parallelketten von 1000 bis 2300 m Höhe, welche das Steppenland der Schotthochebenen (560–800 m) umschließen. An Metallen bietet der Atlas viel Eisen und Kupfer, Blei (bedeutende Minen im Dschebel Resas in Tunis), Zinn, Antimon (bei Ceuta), Silber (bei Tanger und Dschesula), Gold (im Sus). Schwefel findet sich in Marokko.

Geologische Verhältnisse. In einem sehr großen Teile des afrik. Festlandes tritt eine aus Granit, ↔ Gneis und archäischen Schiefern bestehende Urformation zu Tage. Der Süden und die Randketten der südl. Hälfte bestehen größtenteils aus dieser; ein Gneis und archäischer Schieferzug streicht an der Westküste vom Oranjefluß bis nach Kamerun und bildet das «Westafrikanische Schiefergebirge». Auch der Steilrand des Plateaus des Westsudan besteht bei der Annäherung an die Küste aus Gneiszügen. Die gleichen geolog. Verhältnisse existieren in Abessinien, Ost- und Mittelafrika. Über dem Urgestein befinden sich an manchen Stellen Ablagerungen der paläozoischen Zeit, die im Nordwesten A.s als Devon, vielleicht als Silur erkannt sind; Schiefer, Quarzite, Kalksteine, Sandsteine in Südmarokko, der Sahara, Senegambien, im Nilland. In Südafrika sind die massenhaft auftretenden Sandsteine nicht sicher den obigen Perioden einzufügen. Hier beschränkt man sich darauf, diese Schichten Kapformation zu nennen. Über ihr lagert die Karrooformation, ebenfalls unsichern Alters, vielleicht der Trias angehörig. Sie ist außer dem Urgebirge die verbreitetste Formation A.s und tritt fast nur in Form grauer und roter Sandsteine auf. Diese sind meist horizontal gelagert und bedingen dadurch die Form der Ebene in ganz Mittel- und Südafrika. Zahlreiche Eruptivgesteine, Diabase, Melaphyre durchbrechen sie im S. und bilden im Kapland infolge ihrer größern Härte die höhern Gipfel. Die Juraformation ist nur im Atlas und in Abessinien vertreten, die Kreideformation in der östl. Sahara und an einzelnen Stellen der Küsten. Tertiär kommt selten vor, nur im Atlas und in Unterägypten, stellenweise auch an den Küsten; Alluvium tritt auf an den Flußmündungen und am mittlern Kongo sowie mittlern Nil. Sehr verbreitet ist Laterit, eine ziegelrote poröse Erdart, ein Verwitterungsprodukt des Gneis und der ältern Schiefer. Goldführender Sand und Schutt findet sich namentlich in Senegambien, am Niger und an der Guineaküste, auch im Osten in den Landschaften Kaffa und Walega (Abessinien). Vulkanische Formationen in größerer Ausdehnung findet man im Kamerungebirge, in Abessinien, streckenweise im Somalland, am Kenia und Kilima-Ndscharo, am Nordende des Njassasees und in dem Hochgebirge zwischen dem Albert- und Tanganikasee. Der einzige bekannte thätige Vulkan ist der Kirunga im Mfumbiroqebirge.

Warme Quellen giebt es in Deutsch-Südwestafrika (Barmen, Rehoboth), in Transvaal und Natal, am Sambesi (Tete und Senna), in Khutu und Karagwe (Deutsch-Ostafrika). Erdbeben sind selten: am häufigsten werden sie am Tanganika und im Großen centralafrik. Graben bis Wadelai am obern Nil verspürt.

An nutzbaren und wertvollen Mineralien ist Nord- und Mittelafrika arm. Das verbreitetste Metall, namentlich am obern Nil und in ganz Deutsch-Ostafrika, ist Eisen; das wertvollste Kupfer, in mächtigen Lagern in Katanga (Quellgebiet des Kongo). Salz wird nur aus Salzlachen gewonnen, in der Sahara, in den Danakilländern, in Kiviro am Albertsee, in Ussongora am Albertsee, am Manjarasee, in Ugogo und in Uvinza (östlich vom Tanganika). Außerordentlich reich an den kostbarsten Mineralien ist dagegen Südafrika. Abgesehen von den sehr bedeutenden Kupferminen von Klein-Namaland (Kapkolonie) nimmt jetzt das Gold die erste Stelle ein. Schon früher hatte man am untern Sambesi Gold gewonnen und zur Ausfuhr gebracht; doch weitaus erträgnisreicher sind die Goldlager in Maschona- und Matabeleland, welche Mauch 1871 entdeckte und