Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

725

a. o. - Aorta

für die von ihr übernommene Unterstützungspflicht zu entschädigen, den ärmern Staatsangehörigen hindern soll, sich da, wo er sein Unterkommen zu finden oder seine Lage zu verbessern hofft, niederzulassen. Das Recht der freien Niederlassung läßt jedoch nach dem Gesetz vom 1. Nov. 1867 die Rechtsverhältnisse in betreff der Gemeindeangehörigkeit, des Ortsbürgerrechts und der Teilnahme an den Gemeindenutzungen (s. Allmenden) unberührt, und es ist daher zulässig und im allgemeinen gerechtfertigt, daß als Äquivalent für die letztgenannten Vorteile ein A. oder Einkaufsgeld erhoben werde.

a. o., bei Titulaturen Abkürzung für außerordentlich, z. B. außerordentlicher Professor.

A. o. c., Abkürzung für Anno orbis conditi, d. i. im Jahre nach Erschaffung der Welt.

Aeolididae, s. Fadenschnecken.

Äolier, altgriech. Volksstamm, der sich von Äolus (s. Aiolos) ableitete und seine ursprünglichen Wohnsitze in der Landschaft Äolis hatte, der südwestl. Hälfte der thessal. Ebene. Hauptstadt war hier Arne, das spätere Cierium. Von hier zog ein Teil des Stammes, infolge der Einwanderung der Thessaler, unter dem Namen der äol. Böoter nach Böotien; ein anderer Bruchteil ließ sich im südl. Ätolien in der Gegend von Kalydon und Pleuron, die danach auch Äolis genannt wird, nieder. Am längsten erhielt sich der Name Ä. als polit.-ethnogr. Bezeichnung für die griech. Ansiedler im Nordwesten Kleinasiens. Den Hauptstock dieser Einwanderer bildeten Achäer aus dem Peloponnes, denen, wie es scheint, sich thessalische Ä. beigesellt hatten. Die etwa 30 Niederlassungen der Ä. zerfallen, abgesehen von den Städten auf der Insel Lesbos, in zwei größere Gruppen. Die südlichere umfaßte 12 in der Nähe der Flüsse Caicus und Hermus und des Elaitischen Meerbusens gelegene, wohl zu einem Bunde vereinigte Städte; Smyrna, das jedoch später an Ionien fiel, und Kyme waren die bedeutendsten Plätze. Die nördl. Gruppe bildeten die am Fuße des Idagebirges in Troas, vom Vorgebirge Lektum bis zum innersten Winkel des Adramyttischen Golfs gelegenen Städte, von denen Assus, Gargara und Antandrus an der Küste lagen; zu ihr gehörte auch die Insel Tenedos sowie die dieser gegenüber auf der Küste des Festlandes von König Antigonus begründete, von Lysimachus erweiterte Stadt Alexandria Troas. Diese äol. Städte, deren Bevölkerung meist aus Resten der frühern Landeseinwohner, Pelasger, Leleger, Dardaner, Troer und Myser, bestand, wurden zum Teil schon von Krösus zum Tribut genötigt. Nach der Unterwerfung Lydiens durch Cyrus gerieten sie alle in Abhängigkeit vom Persischen Reiche. Nach den Perserkriegen traten sie größtenteils der athenischen Bundesgenossenschaft bei, deren Auflösung brachte sie (mit Ausnahme der Bewohner von Lesbos und Tenedos) wieder in die Gewalt der pers. Satrapen. Nach dem Untergange des Persischen Reichs und dem Tode Alexanders d. Gr. gehörten sie bald zum Pergamenischen, bald zum Syrischen Reiche, bis sie von den Römern der Provinz Asia zugeteilt wurden. - Über den Äolischen Dialekt s. Griechische Sprache.

Äolikon (Äoline), s. Äolodikon.

Äolipile, s. Äolopile.

Äolis, s. Äolier.

Äolische Inseln, s. Aiolos und Liparische Inseln.

