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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Angolaerbsen

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Angolaerbsen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Angola'

die Arbeit verteuerte, half man sich durch Bezahlung der Neger mit minderwertiger Münze (Reisfracos = 3/5 von Reis fortes). Die Industrie befaßt sich, bei spärlichem Erfolg, mit Ziegelbrennerei, Mattenflechterei, Branntweinbrennerei und Cigarrenfabrikation. Der Handel kommt bei den hohen Zöllen zu keinem blühenden Aufschwung, auch nicht am untern Kongo wegen ungünstiger örtlicher Verhältnisse (Seichtigkeit der Landungsstellen und mißgünstige Haltung der Eingeborenen auf dem linken Ufer). Ausgeführt werden: Elfenbein nur noch in geringer Menge, Kautschuk für 2½–3¼ Mill. M., Kaffee für 2½ Mill. M. (1883), Kopal und Wachs in großen Mengen. Die Einfuhr, besonders an Zeugen, kommt fast ausschließlich aus England, so daß das Mutterland Portugal in diesem Punkt keinen nennenswerten Nutzen von seiner Kolonie erzielt. Die Gesamtausfuhr belief sich (1891) auf 13 Mill. M. und die Einfuhr auf 14 Mill. M. Der Schiffsverkehr (1881) war in sämtlichen Häfen: 867 Schiffe mit 821000 t. Die im April 1886 begonnene schmalspurige (1 m) Eisenbahn vom Hafen Loanda über Kalungembo und Kasengo nach Pamba (Ambaca) wurde 1893 fertiggestellt und hat eine Länge von 363 km. Die Bahn soll später bis zum Kuango, einem Nebenfluß des Kongo, fortgesetzt werden, ja die bauende «Königl. Afrika-Überlandbahn-Gesellschaft» in Oporto plant eine Verbindung von West- und Ostküste und hat Vorarbeiten von Pamba bis östlich über Malansche hinaus (250 km) gemacht. Das Gesellschaftskapital der Strecke bis Pamba (mit Zinsgarantie der portug. Regierung) beträgt 16,2 Mill. M.; an 5prozentigcn Schuldverschreibungen sind 38272500 M. ausgegeben. 1890 ist einer belg. Gesellschaft der Bau der ebenfalls schmalspurigen (1 m) Mossamedesbahn von der Hafenstadt Mossamedes nach der Hochebene von Shella (175 km) gesetzlich genehmigt worden. Die Regierung gewährleistet 6 Proz. Zinsen für ein Anlagekapital von ungefähr 133065 M. für jedes der in der Ebene belegenen 150 km, während bei der 25 km langen Strecke mit Zahnradbetrieb die thatsächlich verwendeten Anlagekosten zu Grunde gelegt werden. Ferner hat die portug. Regierung einem amerik. Syndikat die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn von der Mündung des Kunene nach dem Innern erteilt. Für eine Bahn zwischen dem Hafenplatz und Hauptort der gleichnamigen Kolonie Benguella und dem tief im Innern belegenen Knotenpunkt Bihe sind die Vorarbeiten in Angriff genommen. Telegraphenlinien gab es 1891: 428 km.

