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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arlbergbahn; Arlecchinetta; Arlecchino; Ärlenbach; Arler; Arles

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Arlbergbahn - Arles

steigt dem Flusse nach, an mehrern Orten durch Schutzbauten vor Lawinen gedeckt, über Braz (704 m), Dalaas (931 m), Klösterle (1057 m) und Stuben (1418 m) zu der öden unwirtlichen Paßhöhe (1797 m) zwischen dem Schindlerspitz (2640 m) und dem Peischelkopf (2409 m) hinauf. Etwa 0,5 km jenseit derselben liegt in düsterer Umgebung 1781 m ü. d. M. das ehemalige St. Christophshospiz (mit Kapelle und Wirtshaus), 1386 samt der dazu gehörigen St. Christophsbruderschaft zur Rettung verirrter und verunglückter Reisender von dem Hirten Heinrich Findelkind gestiftet. Vom Hospiz senkt sich die Straße stark bergab nach St. Anton (1302 m), dem obersten Dorfe des Stanzerthals, und erreicht durch dieses Thal, der Rosanna und später der Sanna folgend, Landeck (813 m) am Inn, wo sie in die Innthalstraße einmündet. Von Bludenz bis zur Paßhöhe beträgt die Distanz 43 km, von dieser bis Landeck 33 km. - Die Arlbergbahn, eine österr. Staatsbahn (136,5 km), unter der Betriebsdirektion in Innsbruck, führt von Innsbruck über Landeck (eröffnet 1. Juli 1883) nach Bludenz (6. Sept. 1884). Zwischen St. Anton und Langen 10,25 km langer Tunnel, dessen Durchstich 3½ Jahre währte; er ist zweigleisig (die Bahn ist sonst nur eingleisig) und kostete 16 Mill. Fl. Der Ostausgang des Tunnels ist 1302 m, der Westausgang 1215 m, der höchste Punkt im Innern 1311 m hoch (486 m unter dem Arlbergpaß) gelegen. Die Temperatur im Innern beträgt 15-18° C., die Durchfahrt dauert 20-25 Minuten. In Bludenz schließt die gleichfalls dem österr. Staate gehörende Vorarlberger Bahn von Bludenz über Feldkirch nach Lindau (67,8 km, 24. Okt. 1872 eröffnet) an, mit Zweigbahn Feldkirch-Buchs (18,5 km) und Lautrach-St. Magarethen (9,6 km), zusammen 95,9 km. - Vgl. Koch von Berneck, Die Arlbergbahn (4. Aufl., Zür. 1890); Schweiger-Lerchenfeld, Die Arlbergbahn u. s. w. (Wien 1891).

Arlbergbahn, s. Arlberg.

Arlecchinetta (spr. -ekki-), komische Figur in der ital. Stegreifkomödie, s. Colombina.

Arlecchino (spr. -ekkihno, frz. Arlequin), eine der komischen Masken im national-ital. Stegreifspiele, der Commedia dell' arte (s. d.). Der annehmbarste der zahlreichen Herleitungsversuche des Namens ist derjenige, der ihn mit dem alten franz. hellequin (Höllenspuk, besonders wilder Jäger) in Verbindung bringt. A. erscheint in knappanliegender Tracht, die aus Tuchläppchen aller Farben zusammengestickt ist, mit kurzgeschnittenem Haar, oft mit einer schwarzen Halblarve, leicht beschuht, ein hölzernes Schwert im Gürtel. Die Herkunft dieser wie anderer volkstümlicher Masken aus den altröm. Mimen oder Atellanen (s. d.) ist sehr zweifelhaft. A. stammt aus Bergamo, dessen Mundart er in der ältern Zeit spricht, und gehört zu den Zanni, d. i. den possenhaften Bedientenrollen; gewöhnlich ist er einfältig, zuweilen dummpfiffig und boshaft gegen die beiden andern Typen der Commedia dell' arte, Pantalone und Dottore. Mit dem ital. Lustspiel kam der A. um 1579 nach Frankreich, wo er bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrh. im Ballett fortlebte; ebenso verdrängte er als Harlekin Ende des 17. in Deutschland den Hanswurst (s. d.). In Italien (s. Bertinazzi) ist er noch vorhanden, besonders im Marionettentheater.

