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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amorces - Amortisation

Aschaffenburg-A. (45,31 km) der Bayr. Staatsbahnen, Residenz des Fürsten von Leiningen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Aschaffenburg), Forst- und Zollamtes, hat (1890) 2170 E., darunter 240 Evangelische, Post, Telegraph, Residenzschloß und Domänenkanzlei, schöne Kirche mit vier Türmen und berühmter Orgel (früher Eigentum der Benediktinerabtei, jetzt den Protestanten eingeräumt), königl. Latein- und Zeichenschule, städtisches Krankenhaus, Kreditverein; Tuchweberei, Schneide-, Öl-, Walk- und Lohmühlen, Obst- und Weinbau, jodhaltige Stahlquelle (Jordansbad) gegen Rheumatismus. In der Nähe fürstl. Sommerresidenz Waldleiningen und Ruine Wildenburg. 1 km im N. von A. die Kapelle Amorsbrunnen mit berühmter Quelle, 714 dem heil. Firmin erbaut, der sein Bekehrungsgeschäft dem heil. Amor übertrug. Nach diesem wurde das 730-734 erbaute Kloster A. genannt; dasselbe kam 1803 nebst der Stadt und dem kurmainzischen Amt A. an den Fürsten von Leiningen, 1806 an Baden, 1808 an Hessen, 1816 an Bayern. - Vgl. Hildenbrand, A. und der östl. Odenwald (Aschaffenb. 1883).

Amorces (frz., spr. amórß), s. Zündblättchen.

Amoretten, s. Eros.

Amorgos, griech. Insel, die östlichste der Cykladen, zur Eparchie Thira gehörig, 135 qkm groß, mit (1889) 4058 E., von SW. nach NO. langgestreckt, wird von einem hohen Bergrücken durchzogen, der nach SO. steil, nach NO. sanft abfällt, ist arm an Holz, aber sehr fruchtbar an Wein, Öl, Getreide und Südfrüchten. Der jetzige Hauptort Chora oder A., ein Flecken, amphitheatralisch um das alte Schloß der Herzöge des Archipels gebaut, hat 1302 E., Gemeindeschule und ein Kloster. Der Porto-Vathy oder Katapola genannte geräumige Hafen liegt 5 km davon entfernt. Im Altertum hatte die Insel drei Siädte: Minoa, Arkesine und Ägiale, und war berühmt durch den Anbau einer Art feinen Flachses, aus dem feine, durchsichtige Gewänder gewebt wurden. Unter den röm. Kaisern war sie Verbannungsort für vornehme Römer.

Amoriter, ein kanaanit. Volksstamm; im Sprachgebrauche der elohistischen Geschichtschreibung (s. Pentateuch) findet sich A. auch als Gesamtname der ansässigen Ureinwohner des Heiligen Landes, also gleichbedeutend mit dem Ausdrucke Kanaaniter in andern Darstellungen.

Amoroso (ital.), als Bezeichnung für den musikalischen Vortrag soviel wie lieblich, zärtlich, schmachtend; als Hauptwort soviel wie Liebhaber; daher A. primo, erster Liebhaber (bei dem Theater).

Amorph (grch.), gestaltlos, s. Amorphismus.

Amorpha L., Unform, Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen, mit acht Arten in Nordamerika; Sträucher und Halbsträucher mit unpaarig-gefiederten Blättern. Die kleinen, purpurvioletten, blauen oder bläulichweißen, zu langen, dichten Trauben gruppierten Blüten sind vor allem dadurch ausgezeichnet, daß von den sonst bei den Papilionaceen vorkommenden fünf Kronblättern nur das oberste oder die "Fahne" ausgebildet ist, die als Flügel und Schiffchen bezeichneten fehlen (daher auch der Gattungsname "Unform"). Einige Arten werden häufig als Gartenziersträucher kultiviert, am häufigsten die 1-2,60 m hohe, mehr oder minder behaarte oder bisweilen auch kahle A. fruticosa L. (strauchige Amorphe) mit 8-12 paarigen Blättern und purpurvioletter Blüte. Seltener die viel schönere, grauhaarige A. canescens Nutt. Alle Arten lieben mäßig feuchten, sandigen Boden und sonnige Lage; in sehr kalten Wintern leiden sie zwar oft, treiben aber, zurückgeschnitten, aus dem gesund gebliebenen Holz wieder stark aus. Junge Triebe der A. fruticosa liefern den sog. Bastardindigo.

