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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arcis-sur-Aube; Arcis sur Aube; Arco; Arcŏle

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Arcis-sur-Aube - Arcole

wachung des Kaisers, der kaiserl. Familie sowie zur Begleitung bei feierlichen Gelegenheiten bestimmt. Ihre Garden bestehen aus Oberoffizieren, deren Chargen aus Stabsoffizieren und Generalen. Die A. teilt diesen Dienst mit der ungar. Leibgarde.

Über den Namen Arcieren s. Archers.

Arcis-sur-Aube (spr. arßih ßür ohb). 1) Arrondissement im franz. Depart. Aube, hat 1288,15 qkm, (1891) 29953 E., 93 Gemeinden und zerfällt in die 4 Kantone A. (360,02 qkm, 22 Gemeinden, 8830 E.), Chavanges (178 qkm, 17 Gemeinden, 4175 E.), Méry-sur-Seine (379,18 qkm, 26 Gemeinden, 10559 E.), Ramerupt (370,95 qkm, 28 Gemeinden, 6389 E.). – 2) Hauptstadt des Arrondissements A., an der hier schiffbar werdenden Aube und der Linie Chalons-sur-Marne-Sens der Ostbahn, hat (1891) 2821, als Gemeinde 2841 E.; Seiden- und Baumwollspinnerei, Baumwollweberei, Strumpfwirkerei und Getreidehandel. A., Geburtsort Dantons, dem 1886 hier ein Denkmal errichtet wurde, ist bekannt durch die unentschiedene Schlacht zwischen Napoleon Ⅰ. und den Verbündeten unter Schwarzenberg, 20. und 21. März 1814, nach der mit zeitweiliger Behauptung von A. und Torcy der Rückzug durch Oudinot gedeckt wurde.

Arco, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Riva in Tirol, 5 km nördlich von Riva, in 91 m Höhe, an der Sarca und am Fuße eines mit Ölbäumen bewachsenen Kalkberges, ist Station der Bahn Mori-A.-Riva, hat (1890) 2384, als Gemeinde 3782 E., Bezirksgericht (5 Ortsgemeinden, 24 Ortschaften, 11109 ital. E.), Pfarrkirche mit Kuppeln und Marmoraltären, neues Schloß des Erzherzogs Albrecht mit sehenswertem Wintergarten, neues Kurhaus, neues Offiziers-Kurhaus, Klöster der Kapuziner, Franziskaner und Servitinnen, letzteres mit einer Erziehungsanstalt für Mädchen, Fachschule für Holzindustrie; Olivenholzindustrie, Seidenzucht, Obst-, Wein- und Ölbau, Steinbrüche, Steinröhrenfabrikation. Seit 1892 besteht in A. elektrische Beleuchtung. A. ist wegen seiner geschützten Lage und seines milden Klimas (Minimum im Januar +2,2° C.) vielbesuchter Winterkurort. Nördlich auf steilem, 126 m hohem Fels das im Spanischen Erbfolgekriege von den Franzosen zerstörte Schloß A., das ohne Zweifel röm. Ursprungs ist und urkundlich erst im 12. Jahrh. genannt wird. – Vgl. Schreiber, A. am Gardasee als klimatischer Winterkurort (Wien 1879); Kottowitz, Der klimatische Winterkurort A. in Südtirol (2. Aufl., ebd. 1887); Ramdohr, A. und die Riviera als Winterstation für Lungenkranke (Lpz. 1886); Kuntze, A. in Südtirol (3. Aufl., Arco 1894); Noé, A. und Umgebung (Salzb. 1890).

Arco, Geschlecht deutscher Abkunft, benannt nach dem Schlosse A. (s. Arco, Stadt), aber nicht ein Zweig der bayr. Grafen von Bogen, erscheint zuerst unter Kaiser Lothar Ⅱ. Vinciguerra von A. ward 1413 in den Reichsgrafenstand erhoben. – Gegenwärtig blüht das Geschlecht der Grafen von A. hauptsächlich in der bayr. Linie, eine zweite Linie ist in Schlesien vertreten, am schwächsten eine dritte in Mantua. Ein Graf Nikolaus von A., geb. 1479, gest. 1546, anfangs Soldat, machte sich später litterarisch, besonders als lat. Dichter bekannt. Seine Poesien sind u. d. T. «Nicolai Archii comitis numeri» (Mantua 1546; Verona 1762) im Druck erschienen. Graf Johann Baptist von A. (s. d.) zeichnete sich in bayr. Kriegsdiensten aus. Der Tiroler Linie gehörte der als nationalökonomischer Schriftsteller bekannte Graf Johann Baptist Gerard von A. (geb. 1739, gest. 1791) an, dessen Werke zu Cremona (4 Bde., 1785) gesammelt erschienen. ^[Spaltenwechsel]

