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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Andree; Andrejanowsky-Inseln; Andrejew; Andreoli; Andreossi; Andrés de Palomar; Andresen; Andrews

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Andree (Richard) - Andrews (Saint)

Jena, Berlin und Göttingen, wurde als Burschenschafter in die Demagogenuntersuchung verwickelt, aber 1838 freigesprochen. Er ward dann Redacteur der "Mainzer Leitung", stand später mit Giehne an der Spitze der "Oberdeutschen Zeitung" zu Karlsruhe, ging 1843 als erster Redacteur der "Kölnischen Zeitung" nach Köln, übernahm 1846 die Leitung der "Bremer Zeitung" und kehrte 1848 nach Braunschweig zurück, wo er die "Deutsche Reichszeitung" redigierte. Nachdem er 1851-53 als Leiter des "Bremer Handelsblattes" für eine allgemeine Zolleinigung Deutschlands gewirkt, nahm er 1855 seinen Aufenthaltsort in Dresden; 1858 wurde er zum Konsul der Republik Chile für das Königreich Sachsen ernannt und war als solcher vorübergehend in Leipzig thätig, von wo er 1863 nach Dresden zurückkehrte. Er starb 10. Aug. 1875 in Wildungen. A. schrieb "Geogr. Wanderungen" (2 Bde., Dresd. 1859), "Geographie des Welthandels" (2 Bde., Stuttg. 1867-72: 2. Aufl., ergänzt von seinem Sohne Richard, 3 Bde., 1881), "Nordamerika in geogr. und geschichtlichen Umrissen" (Braunschw. 1850-51; 2. Aufl. 1854). Er gab auch die Zeitschrift "Das Westland" (3 Bde., Bremen 1851-53) heraus. In der Zeitschrift "Globus" (Hildburgh. 1861 fg., seit 1867 in Braunschweig) schuf A. ein weit verbreitetes Orqan für Länder- und Völkerkunde.

Andree, Richard, Geograph und Ethnograph, Sohn des vorigen, geb. 26. Febr. 1835 zu Braunschweig, studierte zu Leipzig Naturwissenschaften und ging 1859 nach Böhmen, wo er in einer rein czech. Gegend als Hüttenmann thätig war und sich an den nationalen Kämpfen zwischen Deutschen und Czechen rege beteiligte. Aus jener Zeit stammen die Schriften "Tschechische Gänge" (Bielef. und Lpz. 1872), "Nationalitätsverhältnisse und Sprachgrenze in Böhmen" (2. Aufl., Lpz. 1870), "Das Sprachgebiet der Lausitzer Wenden" (mit ethnogr. Karte, Prag 1873) und "Wendische Wanderstudien" (Stuttg.1873). Als Frucht einer Reise nach Schottland erschien "Vom Tweed zur Pentlandföhrde" (Jena 1866). A. widmete sich seitdem ganz der Geographie und Ethnographie und veröffentlichte außer mehrern populären Werken (u. a. "Abessinien", Lpz. 1869; "Der Kampf um den Nordpol", 5. Aufl., Bielef. 1893) "Ethnogr. Parallelen und Vergleiche" (Stuttg. 1878; Neue Folge, Lpz. 1889), "Zur Volkskunde der Juden" (Bielef. 1881), "Die Metalle bei den Naturvölkern" (Lpz. 1884), "Ethnogr. Karten" (ebd. 1888), "Die Masken in der Völkerkunde" (Braunschw. 1886), "Die Anthropophagie" (Lpz. 1887), "Die Flutsagen" (Braunschw. 1891). Als Mitbegründer (1873) und Leiter der geogr. Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig gab er, gemeinschaftlich mit O. Peschel, einen "Physik.-statist. Atlas des Deutschen Reichs" (Lpz. 1877), einen "Volksschulatlas" (Bielef. 1876) und einen "Allgemeinen Handatlas" (Bielef. und Lpz. 1881; 3. Aufl. 1892-93) heraus. Seit 1893 lebt A. in Braunschweig und redigiert seit 1891 den "Globus."

Andrejanowsky-Inseln, s. Aleuten.

Andrejew, poln. Andrzejów. 1) Kreis im russ.-poln. Gouvernement Kjelzy, hat 1269,8 qkm mit (1885) 66 008 E., Landwirtschaft und über 50 Fabriken. - 2) Kreisort des Kreises A. und Flecken, mit (1885) 3639 E., Post und Telegraph.

