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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Äquatorialströme – Aquifoliaceen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Äquatorialprovinz'

Sudan, ungefähr zwischen dem 2. und 7.°nördl. Br. und dem 27. und 34.° östl. L. von Greenwich, mit den Distrikten Rohl, Bor, Ladó, Kirri, Dufilé, Makraka, Monbuttu, Latuka, Fadibek und Fauvera, ist durch den Weißen Nil in zwei ungleiche Hälften geteilt, von den Zuflüssen des Nils und des Uelle ungemein reich bewässert, vielfach mit Getreide bebaut und zu tropischen Kulturen geeignet. Die Bewohner gehören zu dem Stamme der Sudanneger und gruppieren sich in die Stämme der Dinka, Bari, Madi, Schilluk, Schuli, Sandeh (Niamniam) und Monbuttu. Unter dieser Bevölkerung hausten seit Jahrzehnten als die berüchtigtsten Sklavenhändler die nub. Dongolaner (von den Arabern Danagla genannt). Nach der Eroberung von Kordofan und Darfur richtete Ägypten sein Augenmerk auf dies durch seine ungeheuren Schätze von Elfenbein und seine Kulturfähigkeit wertvolle Gebiet. Gordon (s. d.), als Generalgouverneur des Sudan, organisierte von 1874 bis 1876 die Ä. als solche. Ihm folgte, und zwar anfangs mit großem Erfolg, Emin Pascha (s. d.) im Juli 1878. Nach Verlauf eines Jahres herrschte vollkommene Sicherheit in dem weiten Lande und bis 1885 waren 48 Militärstationen errichtet, die regelmäßig von den Eingeborenen mit Getreide und Rindern versorgt wurden. Der gut organisierte Trägerdienst ermöglichte die Beförderung der Waren (Elfenbein und Kautschuk) an den Nil; die Einnahmen stiegen derartig, daß nicht nur die Kosten der Verwaltung gedeckt, sondern 1883 Überschüsse von 240 000 M. erzielt werden konnten.

Da brach 1881 der Aufstand des Mahdi (s. d.) aus; Juli 1883 überfielen plötzlich die Dinka die ägypt. Garnison in Rumbek und metzelten sie nieder. Wohl gelang es, die Anfänge der Rebellion hier und 1884 in Schambe niederzuschlagen; aber die Kunde von der Übergabe der nördlich angrenzenden Provinz Bahr el-Ghasal in die Hände der Mahdisten entzündete mit unwiderstehlicher Gewalt den Aufruhr, und 1884 empörten sich die ägypt. Truppen gegen ihren Gouverneur.Emin Pascha sah sich gezwungen, eine Reihe von Stationen an den Grenzen aufzugeben und nach dem Fall von Chartum (26. Jan. 1885) den Sitz des Gouvernements von Ladó nach Wadelai zu verlegen (Juli 1885). Der Sieg bei Rimo (Frühjahr 1885) verschaffte ihm einigermaßen Luft, ja sogar Sicherheit gegen erneute Einfälle für die nächsten Jahre; allein die Disciplin unter seinen Truppen war auf das tiefste erschüttert, wie eine Revolte in Ladó 1886 bewies; er mußte eine Station nach der andern räumen. So schmolz bis 1887 die A. auf sieben Stationen zusammen. Stanleys (s. d.) Erscheinen 1888 am obern Nil brachte keine Besserung, vielmehr eine Verschlimmerung, und Emin zog mit Stanley 1889 an die Ostküste. Nach ihrem Abmarsch wurde die Ä. von den Mahdisten überschwemmt. 1892–94 gelang es einer Expedition des Kongostaates unter van Kerckhoven, später unter Baert, in der Provinz bis Ladó zu dringen und sich am Bahr el-Dschebel festzusetzen. Ein Vertrag (vom 20. Mai 1894), worin England dem Kongostaat den größten Teil der Ä. «verpachtete», wurde durch Frankreichs Einspruch zunichte gemacht und der Kongostaat auf das Gebiet bis zum fünften Breitengrade beschränkt. – Vgl. Buchta, Der Sudan unter ägypt. Herrschaft (Lpz. 1888); Jephson-Stanley, Emin Pascha (ebd. 1890); Casati, Zehn Jahre in Äquatoria (deutsch, 2 Bde., Gera 1891). (S. die Karte: Äquatorial-Afrika, S. 190.) ↔