Manteau d'Arlequin heißt auf den Theatern die gemalte Draperie, die, dicht hinter dem Vorhange, den ganzen Bühnenraum umschließt. Vielleicht bezeichnete dieser Name ursprünglich den Ort, wo sich im alten Mysterium der Höllenrachen befand und der hellequin erschien. - Vgl. Wesselofsky im "Giornale storico della Lett. Ital." XI.

Ärlenbach, s. Aare.

Arler, Steinmetzenfamilie, s. Parler.

Arles (spr. arl). 1) Arrondissement im franz. Depart. Bouches-du-Rhône in der Provence, hat 2277,48 qkm, (1891) 81 413 E., 32 Gemeinden und zerfällt in die 8 Kantone: Arles-Est (15 586 E.), Arles-Ouest (11 293 E.), Châteaurenard (143,37 qkm, 15 814 E.), Eyguières (171,43 qkm, 6756 E.), Orgon (178,68 qm, 9320 E.), Saintes Maries (375,91 qkm, 1025 E.), St. Remy (209,90 qkm, 11 012 E.), Tarascon (128,52 qkm, 10 607 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements A., links des östl. Hauptarms der sich hier teilenden Rhône, 45 km von deren Mündung ins Meer und an den Linien Paris-Lyon-Marseille-Nizza, A.-Lunel (45 km), A.-St. Louis du Rhône (41 km) und der Zweiglinie A.-Fontvieille-Salon (46 km) der Franz. Mittelmeerbahn, in reizender Umgebung zwischen Gärten und Wiesen gelegen, hat (1891) 13 377, als Gemeinde 24 288 E., ein Collège, ein Handelsgericht, eine hydrogr. Schule, eine öffentliche Bibliothek, ein naturhistorisches und ein reichhaltiges Antiquitätenkabinett. A. ist eine der ältesten Städte Frankreichs, deren Glanz noch eine Menge wohlerhaltener Denkmäler bekunden. Unter diesen sind bemerkenswert: das Amphitheater (les Arènes) von 140 m Länge und 103 m Breite mit doppelter Bogenstellung, 1846 restauriert, jetzt Schauplatz für Stierkämpfe; die Reste eines Theaters, zu denen der sog. Rolandsturm gehört; es hatte 102 m Breite und faßte 16 000 Zuschauer; vorhanden davon sind noch ein Seitenthor, fünf Bogen, zwei korinth. Säulen, Proscenium, Orchester und die ersten Kreisstufen; unbedeutende Reste des Palastes Konstantins d. Gr., jetzt Le Château de la Trouille genannt; der 1389 aufgefundene und seit 1676 vor dem Stadthause aufgestellte Obelisk aus Granit (15,28 m); Ruinen zweier Tempel, eines Triumphbogens und vieler Grabmäler; ferner im O. der Stadt ein schon von den Römern benutzter Begräbnisplatz, die Elyseischen Felder (oder Alyscamps), woselbst viele altchristl. Sarkophage aufgefunden worden sind u. s. w. Er wurde 1847 beim Bau der Mittelmeerbahn und eines Kanals aufgefunden. (Vgl. E. Le Blant, Études sur les sarcophages chrétiens de la ville d'Arles, Par. 1878.) Das Theater ist der Fundort ausgezeichneter Statuen, darunter der "Venus von A.", die 1683 in das Louvre zu Paris kam. Die St. Trophime-Kathedrale zeigt ein herrliches Portal in altroman. Stil des 12. Jahrh.; das dazugehörige Kloster hat einen höchst bemerkenswerten Kreuzgang mit vier Galerien, die alle Arten des Rund- und Spitzdogenstils aufweisen; das Stadthaus wurde von Mansard erbaut. Die alte Annenkirche dient als Altertumsmuseum (Musée lapidaire). Ferner bestehen hier Schiffbauanstalten, große Maschinenbau- und Reparaturwerkstätten der Eisenbahn (1200 Arbeiter), Fabrikation von Eisenbahnwagen, Seidenwaren, Hüten und Tabak, sowie lebhafter Handel mit Wein, Getreide, Vieh, berühmten Würsten, Früchten und Öl. Zur Austrocknung der ungesunden Sümpfe und zur Beseitigung der vielen Hindernisse für die Schiffahrt auf der Rhône ist ein 47 km langer, 60 m breiter und 7-9 m tiefer Kanal (Kanal von A.) bis zur Südküste nach Bouc geführt worden. Über die