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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Archiater - Archilochus

nach einem Gesetze vom J. 89 das röm. Bürgerrecht. Als dies 62 v. Chr. ein gewisser Gratius bestritt, hielt Cicero für den Angeklagten die berühmte "Rede für den Dichter A.". Von seinen Werken, von denen Cicero die epischen Gedichte über den Cimbrischen Krieg unter Marius und über den Krieg gegen Mithridates unter Lucullus rühmt, ist nichts erhalten.

Archiater (grch. archiatros, d. i. Oberarzt), in der röm. Kaiserzeit seit Nero Titel der kaiserl. Leibärzte (archiatri palatini) und der sog. Staatsärzte (archiatri populares). Von den letztern gab es in jeder größern Stadt eine bestimmte, vom Staate besoldete Anzahl, denen die Verpflichtung oblag, Unterricht in der Medizin zu erteilen, die jungen Kandidaten zu prüfen und die Praxis der ausgebildeten Ärzte zu kontrollieren. Unbemittelte Kranke mußten sie unentgeltlich behandeln. Aus A. ist das deutsche Wort Arzt entstanden.

Archicembalo (ital., spr. arkitschém-), ein Klavierinstrument mit sechs Manualen, auf dem man alle chromatischen und enharmonischen Abstufungen zwischen den diatonischen Tönen (z. B. cis neben des, dis neben es), somit alle Töne der drei altgriechischen sog. Tongeschlechter darstellen konnte, erfunden und beschrieben von Don Nicola Vicentino 1555. Ein ähnliches Klavier mit allen enharmonischen Tönen, Clavicymbalum perfectum, erwähnt 1618 Mich. Prätorius (s. d.). Diese Versuche sollten die durch die sog. temperierte Stimmung der Klaviere beseitigte reine Stimmung wiederherstellen und kehrten immer wieder. Besonders versuchte man im 19. Jahrh. die beim Harmonium oft störenden Nebentöne durch reine Stimmung zu beseitigen, daher die von Helmholtz, G. Engel, in allerjüngster Zeit vom Japaner Shohé Tanaka konstruierten Harmonien in reiner Stimmung. (S. Adiaphon.)

Archidamus, Name mehrerer Könige von Sparta. A. II., Enkel des Leotychides, seit 468 König, war ein tüchtiger Herrscher. Als nach dem Erdbeben, das 464 v. Chr. Lakonien verheerte, die Heloten und Messenier sich empörten, rettete er den spartanischen Staat. Doch konnte erst nach neunjährigem Kampfe der Aufruhr völlig bezwungen werden. In ältern Jahren mußte er, trotz seiner Abneigung gegen die Politik der Kriegspartei, 431 die peloponnes. Armee gegen Attika führen, ohne daß die unter seiner Leitung noch wiederholt bis 428 fortgesetzten Verwüstungen des attischen Landes entscheidende Folgen gehabt hätten. - A. III., Enkel des vorigen, Sohn des Königs Agesilaus II., erlangte 358 nach des letztern Tode die Herrschaft. Er war als Feldherr schon vordem, namentlich durch den Sieg über die Arkadier (368) bei Midea und (Juni 362) durch die glänzende Verteidigung von Sparta gegen Epaminondas, bewährt. Seine Versuche, die Macht Spartas zu heben, mißlangen, und bald artete sein kriegerischer Sinn, weil er in nationalen Zwecken keine Befriedigung fand, in ein zweckloses Abenteuern aus. A. focht auf Kreta gegen die Phoker, dann in Diensten von Tarent gegen dessen ital. Gegner, und fiel 2. Aug. 338 in der Schlacht bei Mandurion, im Kampfe gegen die Messapier.