Arco, Carlo d’, ital. Kunsthistoriker, geb. 8. Sept. 1799 zu Mantua, gest. 26. Jan. 1872 als Podestà daselbst, aus der mantuanischen Nebenlinie der bayr. Grafenfamilie A., widmete sich zu Mailand und Rom der Malerei, dann kunstgeschichtlichen Studien, deren erste Frucht eine umfassende, auf urkundlichen Forschungen ruhende Biographie Giulio Romanos (Mantua 1838, mit 60 Kupfern; 2. Aufl. 1843) ward. Verdienstlicher noch ist «Delle arti e degli artifici di Mantova» (2 Bde., 1857‒59). Ferner veröffentlichte A.: «Della economia politica del municipio di Mantova a’tempi in cui si reggeva a republica» (1842; 2. Aufl. 1846), «Studij intorno al municipio di Mantova» (3 Bde., 1871‒72) und eine Reihe Dokumente zur Geschichte Mantuas («Chronicon Mantuanum 1095‒1299» u. s. w.).

Arco, Joh. Bapt., Graf von, bayr. General, wird zuerst beim Entsatze von Wien 1683 und in den folgenden Kämpfen gegen die Türken genannt. A. nahm teil am Reichskriege gegen Ludwig ⅩⅣ., wurde 1694 zum Oberbefehlshaber aller bayr. Truppen und 1696 zum Präsidenten des Hofkriegsrates ernannt, jedoch bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges wieder abberufen. Während der Kurfürst sich im östl. Bayern der Reichstruppen zu erwehren suchte, führte A. das Kommando in Schwaben und beabsichtigte in dem festen Lager bei Donauwörth den von dem Rhein herbeieilenden Franzosen die Hand zu bieten, wurde aber 1704 am Schellenberge bei Donauwörth von Marlborough und dem Markgrafen von Baden geschlagen. In der Schlacht von Höchstädt leistete er den Angriffen des Prinzen Eugen auf dem linken Flügel der Aufstellung den tapfersten Widerstand, folgte aber dann seinem Herrn nach den Niederlanden. Nachdem er auch noch Anteil an der Schlacht von Ramillies genommen, kehrte er nach Bayern zurück und starb 1715 in München.

Arcŏle, Dorf im Distrikt San Bonifacio der ital. Provinz Verona, am Alpon, einem linken Nebenflusse der Etsch, 24 km südöstlich von Verona, hat (1881) 1660 E. und ist berühmt durch die Schlacht Bonapartes gegen die Österreicher vom 15. bis 17. Nov. 1796. Ein österr. Heer, 48000 Mann stark, rückte unter Feldzeugmeister Alvinczy in zwei getrennten Kolonnen von Tirol nach Italien zum Entsatze von Mantua; die Hauptkolonne, 29000 Mann, durch das Friaul gegen die untere Etsch, die Nebenkolonne unter Davidovich gegen die bis Trient vorgedrungene Division Vaubois; bei Verona sollten sich beide vereinigen und dann gegen Mantua vordringen. Bonapartes Armee war nur 43000 Mann stark; davon hatte er, weil Mantua blockiert werden mußte und Vaubois in Tirol stand, nur die Divisionen Augereau und Masséna, etwa 18000 Mann, zur Stelle. Diese vereinigte er bei Verona, war aber in den ersten Gefechten gegen die Hauptkolonne zu Anfang November nicht glücklich und in übler Lage. Er überschritt 15. Nov. unbemerkt bei Ronco die Etsch; die Division Augereau rückte durch das sumpfige Terrain auf dem Damme gegen die Brücke, die bei A. über den Alpon führt, Masséna etwas später zur Deckung dieser Bewegung auf dem andern Damme an der Etsch aufwärts. A. war aber besetzt und Augereaus Angriff auf die Brücke wurde abge-^[folgende Seite]