Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: An-Huei; Anholt (Stadt); Anhydride; Anhydrit; Anhydrohydrate; Ani; Ani (Vogel); Anicet-Bourgeois

641

Anholt (Stadt) – Anicet Bourgeois

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Anholt'

schaft Halland, etwa 37 km von den beiderseitigen Festlandsküsten entfernt, gehört zum dän. Amte Randers in Jütland und ist 11 km lang, bis zu 7 km breit und ungefähr 20 qkm groß. Ehemals war die Insel bewaldet, jetzt ist sie jedoch meist mit Flugsand bedeckt und läßt nur an einzelnen Stellen der Westküste Ackerbau zu. Die (1890) 170 E. sind auf Fischfang angewiesen. Zur Warnung für die Seefahrer vor den vielen gefährlichen Untiefen und Riffen in der Nähe wurde auf der Ostspitze des Eilandes 1836 ein 37 m hoher Leuchtturm eingerichtet. Weiter nach außen liegt ein Feuerschiff. A. gehörte 1809–14 den Engländern.

Anholt, Stadt, s. Bocholt.

An-Huei (An-Hui, An-Hoei), s. Ngan-hwei.

Anhydride oder anhydrische Oxyde nennt man in der Chemie im Gegensatz zu den Wasserstoff enthaltenden Hydraten (s. d.) die wasserstofffreien Oxyde der Elementarstoffe. Sie entstehen teilweise aus den Elementen durch direkte Oxydation, aus den Hydraten oft durch Abspaltung von Wasser in der Wärme. Viele A. verbinden sich beim Zusammentreffen mit Wasser wieder mit letzterm und liefern wieder Hydrate. So ist z. B. der beim Glühen von Kalkstein zurückbleibende gebrannte Kalk das anhydrische Oxyd des Metalls Calcium. Durch das Löschen mit Wasser (s. Kalk) wird es in das Calciumhydrat verwandelt: CaO + H2O = Ca(OH)2, das beim Glühen das Wasser wieder abgiebt und abermals zu Anhydrid wird. Bei mehrwertigen Elementen bildet oft das Anhydrid mit Wasser mehrere Hydrate, von denen diejenigen, die nicht das Maximum von Wasser gebunden enthalten, Anhydrohydrate heißen. Zwischen dem vollkommenen Hydrat des Eisens, Fe2(OH)6, und seinem Anhydrid, Fe2O3, liegen Anhydrohydrate, von denen die einfachst zusammengesetzten Fe2O(OH)4 und Fe2O2(OH)4 sind. Schwefelsäureanhydrid, SO3, ferner verbindet sich mit 1 Molekül Wasser zu H2SO4 oder SO(OH)2, mit 2 Molekülen zu H4SO5 oder SO(OH)4. Beide sind Anhydrohydrate; zur Bildung des vollkommenen Hydrats muß das Anhydrid 3 Moleküle Wasser aufnehmen: SO3 + 3 H2O = S(OH)6.

Anhydrit oder Karstenit, ein Mineral, das aus wasserfreiem schwefelsaurem Kalk, CaSO4 (41 Proz. Kalk, 59 Proz. Schwefelsäure), besteht und sowohl in ausgezeichneten Krystallen als strahlig, faserig, schuppig-körnig und dicht vorkommt. Die Krystalle desselben gehören zum rhombischen System und besitzen drei verschieden vollkommene Spaltbarkeitsrichtungen, die sich rechtwinklig schneiden. Der A. ist gewöhnlich von weißer Farbe, auch wohl durch bituminöse Substanzen blau, grau oder rötlich gefärbt. Er steht in einer eigentümlichen Beziehung zum Gips, von dem er sich durch größere Härte (3–3,5) und Schwere (2,3–3) unterscheidet, insofern er nur eine gewisse Menge Wasser aufzunehmen braucht, um in dieses letztere Mineral umgewandelt zu werden. Deshalb findet man auch gewöhnlich da, wo A. in größern Massen auftritt, wie am südl. Harzrande bei Osterode, zu Bex in der Schweiz, die Oberfläche bis zu einer gewissen Tiefe in Gips übergegangen. Vorzüglich tritt der A. als Glied einiger Sedimentformationen auf, so namentlich in der Dyas- und Triasformation, hier oft mit Steinsalz vergesellschaftet und von Adern steinsalzhaltigen Thons durchzogen. Er wird zu verschiedenen Zwecken verwandt. Als Baumaterial ist er nicht besonders zu empfehlen, weil seine Neigung, ↔ sich in Gips umzuwandeln, wobei er leicht birst, sich biegt u. s. w., von nachteiligen Folgen ist. Wo er von schönen Farben oder, wie zu Vulpino (Vulpinit) in Oberitalien, in fester, schuppig-körniger Form auftritt, benutzt man ihn zu Bildhauerarbeiten. Gebrannt, pulverisiert und mit Wasser angerührt, erhärtet er nicht wie Gips. In der Landwirtschaft dient er wie der Gips zur Düngung von Wiesen, Kleefeldern u. s. w.