Äquatoriālströme, die aus äquatorialen Gegenden stammenden und daher sehr warmen Winde. Nach Ansicht Doves entsteht der gesamte Wechsel in den Witterungserscheinungen durch den unten von den Polen dem Äquator zufließenden kalten Polarstrom und den oben vom Äquator zurückkehrenden Ä. In mittlern Breiten senkt sich der Äquatorialstrom so weit, daß er die Erdoberfläche treffen kann. Es entsteht ein Kampf zwischen beiden Strömen, sie verdrängen, durchbrechen sich, bilden Wirbel u.s.w. Die Witterung hängt dann von dem Strom ab, der über den betreffenden Ort hinwegströmt. Ist dies der Polarstrom, so herrscht kühles, trocknes Wetter, während die Luft des Äquatorialstroms warm und feucht ist und leicht zu Niederschlägen führt. (S. Dovesches Gesetz.) – Über die oceanischen Ä. s. Meer und Atlantischer Ocean.

Äquatorialtag und Äquatorialmonat, Bezeichnungen für die einer Stelle der Erdoberfläche jährlich von der Sonne zugestrahlte Wärmemenge. Wenn man z.B. sagt, daß die den Orten unter 50° Breite jährlich zugestrahlte Wärmemenge 250 Äquatorialtage oder 8,2 Äquatorialmonate beträgt, so heißt dies: diese Wärmemenge ist so groß als diejenige, welche die Äquatorialgegenden in 250 Tagen oder 8,2 Monaten empfangen.

Äquātorstation am obern Kongo, im Kongostaate, an der Mündung des Tschuapa, auf einem erhobenen Plateau gelegen; mit ihr vereinigt war eine Missionsstation der American Baptist Union. 1890 wurde die Ä. aufgegeben.

À quatre (frz., spr. katt'r), A quattro (ital.), zu Vieren; à quatre épingles (spr. epängl), wörtlich: mit vier Nadeln, d. i. in vollem Kostüm, sehr sorgfältig geputzt; vom Stil: geziert; à quatre mains (spr. mäng; ital. a quattro mani, abgekürzt a 4 man), in der Musik: vierhändig; à quatre parties (spr. partih; ital. a quattro parti oder voci, vierstimmig; à quatre seul (spr. ßöhl; ital. a quattro soli), von vier einzelnen Stimmen vorzutragen (jede Stimme mit nur einem Instrument besetzt).

A quattro, s. A quatre.

Aquavīt, s. Aqua.

Aquavīva, ital. Stadt, s. Acquaviva delle Fonti.

Aquavīva, Claudio, fünfter General des Jesuitenordens, geb. 14. Sept. 1543, trat 25 Jahre alt in den Orden und wurde erst Provinzial in Neapel, 1581 General. Er suchte dem Orden nach außen hin Geltung, nach innen durch planmäßige Erziehung der Ordensglieder sowie durch konsequente Durchführung einer strengen, einheitlichen Regierung Kraft zu verschaffen. Zu diesem Behufe veranlaßte er die Ausarbeitung der «Ratio studiorum Societatis Jesu» (zuerst gedruckt 1592; umgearbeitet Rom 1599) sowie das «Directorium exercitiorum spiritualium» (ebd. 1599). Auch seine «Epistolae XVI» und die «Industriae ad curandos animae morbos» (zuerst Vened. 1606) wurden vielfach aufgelegt. A. starb 31. Jan. 1615 zu Rom. – Vgl. Döllinger und Reusch, Geschichte der Moralstreitigkeiten in der röm.-kath. Kirche (2 Bde., Nördl. 1889).

Äquer (Aequi, Aequiculi, Aequiculani), ein altitalisches Gebirgsvolk, östlich von den Latinern. In Verbindung mit den Volskern bekriegten sie über ein Jahrhundert lang Rom, wurden 387 v. Chr. durch Camillus besiegt, aber erst 304 im zweiten Samniterkriege gänzlich unterworfen.

Aquifoliaceen oder Ilicineen, Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Frangulinen (s. d.),

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 776.