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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Annalen; Annaline; Annam

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Annalen – Annam

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Annahme an Zahlungsstatt'

die Hingabe an Zahlungsstatt leichter der Anfechtung (s. d.) der übrigen Gläubiger oder des Konkursverwalters unterliegt als die Zahlung mit dem geschuldeten Gegenstande. Der A. a. Z. verwandt ist die Überweisung einer gepfändeten Geldforderung an Zahlungsstatt, welche das Vollstreckungsgericht auf Antrag des Gläubigers zu dessen Befriedigung ausspricht (Civilprozeßordn. §. 736). Hier gilt die Regel, daß der Gläubiger als befriedigt anzusehen ist, soweit die überwiesene Forderung besteht. Von der Hingabe an Zahlungsstatt und der Überweisung an Zahlungsstatt verschieden ist die Überweisung oder Hingabe zahlungshalber. Werden dem Gläubiger Forderungen von seinem Schuldner abgetreten, so wird im Zweifel anzunehmen sein, es sei zahlungshalber nicht an Zahlungsstatt abgetreten, so auch, wenn der Gläubiger ein Wechselaccept erhält. Hier tritt Tilgung der alten Schuld erst ein, wenn der Gläubiger von dem Drittschuldner Zahlung erlangt.

Annalen (lat. annales), geschichtliche Jahrbücher, welche die Hauptbegebenheiten einer Stadt, eines Landes, eines Reichs Jahr für Jahr in chronol. Folge enthalten. Solche Aufzeichnungen, geknüpft an die Namen der Herrscher, finden sich schon bei den alten Ägyptern, Assyrern, Juden u.s.w. sowie auch bei den Chinesen. Die ältesten Jahrbücher der Römer entwickelten sich aus den an die Namen der regierenden Beamten jährlich vom Pontifex Maximus (s. Pontifex) angeknüpften Aufzeichnungen und wurden später, als es auch andere A. gab, zum Unterschiede von diesen annales pontificum oder annales maximi genannt. Sie bilden kein Werk der Litteratur, sondern gehören zu den Akten der Regierung, sind aber doch als erste Stufe der Geschichtschreibung zu betrachten. Seit dem Ende des zweiten Punischen Krieges begann die Abfassung von A. aus freier litterar. Thätigkeit durch eine Reihenfolge gebildeter Männer, wie Fabius Pictor, Calpurnius Piso, Valerius Antias, Licinius Macer u. a., zunächst in griech., doch sehr früh auch in röm. Sprache. Der Name blieb dann auch denjenigen Geschichtswerken, welche die Ereignisse vergangener Zeiten Jahr für Jahr berichteten, aber schon an die Stelle trockner Aufzeichnung der Thatsachen die pragmatische Erzählung treten ließen, während der Name «Geschichtsbücher», historiae, für die pragmatische, aber ebenfalls wesentlich chronol. Darstellung selbsterlebter oder der nächst vorhergehenden Zeiten gebraucht wurde, ein Unterschied, wie man ihn z. B. bei Tacitus findet. Im 4. und 5. Jahrh. n. Chr. traten an Stelle der A. die Chroniken (s. d.). Dieser Name wurde nun gewöhnlich für die jetzt wieder aufkommenden trocknen chronol. Aufzeichnungen gebraucht, die in der Regel die ganze Weltgeschichte seit der Schöpfung in einem kurzen Abriß behandelten und diesem erst die Aufzeichnung der selbsterlebten Ereignisse folgen ließen, so daß meist nur der letzte Teil histor. Wert hat. Dann entstand wieder im Mittelalter seit der karolingischen Zeit eine große Anzahl von A. im Sinne gleichzeitiger Aufzeichnung von Ereignissen. Heutzutage gebraucht man den Ausdruck A. für Geschichtswerke jeder Art, die ihren Stoff nach Jahren ordnen. Außerdem wird der Name A. häufig für Zeitschriften benutzt. - Vgl. Nitzsch, Die röm. Annalistik von ihren ersten Anfängen bis auf Valerius Antias (Berl. 1873): Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter (2 Bde., 5. Aufl., ebd. 1887). ↔