Verfassung und Verwaltung. Die Kolonie A. zerfällt administrativ in vier Distrikte: Kongo (mit Kakongo, Kabinda, Ambrizette, San Antonio und San Salvador), Loanda, Benguella mit Bihe und Mossamedes. Die wichtigsten Orte sind, von N. nach S. geordnet: Kabinda (s. d.), Malimba und Landana, an der Küste nördlich vom Kongo; Nokki (s. d.) am südl. Kongoufer; San Salvador, Hauptstadt im kleinen uralten Kongoreich (s. d.); wichtige Handelsplätze am Meer: Ambriz, Loanda, Novo-Redondo, Benguella und Mossamedes (s. d.); im Thal des Quanza Dondo (s. d.) und Pungo-Ndongo, in 1160 m Höhe, umgeben von merkwürdig gestalteten Gneis- und Porphyrfelsen; am Lucalla das an Kaffeepflanzungen reiche Kasengo und Pamba (auch Ambaca geheißen) mit blühenden Kulturen von Erdnüssen und Tabak; Malansche, der letzte portug. Militärposten im O., in weiter ↔ Savannenfläche, der Ausrüstungsplatz und Ausgangspunkt der nach Lunda ziehenden Karawanen; auf der Ostabdachung des hohen Gebirgslandes von Benguella und Mossamedes: Bihe, Kakonda, Humpata und Huilla (s. d.). Die Kolonie A. steht unter einem Gouverneur mit dem Sitz in Loanda und dieser ist unmittelbar dem portug. Ministerium unterstellt, so daß die Verwaltung in wenigen Händen vereinigt ist. Ein Heer von Beamten (über 3000 im J. 1882) überwacht die Ausführung der Regierungsbefehle. Die vier Distrikte zerfallen in eine Anzahl von «Concelhos», an deren Spitze ein Soba steht. Die Soba, Eingeborene, erhalten ihre Stellen entweder durch Erbfolge oder durch freie Wahl der Gemeindegenossen; sie werden aber von Chefs, die der Gouverneur ernennt, überwacht und namentlich zum Eintreiben der Steuern angehalten. Durchgreifend wirkt die Regierung auf wenigen, wenn auch auf den wichtigsten Punkten. Das Kongoreich (s. d.) im Norden befindet sich fast nur dem Namen nach in Abhängigkeit von Portugal. – Nach dem Budget für 1894/95 betragen die Einnahmen der Kolonie A. 7,3 Mill. M., die Ausgaben 6,8 Mill. M.

Geschichte. Der portug. Seefahrer Diego Cam entdeckte 1484 die Gegenden an der Kongomündung und 1488 den Küstenstrich von Ambriz bis Mossamedes und nahm beide Ländergebiete für die Krone Portugal in Besitz. Diese beschränkte aber thatsächlich ihre Herrschaft auf die Küste und das Hinterland zwischen Ambriz und Mossamedes, und trat sie vorübergehend (1641–48) an Holland ab; im Norden an der Kongomündung begnügte sich Portugal, nur hier und da ein Kriegsschiff erscheinen zu lassen, Missionare ins Land zu schicken und nach Verfall des großen Kongonegerreichs die Könige von Kabinda und Kongo formell als ihre Unterthanen zu erklären. Allmählich trachtete es danach, seine Herrschaft nach Osten bis zum Kuango wirksam zu erweitern und in neuester Zeit ein friedliches und vertragsmäßiges Verhältnis mit Muata Jamvo, dem Fürsten des großen Lundareichs, herzustellen, worüber es mit dem Kongostaat in einen Konflikt zu geraten drohte. Schon als dieser gegründet werden sollte, erhob Portugal ziemlich zweifelhafte Ansprüche auf die Uferstrecken am untern Kongo und gab erst auf das Drängen von England nach; dafür erhielt es damals auf der Berliner Konferenz (1885) die Enklave nördlich vom Kongo mit den Hafenplätzen Landana, Malimba und Kabinda als vollständig gesicherten Besitz. Die später auftauchenden Differenzen wegen der östl. Grenzen wurden durch ein provisorisches Abkommen 1891 im allgemeinen und durch den Vertrag vom März 1894 endgültig beseitigt.

Litteratur. Tams, Die portug. Besitzungen in Südwestafrika (Hamb. 1845); Magyar, Reisen in Südafrika, Bd. 1 (Pest 1859); Valdez, Six years of a traveller's life in Western Africa (2 Bde., Lond. 1861); J. J. Monteiro, Angola and the River Congo (2 Bde., ebd. 1875); Oberländer, Westafrika vom Senegal bis Benguela (Lpz. 1878); Pogge, Im Reiche der Muata Jamvo (Berl. 1880); Serpa Pinto, How I crossed Africa (Lond. 1881; deutsch Lpz. 1881); Carta d'Angola 1: 3000000 (hg. vom portug. Ministerium der Marine und Kolonien).

Angōlaerbsen, Bezeichnung für die Samen zweier verschiedener Pflanzen, die jedoch mit unsern Erbsen nichts gemein haben. Die eine Sorte stammt von der im tropischen Afrika heimischen Voandzeia

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 631.