Archidiakonus (grch.), oberster oder Erzdiener, ein kirchlicher Titel, welcher ursprünglich nur den ersten Diakonus (s. d.) an einer bischöfl. Kirche bezeichnete. Die A. wurden aber schon im 5. Jahrh. Vorgesetzte der Diakonen sowie Gehilfen und Vertreter der Bischöfe in der Verwaltung des Kirchenguts und der Diöcesen, und allmählich fielen ihnen trotz des Widerspruchs mehrerer Synoden mehr und mehr bischöfl. Befugnisse zu. Infolge der seit dem 8. Jahrh. nötig gewordenen Einteilung der bischöfl. Bezirke (Diöcesen) in mehrere Sprengel, deren jedem ein A. vorgesetzt wurde (daher Archidiakonate), wurden die A. zu selbständigen Kirchenbeamten mit meistens so gut wie voller bischöfl. Gewalt. Im 11. und 12. Jahrh. standen sie als die einflußreichsten Prälaten auf dem Gipfel ihrer Macht. Dann aber wurde diese namentlich durch die Einsetzung der Offiziale und Generalvikare wieder bedeutend zu Gunsten der Bischöfe eingeschränkt. Im 16. Jahrh. zog das Tridentinische Konzil ihrer Wirksamkeit noch engere Grenzen und vollendete ihre Unterordnung unter die Bischöfe. Im 18. Jahrh. kommen sie nur noch als Würdenträger in Domkapiteln vor. Jetzt ist diese Würde in der röm.-kath. Kirche fast überall erloschen. - In der griech. Kirche gab es seit dem 7. Jahrh. nur einen einzigen A. am Kaiserhofe zu Konstantinopel. In der bischöfl. Kirche Englands sind die A. noch jetzt die Stellvertreter der Bischöfe in der Beaufsichtigung ihrer Sprengel. In der prot. Kirche führen öfter die zweiten Geistlichen an Kirchen mit mehrern Predigern den Titel A.

Archidona (spr. artschi-), Distriktsstadt in der span. Provinz Malaga, an den Abhängen der das Thal des Guadalhorce nördlich überragenden Sierra de Yeguas, 36 km von Bobadilla, an der Linie Bobadilla-Granada der Andalus. Eisenbahnen, hat (1887) 7810 E., große Marmorbrüche und Spuren von Römerbauten. In der Maurenzeit hieß der Ort Arschiduna und gehörte zur Landschaft Rija.

Archidux (lat.), Erzherzog.

Archiereus (grch.), Erzpriester in der griech. Kirche, hat die dritte Weihe empfangen.

Archigonia (grch.), s. Zeugung.

Archiliuto (ital., spr. arki-), eine Laute, der zu den sechs Chören Saiten, die sie bis zum 17. Jahrh. hatte, einige Baßsaiten angefügt sind, also eine Baßlaute. Die A. ist das Mittelglied zwischen Laute (s. d.) und Theorbe (s. d.).

Archilochisch heißen mehrere von Archilochus erfundene Versarten. Vorzugsweise nennt man archilochisch eine aus einer daktylischen Tetrapodie und einem Ithyphallicus zusammengesetzte Reihe mit einer Cäsur nach dem 4. Daktylus:

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Gewöhnlich wurde diese mit einem Verse von iambischem Charakter zu einem Distichon verbunden (zwei solcher zu einer Strophe vereinigt bei Horaz, Carm., 1, 4). Als kleinern archilochischen Vers bezeichnet man den Vers, der verdoppelt den Pentameter ergiebt:

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Archilochus, neben Kallinus der älteste lyrische Dichter der Griechen, geboren auf Paros, blühte um 650 v. Chr. Als Jüngling ging er nach Thasos, wohin sein Vater eine Kolonie von Paros geführt hatte, und führte dann ein vielbewegtes Kriegerleben, fiel auch im Kampfe. Die Alten stellten A. neben Homer. Seine Gedichte waren durch leidenschaftliche Empfindung, durch Mannigfaltigkeit und Vollendung der metrischen Form gleich hervorragend. Seine Gegner geißelte er auf die empfindlichste Weise mit seinen Iamben, so den Lykambes, der ihm seine Tochter Neobule versprochen, aber nicht Wort gehalten hatte. Vater und Tochter, wird erzählt, hätten, um dem Spotte zu entgehen, sich erhängt. In Griechenland waren die Dichter der alten Komödie, unter den Römern Horaz in den Epoden seine Nach-^[folgende Seite]