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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Algerien (Flora und Fauna); Algerien (Klima); Algerien (Mineralien); Algerien (Oberflächengestaltung)

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Algerien (Oberflächengestaltung. Klima. Mineralien. Flora und Fauna)

Oberflächengestaltung. Man unterscheidet in Bezug auf Bodengestaltung drei Zonen. Am Nordrande längs der Küste des Mittelmeers zieht sich die Zone des Kleinen Atlas hin, das «Tell» genannt, ein bergiger Landstrich, der aus vielen kleinen, meist der Küste parallel laufenden Ketten besteht. Zwischen diesen öffnet sich eine Anzahl von terrassenförmig übereinander liegenden Thälern, aus denen die Flüsse in tief eingeschnittenen Schluchten zum Meere durchbrechen. Die mit 46 Leuchttürmen besetzte Küste, im ganzen wenig entwickelt, zeigt hohe felsige Ufer, die nur selten mit flachen Strichen abwechseln, springt vielfach in steilen Vorgebirgen vor und bildet zahlreiche Buchten, die aber den Schiffen nur wenig Schutz bieten. Unter den Bergmassen sind die bedeutendsten der Dschurdschura (bis 2300 m) im O. von Algier, der Babor südöstlich von Bougie (1995 m) und der Wanscherisch im S. von Orléansville (1990 m). Zwischen diesen breiten sich fruchtbare Diluvialebenen aus, unter denen die Metidscha bei Algier, die Ebenen von Oran, von Tlélat, von Cirat, von Eghris (im S. von Mascara) und das weite Thal des Scheliff die wichtigsten sind. Südlich dieser gebirgigen, auf ungefähr 160000 qkm geschätzten Zone erhebt sich das Land zu einem 1000–1100 m hohen Plateau, das teils mit Gebirgen besetzt ist, teils von weiten, dürren Ebenen eingenommen wird, die nur in Brunnen süßes Wasser bieten. Diese Ebenen umfassen auch ausgedehnte Salzsümpfe (Schotts oder Sbakh), die im Sommer mit einer blendenden Salzdecke überzogen sind. Unter diesen sind namentlich der Schott el-Gharbi, Schott e'Schergi (1650 qkm, in 1000 m Höhe), Sebcha-Sahres und Sebcha el-Hodna hervorzuheben. Diese Salzsümpfe sind auch im Kleinen Atlas und an der Küste häufig und finden sich bis zur Höhe von 1000 m. Man nennt nach ihnen die ganze steppenartige Zone (etwa 130000 qkm) die Region der Schotts. Im S. sind diese ebenen Striche durch die Kette des Großen Atlas von der dritten Zone, der Sahara, geschieden. Der Große Atlas steigt in seinem östl. Teile, dem Dschebel Aurês, dessen höchster Gipfel (Scheliah) 2328 in mißt, ansehnlich auf, sinkt aber nach W. mehr und mehr herab. Nur der Dschebel Amur erhebt sich hier noch zu 1657 m. Der langgestreckte Bergwall wird von langen, gewundenen Defiles (Bâb oder Thore), zuweilen von steilen Felswänden gebildet, durchzogen und ist auf der nördl. Seite meist mit Wäldern von Pinus, Eichen, Hainbuchen, Eschen, Cedern und Pistazien bedeckt. In den Erhebungscentren treten Granit und Gneis zu Tage, zunächst von Glimmerschiefer überlagert. Sekundäre und tertiäre Kalksteine bilden den größten Teil des Gebirges, Basalte und Trappgesteine fehlen aber nicht. Die Südseite fällt steil ab und zeigt nackte Felsflächen; an ihrem Fuße beginnt die Sahara, ein felsigem Plateau, dessen mittlere Höhe etwa 500 m beträgt. Zum größern Teil findet man hier weite wasserlose Strecken von Fels- oder verhärtetem Lehmboden, die ohne den Wassermangel sehr fruchtbar sein würden und Hammada heißen. Diese Gebiete werden von Dünenreihen durchzogen, deren wenn auch spärliche Vegetation von Fettpflanzen das Bereisen dieses Teils der Wüste bedeutend erleichtert. Zahlreiche Oasengruppen liegen in diesem auf ungefähr 370000 qkm geschätzten franz. Teil der Sahara, von denen die größten von O. nach W. folgende sind: das Wadi Suf, das Wadi Righ (Tugurt), das Wadi Temassin, Wargla, el-Golea, ↔ die Oasen der Beni Msab und der Ulad Sidi Scheich. In den östl. Teil der südlich vom Atlas liegenden Gebiete reicht von Tunis her ein Depressionsgebiet über, in dem der Schott Melrir 25 m unter dem Meere liegt und das Veranlassung zu dem jetzt wieder aufgegebenen Projekt eines Saharameers gegeben hat. – Unter den Gewässern, deren Betten aber vielfach im Sommer trocken liegen, ist der 650 km lange Scheliff das bedeutendste. Außerdem sind noch zu nennen: der Seybouse (180 km), welcher bei Bona ins Meer fällt; der Wad el-Kebir oder Rummel (135 km) bei Constantine; der Fluß von Bougie, der 90 km weit ein fruchtbares Thal durchfließt; der Harrach und der Masafran, die die Metidscha bewässern, und die lange Tafna (150 km) links mit dem Isly. Während diese Gewässer dem Mittelmeere zufließen, wenden sich die vom Südabhange des Atlas kommenden in die Salzsümpfe oder versiegen im Sande. (Hierzu eine Karte: Algerien und Tunesien.)

