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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Andouilles; Andover; Andrada; Andral; Andrássy

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Andouilles - Andrássy

jeder Mann vom l6. bis 60. Jahre ist militärpflichtig und muß sich auf eigene Kosten bewaffnen. Die Andorraner, ein gutmütiges und einfaches, friedliches und gastfreies Kernvölkchen, sprechen catalonisch und castilianisch. Der Mehrzahl nach leben sie von Ackerbau und Viehzucht, aber auch vom Schmuggel, der infolge der ihnen gewährten Zollfreiheit sehr leicht zu betreiben ist. Die Industrie besteht in Verfertigung grober Schafwolltücher; der Handel beschränkt sich auf Export von Holz, Holzkohlen, Eisenerz, Schafwolle und Käse und auf Einfuhr der nötigsten im Lande nicht erzeugten Lebensbedürfnisse. So reich die Thäler des Ländchens an Mineralquellen auch sind, so hat doch die Regierung die Errichtung von Badeanstalten noch nicht erlaubt, ebensowenig die Ausbeutung des in den Bergen befindlichen silberhaltigen Bleiglanzes. Hauptort der Republik ist das in einer fruchtbaren Ebene 1051 m hoch schön gelegene, aber schlecht gebaute Dorf A. mit 7-800 E. Sein dreifensteriges Rathaus ist zugleich Justizgebäude, Schule und Gefängnis. - Vgl. Dalmau de Baquer, Historia de la republica de A. (Barcelona 1849); Berthet, Le val d'Andorre (Par. 1879; übersetzt ins Englische von F. H. Deverell, Bristol 1885); M. Moras, Les coutumes du pays d'Andorre (1882); Ch. Baudon de Mony, Origines historiques de la question d'Andorre (Nogent de Rotrou 1885).

Andouilles oder Andouillettes (frz., spr. angduíj, -ijétt), feine franz. Würstchen von Schweine- oder Kalbfleisch. Berühmt sind die A. aus Troyes.

Andover (spr. änndowr). 1) Stadt in der engl. Grafschaft Hampshire, 26 km im NO. von Salisbury, am Anton und den Bahnlinien nach Savernake, Swindon und Romsey, ist ein gut gebauter, gewerbreicher Ort, und hat (1891) 5852 E., eine Lateinschule, viele Malzdarren, eine Seidenfabrik, nahebei am Pillhillbrook eine Eisengießerei und röm. Verschanzungen. 7 km westlich das Dorf Weyhill mit vielbesuchtem Jahrmarkt für Schafe, Pferde und Landesprodukte. - 2) A., Stadt im County Essex des Staates Massachusetts, 33 km nördlich von Boston, hat (1890) 6142 E., eine 1780 gestiftete Phillips Academy, ein Lehrerinnenseminar und das um das Studium der Sprache und des Altertums der Hebräer verdiente theol. Seminar (1807 begründet) der Kongregationalisten mit guter Bibliothek.

Andrada, Jose Bonifacio d'A. e Silva, brasil. Staatsmann, geb. 13. Juni 1765 zu Santos in der brasil. Provinz São Paulo, studierte seit 1780 zu Coimbra die Rechte und Naturwissenschaften, erhielt 1800 den Lehrstuhl der Geognosie zu Coimbra und wurde Generalintendant des portug. Bergwesens. 1819 ging er nach Brasilien; dort stellte sich A. in São Paulo 1821 an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung, wurde 1822 zum Minister des Innern ernannt, dankte 1823 ab und trat nun in Opposition gegen das Ministerium, ward aber verhaftet und nach Europa (Bordeaux) eingeschifft. 1829 erhielt er die Erlaubnis zur Rückkehr nach Brasilien und wurde vom Kaiser, als dieser 7. April 1831 zu Gunsten seines Sohnes, Dom Pedros II., abdankte, zu dessen Vormund ernannt. Durch die Regentschaft 1834 der Vormundschaft enthoben, lebte A. seitdem Zurückgezogen auf der kleinen Insel Nictherov bei Rio, wo er 6. April 1838 starb. Außer einer Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen und polit. Aufsätze veröffentlichte A. "Poesias d'Americo Elyseo" (Bordeaux 1825), die ihm dichterischen Ruf einbrachten. - Auch seine Brüder Antonio Carlo d'A. und Martim Francisco d'A. (geb. 1776, gest. 23. Febr. 1844) traten in der brasil. Revolution und als Staatsmänner hervor. Die Söhne des letztern, Jose Bonifacio d'A.und Martim Francisco d' A., machten sich als Dichter bekannt, ersterer durch "Rosas e goivos" (Säo Paulo 1849), letzterer durch "Lagrimas e sorissos" (Rio 1847) und das Drama "Januario Garcia" (ebd. 1849).