Anhydrohydrate, s. Anhydride.

Ani, brasil. Vogel, s. Madenfresser.

Ani, im Mittelalter einer der prächtigsten Königssitze des vordern Asien, im jetzigen russ. Armenien am Arpatschaï (Akhourian) zwischen Felswänden gelegen, war im 5. Jahrh. noch ein kleines Fort, das jedoch im 8. Jahrh. von einem armenischen Fürsten aus der Dynastie der Bagratiden zur Aufbewahrung seiner Schätze und 961 von den Bagratiden zur Residenz erwählt wurde. Sehr bald wurde A. so erweitert, befestigt und mit Palästen und Kirchen geschmückt, daß es bereits im 11. Jahrh. 100000 E. und 1000 Kirchen gehabt haben soll. Die Stadt wurde 1046 von dem Byzantiner Konstantin Monomach erobert; später gelangte sie in die Hände der Seldschuken, dann in die der kurdischen Beni-Scheddas. Von 1124 bis 1209 wurde sie fünfmal von den Georgiern erobert, 1239 von den Mongolen zerstört, die alle Einwohner niedermetzelten; 1319 vollendete ein Erdbeben die Zerstörung der Stadt. Jetzt bezeugen ihre einstige Größe nur noch Ruinen, die einen Raum von 7 km im Umkreis bedecken. Die noch stehenden Mauern des Palastes zeigen eine vollendete Bauweise und sind bedeckt mit sehr sorgfältig ausgeführten Ornamenten und Mosaiken. Zwei noch vorhandene Moscheen enthalten Arabesken, die denen der Alhambra zur Seite zu stellen sind. Oberhalb der über einen Abgrund führenden Brücke steht eine der vier noch erhaltenen Kirchen, in deren Innern in völlig unverminderter Farbenpracht der Einzug Christi in Jerusalem, die Jungfrau Maria an Christi Grabe u. s. w. dargestellt ist. Die Reste der großartigen Kirchen bieten für die Geschichte des christl. Baustils im Orient reichliche Ausbeute. Die Felswände in der Umgegend sind voll Höhlen und Grotten, die einst bewohnt waren und eine eigene troglodytische Stadt bildeten. – Vgl. Brosset, Rapport sur un voyage archéologique dans la Géorgie et l'Arménie (3 Bde., Petersb. 1849–51, mit Atlas); ders., Les ruines d'A. (ebd. 1860–61); Ussher, Journey from London to Persepolis (1865).

Anicet-Bourgeois (spr. anißeh-burschŏá), Auguste, franz. Theaterdichter, geb. 25. Dez. 1806 in Paris, war Schreiber bei einem Pariser Anwalt, als der Erfolg eines Melodramas, «Gustave ou le Napolitain», das er mit 19 Jahren im Pariser Gaité-Theater zur Aufführung brachte, ihn bestimmte, Schriftsteller zu werden. Er verfaßte, teilweise mit andern, beinahe 200 Stücke. Virtuose der dramat. Technik, wurde er anerkannter Meister des «Mélodrame» und einer der beliebtesten Dichter der Boulevardtheater. Seine letzten Jahre brachten fast nur Texte zu großen Ausstattungsstücken. Er starb 21. Jan. 1871 zu Paris. An Vaudevilles und Lustspielen lieferte er u. a.: «Père et parrain» (1834), «Passé minuit» (1839), «Les trois épiciers» (1840), «Le chevalier d'Essonne» (1847), «Le premier coup de canif» (1848), «L'avare en gants jaunes» (1858), «L'école des Arthur» (1859), «Les mariages

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 642.