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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ameisenäther; Ameisenbäder; Ameisenbär

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Ameisenäther - Ameisenbär

A. trägt die geknieten Fühler und die meist sehr kräftig entwickelten Mundteile. Die Flügel haben ein nur wenig entwickeltes Geäder, finden sich nur bei Männchen (aber nicht aller Arten) und Weibchen und fallen bei den letztern nach dem Hochzeitsfluge ab. Da den Arbeiterinnen und Soldaten mit den Flügeln auch die Muskulatur zu deren Bewegung fehlt, sind bei ihnen Mittel- und Hinterbrust sehr schwächlich gebaut. Der erste oder die beiden ersten Hinterleibsringe sind vom übrigen Hinterleib abgeschnürt und bilden einen dünnen Stiel, der ein- oder zweimal knotig angeschwollen und im erstern Falle meist in eine nach oben gerichtete Schuppe ausgezogen ist. Die Weibchen und Arbeiterinnen besitzen wie die übrigen stacheltragenden Hautflügler am Hinterleibsende eine Giftdrüse; ein Giftstachel findet sich bei einzelnen Gruppen, ist aber bei der Gruppe der eigentlichen A. verkümmert. Bei diesen ist die Giftdrüse um so stärker entwickelt, und ihre Absonderung wird entweder in die mit den Oberkiefern erzeugten Wunden gespritzt oder dem Feinde entgegengeschleudert.

Das einen Staat bildende Volk bewohnt ein oder mehrere Nester, die je nach der Art in die Erde eingegraben, in Holz eingemeißelt oder aus den verschiedensten Stoffen, als Erde, Pflanzenstoffen oder einer von den Arbeiterinnen bereiteten papierartigen Masse aufgebaut sein können und aus einem Gewirr von Gängen und Höhlungen bestehen. Das Nest kann einen oder mehrere Ausgänge haben, die bei manchen Arten nach Bedürfnis geöffnet und geschlossen werden. Sehr mannigfaltig ist die Nahrung der A. Sie fressen das Fleisch kleinerer Tiere, die sie tot auffinden oder selbst töten, namentlich das anderer Insekten, benagen süße Früchte n. s. w. Einige in wärmern Ländern einheimische Arten scheinen ausschließlich Pflanzenfresser zu sein und sich von Körnern oder Blättern zu nähren. Eine ganz besondere Vorliebe haben die A. für süße Säfte, wie sie von Pflanzen abgeschieden oder von Blatt- und Schildläusen aus dem After entleert werden. Blattlauskolonien werden daher gern von A. besucht und unter Umständen tapfer verteidigt, die an Wurzeln lebenden Blattlausarten auch wohl in die Nester geschleppt. Die Blattläuse werden von den A. durch Streicheln mit den Fühlern zur Abscheidung ihres süßen Saftes veranlaßt: Melkkühe der A. Unsere einheimischen A. brauchen, da sie einen Winterschlaf halten, im Winter keine Nahrung; dagegen tragen in wärmern Ländern lebende Arten Vorräte ein, um sich über die ungünstige Jahreszeit hinwegzuhelfen.

Aus den Eiern der A. gehen plumpe, weiße, madenartige Larven hervor, die von den Arbeiterinnen sorgfältig gepflegt, an die ihnen am besten zusagenden Stellen des Nestes getragen und mit einer aus dem Mund abgeschiedenen Flüssigkeit gefüttert werden. Sind sie erwachsen, so spinnen sie sich in der Regel einen Cocon und verpuppen sich in ihm. Diese von einem Gespinst umgebenen Puppen und nicht die wirklichen Eier sind die sog. Ameiseneier (s. o.). Aus den Puppen schlüpfen während des größten Teils des Jahres nur Arbeiterinnen aus, zu einer bestimmten Zeit aber, bei den deutschen Arten meist im Spätsommer, auch Männchen und Weibchen. Diese schwärmen bis auf wenige Weibchen, die schon vorher befruchtet wurden und von den Arbeiterinnen zurückgehalten werden, aus, um sich in der Luft zu begatten. Die meisten von ihnen gehen zu Grunde, nur wenige Weibchen können, nachdem sie sich ihrer Flügel entledigt haben, ein neues Nest gründen.