Klima. Das Klima von A. ist im ganzen warm, doch ist bei der bedeutenden Erhebung des Bodens Schnee und Frost nicht selten. In der Stadt Algier beträgt die mittlere Jahrestemperatur 19°C., die höchste 40°, die niedrigste 1,6°. Der Herbst beginnt meist Ende September mit wolkenbruchartigem Regen, begleitet von heftigen Stürmen. Auf dem Dschurdschura und dem Dschebel Aurês liegt Schnee vom November bis Mai. Während des Sommers trocknen bei meist anhaltender Regenlosigkeit die Flüsse aus und die Pflanzen verdorren. Einigemal des Jahres weht aus SO. der die Temperatur bis auf 45° steigernde Wüstenwind (Samum); er wirkt namentlich im Sommer außerordentlich erschlaffend, auch an der Küste, obgleich er hier durch Überschreitung der Gebirge erheblich gemildert wird.

Mineralien. Das häufigste nutzbare Mineral ist das Salz, das aus den salzigen Gewässern, wie auch als Steinsalz (bei Milah, el-Kantara und Wargla) in großen Mengen gewonnen wird. Salpeter ist seltener und nicht rein. Dagegen ist Blei sehr häufig; es finden sich sehr reiche Minen am Dschebel bu-Taleb im Süden von Setif, zu Kesum-Tebul bei La-Calle, in den Umgebungen von Tenes, Sebdu und im Wanscherisch. Kupfer wird zu Tenes, Miliana, Blida und Musaïa, Antimon zu El-Hammimat, Quecksilbererze bei Jemmapes und Gelma gefunden. Die ergiebigsten Eisengruben, welche monatlich 18000 t Eisenerz liefern, liegen bei Bona, andere liegen bei Suma unweit Busarik, am Dschebel Tmulga im Scheliff-Thale, bei Ain Temuschent, bei Tafna, 4 km vom Meere, bei Ain Mokra und am Dschebel Anini, 44 km von Setif. Von andern Mineralien ist der Onyxmarmor von Oran berühmt, und am Dschebel Filfilla bricht man vorzüglichen weißen, krystallinischen Marmor. Die Brüche von Tolfila liefern Marmor zu Bildhauerwerken und die von Ain Jekhalet durchsichtigen Onyxmarmor (orient. Alabaster); der schöne rote Marmor der Alten (rosso antico), 1878 bei dem Orte Kleber (im Arrondissement Oran) neu aufgefunden, wird jetzt wieder ausgebeutet. Schwefel, Magnesia und Porzellanerde sind reichlich vorhanden.

Flora und Fauna. Die Flora A.s zeigt große Übereinstimmung mit der Marokkos und der europ. Mittelmeerländer. Myrte, Olive, die atlantische Pistazie sind neben der Zwergpalme bezeichnend für die untere Region, für die Bergwälder die atlantische Ceder. Zwischen der vordern und hintern At-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 390.