Andreoli, Giorgio, ital. Majolikamaler, geb. zu Pavia, lebte und arbeitete im Anfange des 16. Jahrh. in Gubbio. Seine Gefäße und Schüsseln (s. Tafel: Majolika, Fig. 5) zeichnen sich durch den metallischen Lüsterglanz aus, den er, bald rot, bald golden, so vortrefflich herstellte, daß andere Maler ihre Majoliken nachträglich von ihm mit Metallglanz versehen ließen. Dies ist durch die Aufschriften konstatiert. Ferner zeichnet seine Arbeiten eine feurig rote Farbe aus, die er allein herzustellen vermochte, daher sie auch nach seinem Tode (bald nach 1553) nicht mehr angewandt wurde.

Andreossi (spr. angd-), Antoine François, Graf, franz. General und Diplomat, geb. 6. März 1761 zu Castelnaudary. Mit 20 Jahren Artillerielieutenant geworden, in Holland 1787 von den Preußen gefangen und dann ausgewechselt, zeichnete er sich in den Revolutionskriegen und in Italien mehrfach aus. Darauf begleitete er Napoleon nach Ägypten und Syrien und kehrte auch mit ihm nach Frankreich zurück, wo er zur Entscheidung des 18. Brumaire (s. d.) beitrug. A. wurde nun an die Spitze der Artillerie- und Ingenieurangelegenheiten gestellt und zum Divisionsgeneral ernannt. Nach dem Feldzug 1800 wurde er Direktor des Kriegsdepots, nach dem Frieden von Amiens Gesandter in London und darauf, zum Grafen ernannt, Gesandter in Wien, demnächst in Konstantinopel, aus welcher Stellung er durch Ludwig XVIII. Aug. 1814 nach Paris zurückberufen wurde. Bei Rückkehr Napoleons von Elba schloß er sich diesem an, erhielt die Pairswürde und wurde Vorsitzender verschiedener Kommissionen. Nach der Schlacht von Belle-Alliance wurde er als Unterhändler in das Hauptquartier der Verbündeten gesandt. Er erklärte sich für die Zurückberufung der Bourbonen, stand aber später als Deputierter auf der Seite der Opposition. A. starb 10. Sept. 1826 zu Montauban. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Historire génerale du canal du Midi" (Par. 1800; 2. Aufl., 2 Bde., 1805), worin er das Verdienst seines Urgroßvaters (François A., Ingenieur, gest. 1688) um den Kanal von Languedoc gegen die Anmaßungen Riquets verteidigt; "Essai sur le Bosphore et la partie du Delta de Thrace" (Par. 1818, mit Atlas), "Relation de la campagne sur le Main et la Rednitz, de l'armée gallo-batave aux ordres du général Augereau" (ebd. 1802), "Opérations des pontonniers français en Italie pendant les campagnes de 1795 à 1797" (ebd. 1843)

Andrés de Palomar, span. Stadt, s. San Andrés de Palomar.

Andresen, Karl Gust., Germanist, geb. 1. Juni 1813 zu Ütersen, studierte in Kiel, war 1839-52 Gymnasiallehrer in Altona, später Prorektor in Mülheim a. d. Ruhr, seit 1370 Docent, seit 1874 außerord. Professor in Bonn, wo er 25. Mai 1891 starb. Er hat sich verdient gemacht um deutsche Namenforschung ("Die deutschen Familiennamen", Mülh. 1862; "Die altdeutschen Personennamen in ihrer Entwicklung und Erscheinung als heutige Geschlechtsnamen", Mainz 1673; "Konkurrenzen in der Erklärung der deutschen Geschlechtsnamen", Heilbr. 1883) und Rechtschreibung ("Über deutsche Orthographie", Mainz 1855; "über J. Grimms Orthographie", Gött. 1867, u. a.), namentlich aber durch trefflich geschriebene, weitern Kreisen zugängliche Arbeiten über heutigen deutschen Sprachgebrauch: "Über die Sprache J. Grimms" (Lpz. 1869), "Über deutsche Volksetymologie" (5. Aufl., Heilbr. 1889), "Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit im Deutschen" (7. Aufl., ebd. 1892).

Andrews, Saint, s. Saint Andrews.