Im Streit um eine Nahrungsquelle und aus andern Gründen führen die A. unter sich wütende Kriege. Manche dringen auch in die Nester fremder Arten ein, rauben dort die Puppen, schleppen sie in ihr eigenes Nest und lassen die auskriechenden Arbeiterinnen als Sklaven für sich arbeiten. Während die A. im allgemeinen jeden fremden Eindringling in ihre Nester wütend abwehren, dulden sie doch eine Anzahl anderer Tiere, namentlich kleine Käfer und Asseln, in diesen. Diese Tiere, die als Ameisenfreunde oder Myrmekophilen bezeichnet werden, mögen teils den A. angenehme süße Säfte abscheiden, teils allerlei Unrat und Ungeziefer wegräumen. Auch giebt es Pflanzen (s. Ameisenpflanzen), die den A. in hohlen Stengelteilen Obdach und in Form besonderer Ausscheidungen Nahrung bieten, wofür sie von den A. gegen ihre Feinde beschützt werden. Die A. besitzen eine große Intelligenz; sie verständigen sich mittels ihrer Fühler. Sie bauen Wege, Brücken und Gewölbe und sind äußerst erfinderisch, wenn es gilt zu einem vorgesetzten Zwecke zu gelangen. Ihre Häufigkeit auf Gewächsen, Sträuchern und Bäumen zeigt dem Gartenwirte, daß die Pflanzen krank oder von schädlichen Insekten bewohnt sind. Höchst lästig sind die A. in Häusern und Vorratskammern, wo sie oft kaum zu vertilgen sind. In heißen Ländern können sie so überhand nehmen, daß der Mensch ihnen weichen muß. Früher benutzte man sie zur Bereitung der Ameisensäure (s. d.). Große Verdienste um die Beobachtung des Haushalts der A. erwarb sich J. P. Huber von Genf, dessen "Recherches sur les moeurs des fourmis" (Par. 1810) noch heute klassisch sind. Seither haben besonders Forel durch Beobachtungen und Sir John Lubbock durch sinnreiche Versuche unsere Kenntnisse von den europäischen A. wesentlich bereichert. - Vgl. Lubbock, A., Bienen und Wespen (Lpz. 1883); Marshall, Leben und Treiben der A. (ebd. 1889); Wasmann, Die Nester und Kolonien der A. (Münst. 1891). (S. Honigameise, Roßameise, Waldameise und Wanderameise.) - In der griech. Mythologie spielen die A., wie die Sagen von Myrmer (s. d.) und Myrmidon lehren, eine gewisse Rolle. Herodot fabelt sogar von einer Wüste im nördl. Indien, worin A. von der Größe zwischen Fuchs und Hase hausten, die goldhaltigen Sand zu Tage förderten, was von Ktesias auf die goldhütenden Greife (s. d.) übertragen worden ist. (S. auch Arimaspen.)

Über die weißen A. s. Termiten.

Ameisenäther (H.COOC2H5 ^[H.COOC<sub>2</sub>H<sub>5</sub>]), eine gewürzhaft riechende Flüssigkeit, die bei 54,4° siedet. Man stellt den A. dar, indem man ein Gemenge von trocknem ameisensauren Natron (7 Teile), Schwefelsäure (10 Teile) und starkem Alkohol (6 Teile) destilliert, oder indem man ein Gemisch von Oxalsäure, Glycerin und Alkohol erhitzt. Der A. ist der Äthylester der Ameisensäure. Im großen hergestellt dient er zur Bereitung von künstlichem Rum (s. d.) und wird dann im Handel auch Rumäther genannt.

Ameisenbäder, warme Bäder, denen der heiße Aufguß von 1 bis 2 kg zerquetschter Ameisen zugesetzt ist, wirken anregend oder reizend auf die Haut.

Ameisenbär (Myrmecophaga L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Zahnarmen, ausschließlich dem warmen Amerika eigentümlich und wie die altweltlichen Schuppentiere und Ameisenigel an eine fast ausschließlich aus Ameisen und Termiten bestehende Nahrung angepaßt. Die wenigen bekannten Arten sind teils größere, auf der Erde lebende Tiere, teils kleine, wickelschwänzige Baumtiere Zu