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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ägypten (alte Kultur. Religion)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ägypten (alte Geschichte)'

Befehl des Kambyses erfolgt sein. Sein Nachfolger Darius, ein weiser und milder Herrscher, suchte dagegen die Neigung der Ägypter zu gewinnen; er wird in den ägypt. Annalen sogar mit unter den großen Gesetzgebern des Landes aufgeführt. Von nun an blieb Ä. – Perioden glücklicher Aufstände, die dem Lande vorübergehend seine Selbständigkeit wieder brachten, abgerechnet – pers. Provinz. Als solche fiel es im Herbste 332 v. Chr. Alexander d. Gr. zu und blieb bis 305 unter macedon. Herrschaft. Ptolemäus, des Lagus Sohn, der schon seit Alexanders Tode im Namen des Philippus Arrhidäus und Alexanders II. die Regierung des Landes geführt hatte, nahm in diesem Jahre den Königstitel an. Dennoch ist er auf den ägypt. Monumenten seiner Zeit bisher noch nirgends als König erschienen, und in der Regel beginnen die ägypt. Ptolemäerlisten auf den einheimischen Denkmälern erst mit Ptolemaus Philadelphus, der schon zwei Jahre vor dem Tode seines Vaters, 285 v. Chr., die Regierung übernahm. Die Zeit der griech. Herrschaft ist für alles Nationale in Ä. eine Zeit raschen Verfalls. Die Übermacht und jugendliche Frische des griech. Geistes assimiliert sich schnell die aufgespeicherten Früchte der Jahrtausende alten ägypt. Bildung. Die alten Organe sterben ab und werden unbrauchbar. Alexandria wird der Mittelpunkt griech. Gelehrsamkeit und zugleich des höchsten Luxus. Unter den Künsten erhält sich noch am kräftigsten die Architektur. Eine Reihe großartiger Tempel, die von den alten Formen verhältnismäßig wenig abweichen, in Dendera, Theben, Esneh, Edfu, Ombos, Philä u.s.w. legen davon Zeugnis ab, während die Skulptur und Zeichnung größtenteils schon in Barbarei verfällt. Die greuelhafte Sittenverderbnis, die in der Herrscherfamilie selbst immer mehr um sich griff, trug nicht wenig zum Verfall des Landes bei und führte endlich durch die sechste Kleopatra (s. d.) zum Untergange des Staates. Nach der Schlacht bei Actium, 30 v. Chr., ward Ä. dem Römischen Reiche einverleibt. Die Wichtigkeit dieser neuen und reichen Provinz wurde so hoch angeschlagen, daß Augustus ein Gesetz gab, nach welchem kein Römer vom Range eines Konsuls oder selbst eines Ritters Ä. ohne die besondere Erlaubnis des Kaisers betreten durfte; man glaubte, daß die Verführung zu nahe liege, sich dieser «Kornkammer», dieser «claustra terrae et maris», zu bemächtigen, deren Abfall Italien mit einer Hungersnot bedrohte.

Schon im 1. Jahrh. n. Chr. wurde angeblich das Christentum nach Ä. gebracht; als Gründer der ersten Gemeinde wird in der Legende der Evangelist Markus angegeben. Eine ascetische und solidarische Lebensweise hatte sich teilweise schon in der Ptolemäischen Epoche unter den ägypt. Priestern ausgebildet. Ein förmliches Mönchsleben führten, nach der Beschreibung des Philo, die jüd. Therapeuten in der Nähe von Alexandria, und derselben Richtung folgte dann auch ein großer Teil der ägypt. Christen, so daß der Ursprung des später immer weiter verbreiteten Mönchs- und Einsiedlerlebens recht eigentlich auf Ä. zurückgeführt werden muß, das sich durch die Lage der umgebenden Wüsten ganz besonders dazu eignete. Das Christentum verbreitete sich rasch und kräftig in Ä., und Alexandria, so lange Zeit der Mittelpunkt der griech. Gelehrsamkeit, wurde nun wieder der Schauplatz der heftigsten und gelehrtesten christl.-theol. Kämpfe. Doch lassen sich noch hieroglyphische Inschriften in ägypt. Tempeln ↔ bis in die Mitte des 3. Jahrh. nachweisen, und in Philä wurde der Isiskultus erst um die Mitte des 6. Jahrh. unter Justinian aufgehoben.

