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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angilbert; Angina; Angio; Angiocarp; Angiom; Angioneurosen; Angiopteris; Angiospermen; Angkor

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Angilbert - Angkor

Tode (Alcala 1530; Par. 1536) herauskam. Es behandelt die Entdeckung Amerikas von Columbus bis 1525. Sein "Opus epistolarum" (Alcala 1530; Amsterd. 1670) enthält vieles Interessante zur Geschichte von 1488 bis 1525, besonders des span. Hofs, sowie auch über Columbus. Die Zustände Ägyptens schilderte A. in den "Legationis Babylonicae libri tres", die zuerst in seinen "Opera" (Alcala 1511), dann mehrmals mit den "Dekaden" gedruckt wurden. - Vgl. Schumacher, Petrus Martyr, der Geschichtschreiber des Weltmeers (Neuyork 1879); Mariéjol, Un lettré Italien á la cour d'Espagne (Par. 1888); Bernays, Petrus Martyr Anglerius und sein Opus epistolarum (Straßb. 1891).

Angilbert, Gelehrter und Dichter, geb. um 740, ward am fränk. Hof erzogen, begleitete Pippin, den Sohn Karls d. Gr., nach Italien, ward nach seiner Rückkehr von Karl d. Gr. wiederholt mit diplomat. Sendungen betraut, erhielt 790 die Abtei von Centula (später St. Riquier) in der Picardie, lebte aber meist am Hofe, wo er, mit Alkuin eng befreundet, der schola palatina, unter dem Namen Homer angehörte. Er starb 18. Febr. 814. Unter seinen lat. Gedichten (in Mignes "Patrologia", Bd. 99) befindet sich das Fragment eines Epos über Karl d. Gr., worin eine Begegnung Karls mit Papst Leo III. geschildert wird. A. ist Vater des Geschichtschreibers Rithard (s. d.) von Karls d. Gr. Tochter Bertha. Das Verhältnis A.s zu Bertha scheint Grundlage der Sage von Eginhard und Emma (s. Einhard) zu sein.

Angina, s. Bräune; A. pectŏris, s. Brustbräune.

Angio... (vom grch. angos, das Gefäß), die Gefäße (des tierischen Körpers) betreffend; Angioītis, Entzündung der Gefäße (Adern); Angioleucītis, Lymphgefäßentzündung; Angiolŏgie, Lehre von den Gefäßen (s. d. und Anatomie); Angiopăthie, Gefäßleiden; Angioplŏke, Gefäßknoten, Durchschlingung der Gefäße zum Zweck einer Blutstillung; Angiorrhexis, Zerreißung eines Gefäßes; Angiosarkōm, bösartige Gefäßgeschwulst; Angiostenōse, Verengerung der Gefäße; Angiostōse, Verknöcherung der Gefäße; Angiotŏmie, das (kunstgemäße) Auf- und Zerschneiden der Gefäße.

Angiocarp, s. Gymnocarp.

Angiom (grch., Gefäßgeschwulst), eine Geschwulst, welche fast ausschließlich aus neugebildeten Blutgefäßen (eigentliches oder echtes A.) oder aus Lymphräumen (Lymphangiom) besteht. Die blutführenden Gefäßgeschwülste sind entweder einfache A. (Teleangiektasien), welche sich als flächenhafte, dunkelkirschrote bis stahlbläuliche Neubildungen von der Größe eines Stecknadelkopfs bis zu der eines Handtellers in der Haut, besonders an Stirn und Wangen finden, und von den Laien als Feuer- oder Muttermale bezeichnet werden, oder cavernöse Gefäßgeschwülste, welche dunkelblaurote erektile, mitunter pulsierende Geschwülste darstellen. Die A. können Anlaß zu heftigen Blutungen geben und werden am besten durch Ätzen, Abbinden, Galvanokaustik oder Exstirpation mit dem Messer entfernt. - Vgl. Virchow, Die krankhaften Geschwülste, Bd. 3 (Berl. 1867).

Angioneurosen (grch.), Nervenkrankheiten, welche eine krankhafte Erweiterung oder Verengerung der Blutgefäße und dadurch bedingte Ernährungsstörungen der Organe zur Folge haben.