Amorphie (grch.), Formlosigkeit, insbesondere Mißgestaltung eines organischen Körpers, Mißgeburt; auch gleichbedeutend mit Amorphismus (s. d.).

Amorphismus (grch.), Gestaltlosigkeit, Strukturlosigkeit der festen Körper, ist der Gegensatz zum krystallinischen Zustande. Bei letzterm treten die Stoffe infolge der regelmäßigen und bestimmten Anordnung ihrer Moleküle in einer äußerlich von regelmäßig gelegenen Flächen begrenzten Gestalt und mit regelmäßigen Spaltungsrichtungen auf, während amorphe (gestaltlose) Körper der räumlichen Individualisierung entbehren und eine unregelmäßige Anordnung der Moleküle besitzen, auch nach allen Richtungen hin gleichmäßige Elasticität und Kohärenz aufweisen; sie haben oft einen muscheligen Bruch, wie das Glas, viele Schlacken, Obsidian, Harze, Gummi, Leim, eiweißartige Körper, glasartige arsenige Säure u. s. w. Oft kann ein Stoff bald krystallinisch, bald amorph auftreten, z. B. Schwefelquecksilber, Schwefelantimon, arsenige Säure, Thonerde, Chromoxyd, Eisenoxyd. Ist dieser Stoff ein Grundstoff (Element), so nennt man dann solches Verhalten, das man bei Schwefel, Kohlenstoff, Phosphor, Silicium und Bor beobachtet, Allotropie (s. d.). Auch das amorphe Glas wird durch langsames Abkühlen krystallinisch und undurchsichtig.

Amorphophallus Bl., Pflanzengattung aus der Familie der Araceen (s. d.) mit gegen 25 Arten in den Tropen der Alten Welt, besonders aber auf den Inseln des Malaiischen Archipels; krautartige Gewächse, deren mächtiger, eine abgeflacht-kugelige Knolle bildender Wurzelstock aus dem vertieften Scheitel nach einer Anzahl von Niederblättern nur ein einziges großes dreiteiliges Laubblatt mit einfach oder doppelt fiederspaltigen Abschnitten und außerdem den langgestielten Kolben entwickelt, der im allgemeinen dem des Aronstabes ähnlich ist. Das meiste Aufsehen erregte der von dem ital. Botaniker und Reisenden Beccari in den Wäldern Westsumatras entdeckte und 1878 beschriebene A. Titanum Beccari (auch Conophallus Titanum Beccari genannt; s. Tafel: Araceen, Fig. 6, a Blüte, b Blatt). Die Knolle desselben erreicht häufig 50 cm Durchmesser, der 2-5 m lange Blattstiel ist 10 cm dick und die Hauptabschnitte der Blattfläche sind 3 m lang, die letzten Teilungen etwa noch 40 cm lang und 10-14 cm breit. Der Kolbenstiel erreicht bis 1 m Höhe und 8-10 cm Dicke, die den Kolben umhüllende Scheide ist 70-80 cm, der Kolben selbst 1,25 m lang, das die Blüten überragende nackte, verlängert-kegelförmige Kolbenende 1,30 m.

Amorphozoa (grch.), formlose Tiere, solche, die weder bilateral noch radiär symmetrisch geballt sind, z. B. die meisten Protozoen, Spongien.

Amorphus (grch.), eine Mißgeburt ohne Kopf, Extremitäten und Genitalien.

Amorsbrunnen, s. Amorbach.

Amortisation (mittellat. amortisatio oder amorticatio, d. i. Ertötung, Auslöschung) heißt juristisch vorzugsweise die Entkräftung der Schuldurkunden, welche nicht durch Zerstörung derselben und auch nicht durch einen darauf ge-^[folgende Seite]