Die älteste Einteilung des Landes war die in Ober- und Unterägypten. Oberägypten, der «Süden», umfaßte das Nilthal von der nub. Grenze bis zum Orte Tetaui (Acanthus) südlich von Memphis. Seine Hauptstadt war (in vorhistor. Zeit) Nechbet (grch. Eileithyia, heute El-Kab), seine Schutzgöttin hieß gleichfalls Nechbet und wurde als Geier dargestellt. Der König von Oberägypten hieß setne und trug als Zeichen seiner Würde eine kegelförmige «weiße» Krone. Unterägypten oder das «Nordland», das vornehmlich das Delta und die Umgebung von Memphis umfaßte, hatte als Hauptstadt die Doppelstadt Pe und Dep, das spätere Buto (am Burlossee). Seine Schutzgöttin war die Uzot, die die Gestalt einer Uräusschlange hatte. Der König des Nordlandes hieß bite und trug eine eigentümlich geformte rote Krone. – Infolge dieser ursprünglich auch polit. Zweiteilung Ä.s nannten sich die Könige stets «Könige des Südens und Nordlandes» oder «Herren beider Länder» und trugen die Doppelkrone, den Pschent. Eine Dreiteilung Ä.s hat in alter Zeit nie bestanden. Erst unter der Herrschaft der Ptolemäer und Römer wurde es in drei Teile: Delta, Heptanomis und Thebaïs eingeteilt; doch ist diese künstliche Einteilung nie volkstümlich geworden. Für die Verwaltung war das Land seit der ältesten Zeit in Provinzen (Gaue, Nomen) geteilt, die wohl zum Teil aus den vorhistor. Kleinstaaten erwachsen sind. Die Zahl dieser Gaue schwankt; gewöhnlich zerfällt Oberägypten und Unterägypten in alter Zeit in je 20 Nomen. Diodor schreibt diese Einteilung dem Könige Sesoosis (Sesostris) zu, der Ä. in 36 Nomen geteilt habe; von diesen kamen nach Strabo 10 auf die Thebaïs, 10 auf das Delta und 16 auf das Zwischenland. Nach den Münzen war Ä. später in 46 Nomen geteilt, nämlich die Thebaïs in 13, das Delta in 26, der mittlere Teil, Heptanomis («Siebennomenland»), in 7 Nomen. Auch Plinius giebt 46 Nomen an, doch mit einigen Verschiedenheiten; Ptolemäus 47, indem der Heptanomis ein achter Nomos Antinoïtes zugefügt ward. Das Land jenseit des ersten Katarakts bis nach Hierasykaminos wurde nach seiner Länge von 12 ägypt. Schoenen Dodekaschoinos genannt. Bis hierhin gingen nach dem Itinerarium Antonini des 4. Jahrh. die röm. Heerstraßen; ebenso weit reicht Ä. auf der Peutingerschen Tafel. Zur Zeit des Kaisers Arcadius, um 400 n. Chr., wurde das Delta in drei Provinzen geteilt, von denen die beiden östlichen die erste und die zweite Augusta, die westliche Aigyptiake hießen. Die Heptanomis bis Oxyrhynchos wurde Arkadia genannt; dann folgte bis Panopolis «die nächste Thebaïs», endlich bei Philä «die obere Thebaïs». (Hierzu zwei Karten: Das alte Ägypten I und Das alte Ägypten II: Theben.)

III. Kultur. 1) Religion. Wie der ägypt. Staat ursprünglich kein einheitlicher war, so auch die ägypt. Religion; vielmehr besaß jeder Gau, nicht selten auch jede größere Stadt, einen eigenen Gott, der mit besonderer Verehrung gepflegt wurde. So war z. B. in Koptos der Bauern- und Erntegott Min, den auch die Reisenden, die von Koptos aus durch die Wüste ziehen wollten, anriefen, der «heimische Gott»; in Theben verehrte man den Ammon, in Elephantine den Gott Chnum, in Chmun (Hermopolis) den Dhoute (Thoth), in Hermonthis den Month. In

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 242.