Andral (spr. angdráhl), Gabriel, Mediziner, geb. 6. Nov. 1797 zu Paris, begründete durch seine "Clinique médicale" (3 Bde., Par. 1823-30; 4. Aufl. 1810, 5 Bde.; deutsch von Flies, 5 Bde., Quedlinb. 1842-45) seinen wissenschaftlichen Ruf. A. übernahm 1827 den Lehrstuhl der Hygieine an der mediz. Fakultät zu Paris, den er 1830 mit dem der innern Pathologie vertauschte, wurde 1839 Professor der allgemeinen Pathologie und Therapie und 1843 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er starb 13. Febr. 1876 zu Châteauvieux. Die bedeutendsten seiner Werke, namentlich für die Pathologie, sind: "Précis d'anatomie pathologique" (3 Bde., Par. 1829; deutsch von Becker, 2 Tle., Lpz. 1829-30), "Cours de pathologie interne" (3 Bde., Par. 1836-37; 2. Aufl., ebd. 1848; deutsch von Unger, 3 Bde., Berl. 1836-38), "Essai d'hématologie pathologique" (Par. 1843; deutsch von Herzogs Lpz. 1844). Das Werk Laennecs "De l'auscultation médiate on traité du diagnostic de poumons et du cœur" (4. Aufl., 3 Bde., Par. 1837) gab er mit Noten heraus; mit Gavarret und Delafond stellte er wichtige Wol. und pathol.-chem. Untersuchungen über das Blut und dessen Bestandteile an: "Recherches sur les modifications de proportion de quelques principes du sang" (Par. 1842; deutsch von Walther, Nördl. 1842).

Andrássy (spr. óndrahschi), ungar. Grafengeschlecht mit dem Prädikat von Csik-Szent-Király und Kraszna-Horka. Ahnherr des Geschlechts soll Andorás, einer der Führer bei der Einwanderung der Magyaren in Ungarn, gewesen sein. Die Familie teilt sich in zwei Linien. - Karl, Graf A., der ältern Linie angehörig, geb. 29. Febr. 1792 zu Gömör, war Mitglied der Opposition, in deren Reihen er sich auf den Reichstagen von 1839 und 1844 durch schlagfertige Reden auszeichnete. Auch wirkte er als Vorsitzender der Theißregulierungsgesellschaft sowie als Mitglied des Bergwerks- und des Fabrikvereins. Er starb 3. Aug. 1844 zu Brüssel. A. veröffentlichte in deutscher Sprache "Umrisse einer möglichen Reform in Ungarn" (anonym, Lpz. 1833).

Gyula (Julius), Graf A., ungar. Staatsmann, zweiter Sohn des Grafen Karl, geb. 8. März 1823 zu Zemplin, wurde von dem Zempliner Komitat in den Preßburger Reichstag von 1847-48 gewählt und von dem neuen ungar. Ministerium zum Obergespan jenes Komitats ernannt. Nach dem Ausbruche des Bürgerkrieges ward er Major in der Nationalgarde, dann Adjutant der Generale Moga und Görgey, endlich von der Debrecziner Regierung in diplomat. Mission nach Konstantinopel geschickt, wo er besonders die von Österreich geforderte Auslieferung der ungar. Flüchtlinge zu verhindern wußte. Nach Unterdrückung der Revolution 1850 in contumatiam zum Tode verurteilt und in effigie gehängt, lebte A. als Flüchtling in Paris. Durch die Verwendung seiner Mutter durfte er indes schon vor 1860 nach Ungarn zurückkehren. Von einem Zempliner Wahlkreise 1861 in den ungar. Reichstag