Annaline oder Milchweiß, sehr feingemahlener ungebrannter Gips, der als mineralischer Füllstoff in der Papierfabrikation ausgedehnte Anwendung findet. Es wird in Annenmühle bei Osterode am Harz gemahlen, daher sein Name. Ein der A. an Feinheit und Weiße gleichkommendes Präparat wird hergestellt, wenn man mäßig feingepulverten gebrannten Gips in die 12fache Gewichtsmenge Wasser einrührt und mit dem Rühren etwa 15 Minuten fortfährt; dann nimmt die vorher dünnflüssige Masse Rahmkonsistenz an. Man befreit die sehr wasserhaltige Masse durch Filterpressen vom Wasser.

Annam (Anam) oder (chines.) An-Nam («Beruhigter Süden»), auch Nam-Viet, Viet-Nam (d. h. Süden von Viet oder chines. Yüe), Nhat-Nam (Sonne des Südens), Giao-Nam (Süden von Giao), Nam-Giao genannt, Königreich unter franz. Protektorat an der Ostküste der indo-chines. Halbinsel, ein schmaler Streifen zwischen 10° 30' und 18° nördl. Br., 106 und 109° östl. L. von Greenwich, mit einer mittlern Breite von 150 km. Es grenzt im N. an Tongking, im O. an das Südchinesische Meer, im S. an das franz. Cochinchina, im W. an Kambodscha und den Me-kong, der A. von Siam trennt. Der Flächeninhalt beträgt etwa 230000 qkm, die Küstenausdehnung 1200 km. Die Küsten sind sehr zerklüftet, begrenzt von hohen Bergen und haben zahlreiche Inseln, Spitzen, Kaps, Baien, Bänke und Riffe, aber nur wenige Häfen. (S. Karte: Ostindien II: Hinterindien.)

Bodengestaltung. Eine lange Bergkette von 600 bis 700 m mittlerer Höhe, aber mit Gipfeln, die sich im Pu-san bis 2760 m, im Pu-atuat zu 2500 m erheben, erstreckt sich von N. nach S. und bedeckt fast das ganze Land. Zahlreiche Bergzüge zweigen sich ab und wenden sich dem Meere zu, wo sie in Piks bis über 2000 m Höhe auslaufen. Zwischen diesen bewaldeten, zuweilen aber auch vollständig kahlen Bergen erstrecken sich kleine Thäler, längs der Küste jedoch ebene Flächen und niedrige Dünen. – Eine große Zahl Flüsse von geringer Ausdehnung und Tiefe fließen von den Bergen ins Meer. Die hauptsächlichsten sind der aus dem Zusammenfluß des Song-nam und des Song-naï gebildete Song-giang; der aus dem Song-ka und dem Song-sao gebildete Song-hoï; sie kommen aus dem Gebiet der Schan und Lao. Der Song-ma ist nur wenig schiffbar.

Klima. Der Winter oder die nasse Jahreszeit dauert vom November bis April, der Sommer oder die trockne Jahreszeit vom April bis November. Die höchste Temperatur im Juni, Juli und August beträgt 36–37°, im Dezember und Januar 11–12°. Die gewöhnlich im September beginnenden Regen treten zunächst als Gewitterstürme auf, die sich Ende November in feine Regenschauer umwandeln. Die Hitze wird durch die Meeresluft gemäßigt.

Pflanzen- und Mineralreich. Wichtig sind Reis und besonders Zimmet, ferner Zuckerrohr, Thee (von mittelmäßiger Güte), Tabak, Yamswurzel, Sesam, Ricinus, verschiedene Südfrüchte, Kokosnüsse, weiße Bohnen, Kaffee, Maulbeerbäume und Luxushölzer (s. Cochinchina). Von Mineralien kommen vor Gold, Silber, Kupfer, Zink, Eisen und Kohlen, deren Abbau aber größtenteils aufgegeben ist, da die Gesetzgebung ihn wenig begünstigt.

Die Tierwelt ist sehr reich: Elefanten, Tiger, Rhinocerosse, Bisamtiere und Büffel, Pferde von kleiner Rasse, zahlreiche Affen, Hirsche, Wildschweine, Pfauen, Papageien, prachtvolle Hühner und viele

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 658.