Angiopteris Hoffm., Farngattung aus der Familie der Marattiaceen (s. d.) mit nur wenigen Arten in Ostindien und auf den Südsee-Inseln. Sie gehören mit zu den größten existierenden Farnkräutern, ihre Wedel erreichen eine Länge von 5 m und darüber, ihre Stämme einen Umfang von etwa 2 m. Eine Art, A. evecta Hoffm. (s. Tafel: Gefäßkryptogamen, Fig. 3) wird in Warmhäusern wegen ihrer riesenhaften Formen kultiviert. In den Fruchthäuschen sind mehrere Sporangien miteinander vereinigt, so daß ein einfächeriges Gebilde entsteht, das sich mit einem Längsrisse öffnet.

Angiospermen (grch.), Bedecktsamige, den Gymnospermen (s. d.) gegenüber die Phanerogamen, deren Samenknospen in einen Fruchtknoten eingeschlossen sind und in dessen Innern sich zu reifen Samen weiter entwickeln. Die A. stellen eine der beiden großen Klassen der Phanerogamen dar, und zwar die, welche in der phylogenetischen Entwicklungsreihe am höchsten steht. Sie sind mit gegen 10 0000 Arten zugleich die umfangreichste Abteilung des Pflanzenreichs. Die A. zerfallen in die zwei großen Gruppen der Monokotyleoonen (s. d.) und Dikotyledonen (s. d.), die sich durch die Anzahl der Samenlappen (Kotyledonen) am Keimling sowie durch eine Reihe anderer Merkmale unterscheiden. Beiden ist jedoch gemeinsam die Ausbildung des Fruchtknotens; während bei den Gymnospermen kein eigentlicher Fruchtknoten sich entwickelt, sondern bloß einzelne Fruchtblätter mit unbedeckten Samenknospen vorhanden sind, findet sich bei den A. stets ein aus einem einzigen oder aus mehrern miteinander verwachsenen Fruchtblättern gebildeter Fruchtknoten, der die auf den Fruchtblättern sitzenden Samenknospen vollständig umhüllt, bis sie zu reifen Samen sich weiter entwickelt haben. Das Eindringen des Pollenschlauchs in die Fruchtknotenhöhlung zu den Samenknospen wird dadurch ermöglicht, daß bestimmte Teile der Fruchtblätter sich zu Griffel und Narbe umwandeln und infolge ihres lockern Gewebes dem keimenden Pollenschlauch beim Weiterwachsen keinen Widerstand entgegensetzen. (S. Befruchtung.) Vor dem Anlegen des Pollenschlauchs an den Scheitel des Knospenkerns findet bei den A. in dem Embryosacke keine solche Gewebebildung statt, wie dies bei den Gymnospermen der Fall ist. Daß die A. die am höchsten stehende Abteilung der Phanerogamen sind, geht auch aus den paläontologischen Befunden hervor. Die ersten A. finden sich in der Kreideformation, in dem darauf folgenden Tertiär erreichen sie schon eine weite Verbreitung, sodaß die Gefäßkryptogamen und Gymnospermen immer mehr zurückgedrängt werden, bis in den jüngsten Perioden die Artenzahl der A. gegenüber der der beiden andern Klassen eine unverhältnismäßig große geworden ist.

Angkor oder Ongkor, Name einer bedeutenden Ruinenstätte in Kambodscha, nahe dem Tale-sah oder Großen See an der Grenze von Siam, im NW. der Stadt Siem-reap oder Siemrab. Es sind Reste von Bauwerken, die von den Khmer (s. d.) nach ihrer Niederlassung in diesem Lande errichtet wurden. Bemerkenswert ist besonders der Angkor-Vat oder Nakhon-Vat genannte teilweise erhaltene Tempel inmitten eines Parks, der selbst von einem ungeheuern Bauwerk umgeben ist, mit einer Menge Türme, Statuen, seltsamer Tiergestalten, Galerien, Basreliefs, Ornamenten und auf die Mythen des Brahmanismus bezüglicher Inschriften. Es ist ein stark besuchter Wallfahrtsort der Buddhisten. Angkor-Thom oder Nakhon-Thom ist ein Riesenbau von bedeutendem Umfang mit zahlreichen Terrassen,