Äolische Verse, bei den Alten solche daktylische Reihen, besonders Hexameter, deren erster Fuß die Gestalt eines Spondeus oder Trochäus (auch Jambus oder Pyrrhichius) hatte. Am bekanntesten sind die Ä. V. aus Theokrits 29. Gedichte in äol. Dialekt.

Äolodikon (Äoline, Äolikon) und Äolodion (grch.), verschiedene Arten der Windharmonika, ältere Formen des Harmoniums (s. d.).

Äolopile oder Äolipile (grch., d. i. Dampfkugel, Windkugel), ein kleines Metallkesselchen, an das ein mit enger Mündung endendes Ausflußrohr angesetzt ist. Ist das Kesselchen teilweise mit einer Flüssigkeit gefüllt, die durch eine untergesetzte Flamme ins Kochen gebracht wird, so strömen die Dämpfe mit Gewalt aus jener engen Öffnung hervor. Ein in den Weg des Dampfstrahls gestelltes Flügelrad wird von demselben angetrieben. Wenn die Ä. um eine Achse leicht drehbar und der Dampfstrahl zu einem die Achse konzentrisch umhüllenden Kreise tangential gerichtet ist und das oder die Ausflußrohre wie die bei Segners Wasserrad umgebogen sind, so wird sie, wie bereits Hero von Alexandrien um 120 v. Chr. ermittelt hatte, durch die Reaktion des ausströmenden Dampfes in Rotation versetzt. Wird die Ä. mit Weingeist gefüllt, so läßt sich der ausströmende Dampfstrahl entzünden und zum Löten oder Glasblasen verwenden.

Äolsharfe (Windharfe), Saiteninstrument, bestehend aus einem einfachen Kasten mit aufgespannten Darmsaiten, die auf denselben Ton gestimmt sind. Setzt man die A. dem Luftzug aus, so beginnen die Saiten zu schwingen und ertönen je nach der Windstärke leise oder laut, an- und abschwellend, erst im Einklang, dann durch die ungleichen Teilschwingungen der Saiten in verschiedenen Obertönen, meist also in Accorden. Von Harfen, die durch den Luftzug erklingen, berichtet schon das Mittelalter; theoretisch begründet hat die Erfindung zuerst Ath. Kircher in seiner "Phonurgia nova" (1650).

Äolshöhlen, s. Windgrotten.

Aölus, s. Aiolos. - A. ist auch Name eines von Berlin aus in den Handel gekommenen Ventilations- und Kühlapparats.

Äon (grch.; lat. aevum), Zeitraum, Lebenszeit, Weltalter, auch Ewigkeit. Bei den Gnostikern (s. Gnosis) sind Äonen die Kräfte, die vor aller Zeit aus Gott ausgeströmt (emaniert) sind und als Substanzen, als Geister, existieren.

Aorist (grch., "unbegrenzt"), Bezeichnung einer ursprünglich allen indogerman. Sprachen eigenen, später in den meisten verloren gegangenen Tempusformen des Verbums, deren eigentliche Bedeutung ist, die momentane Handlung auszudrücken, im Gegensatz zum Präsens, das die dauernde, und zum Perfektum, das die vollendete Handlung bezeichnet; z. B. im Griechischen heißt das Präsens φεύγε: pheúgei, "er ist auf der Flucht"; der A. έφνγε éphyge, "er entfloh"; das Perfektum πέφενγε pépheuge, "er ist davongekommen". Weil der Ä. im Indikativ nur in der Form der vergangenen Zeit vorkommt, hat man sich gewöhnt, ihn unter die präteritalen Tempora zu zählen, die Bezeichnung der Vergangenheit liegt aber ursprünglich nicht in seinem Begriff. Der Unterschied eines ersten und zweiten A. im Griechischen und ähnliche Unterschiede in andern Sprachen beziehen sich nur auf die Form, nicht auf die Bedeutung.

Aorta (grch.), der Hauptstamm der Arterien, welcher aus der linken Herzhälfte heraustritt und sich später in sämtliche, den Körper versorgende Arterien teilt, bildet ein daumendickes festes, mit