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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Arverner - Arzneimittel

zwischen Genf und Chamonix, auf der rechten Thalseite, Bonneville, das große Dorf Contamine mit den Ruinen des Bergschlosses Faucigny und schon auf Genfer Gebiet das Städtchen Carouge. Durch das Thal der A. zieht sich die 84 km lange Poststraße von Genf nach Chamonix über Annemasse, Bonneville, Cluses, Sallanches und durch den Tunnel von Châtelard.

Arverner, s. Auvergne.

Arveyron, Arveron (spr. aweróng), linker Nebenfluß der Arve im franz. Depart. Hochsavoyen, entspringt 1125 m hoch als Abfluß des Mer de Glace von Chamonix (s. d.), dessen unterer Teil «Glacier des Bois» heißt. Den Namen A. führen noch zwei kürzere Nebenflüsse der Arve, die zur Unterscheidung von dem obigen nach den Gletschern, wo sie entstehen, A. d’Argentière und A. du Tour benannt sind.

Arwidsson, Adolf Ivar, schwed. Schriftsteller, geb. 7. Aug. 1791 zu Padasjoki in Finland, wo sein Vater Propst war, studierte in Åbo und trat daselbst 1817 als Docent der Geschichte auf, begründete 1821 das «Åbo Morgonblad», das die russ. Regierung bald verbot. Wegen eines Zeitungsaufsatzes 1822 von der Universität verwiesen, wurde er bei der königl. Bibliothek in Stockholm angestellt, 1843 deren Direktor. Auf einer Reise nach Finland starb er 21. Juni 1858 zu Wiborg. Außer vielen Zeitschriftenaufsätzen und Übersetzungen veröffentlichte A. die Gedichte «Ungdoms Rimfrost» (Stockh. 1832); ferner aus der Sammlung des Kammerjunkers Rääf eine treffliche Auswahl altschwed. Volkslieder («Svenska Fornsånger», 3 Bde., ebd. l834‒42), die die von Afzelius und Geijer ergänzt; «Svenska Konungar och deras Tidevarf» (mit Porträts, ebd. 1830‒43; neue Aufl. 1855 fg.); «Stockholm förr och nu» (anonym, ebd. 1837‒40) u. a. m. Als Dichter ist er unbedeutend.

Aryabhata, berühmter ind. Astronom und Mathematiker, geb. 476 n. Chr. zu Pataliputra. Sein Werk, das «Aryabhatīyam», ist herausgegeben von H. Kern (Leid. 1874); der dritte Abschnitt, der die Mathematik behandelt, wurde übersetzt von L. Rodet, «Journal Asiatique», Serie 7, Tl. ⅩⅢ (1879). A. lehrte bereits die Umdrehung der Erde um ihre eigene Achse und muß als Begründer der ind. Astronomie angesehen werden.

Arys, Stadt im Kreis Johannisburg des preuß. Reg.-Bez. Gumbinnen, am Arys, der den Aryssee (10 km lang, 4 km breit) mit dem Spirdingsee verbindet, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Lyck), hat (1890) 1324 poln. E., darunter 22 Israeliten, Post, Telegraph; Weberei, Landwirtschaft und in der Nähe einen Truppenübungsplatz.

Arzberg, Stadt im Bezirksamt Wunsiedel des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, 5 km von der böhm. Grenze und 15 km von Eger, in 432 m Höhe an der zur Eger gehenden Röslau und der Linie Kirchenlaibach-Eger (57,76 km) der Bayr. Staatsbahnen, hat (1890) 2164 E., darunter 145 Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Krankenhaus und Sparkasse; Eisen-, Syenit- und Basaltgruben, Steinschleifereien, Kalköfen, Alaunwerke, Porzellanfabriken und -Malereien und Bierbrauereien. A. ist Geburtsort des Geodäten Max von Bauernfeind und war 1792‒98 Aufenthaltsort Alexander von Humboldts. In der Nähe die Baumwollspinnerei Elisenfels.

Arzeu, Arzew, Stadt im Depart. Oran in Algerien, an der Westküste des Golfs von A., hat (1891) 5127 E., guten Hafen und ist wichtig als Ausfuhrhafen von Halfagras und Salzen aus dem in der Nähe liegenden Melahsee, der jährlich 2 Mill. Tonnen Salze liefert.

Arzignano (spr. -injahno), Distriktsstadt in der ital. Provinz Vicenza, auf den südl. Vorbergen der Lessinischen Alpen, links vom Flüßchen Chiampo, mit Dampftrambahn nach Vicenza (16 km) und Recoaro, hat (1881) 4055, als Gemeinde 8620 E., ein altes Schloß, Seidenspinnerei, Tuchweberei, Färberei, Handel mit Wein und einen Sauerbrunnen.

Arzneibuch für das Deutsche Reich ist der Titel der 1890 erschienenen 3. Ausgabe der Deutschen Pharmakopöe. Die beiden ersten Ausgaben (1872 und 1882) waren noch u. d. T. «Pharmacopoea Germanica» erschienen (s. Pharmakopöe).

Arzneikapseln, Capsulae. Nach der 3. Ausgabe des Deutschen Arzneibuches sind die für pharmaceutische Zwecke gebrauchten Kapseln, entweder Stärkemehl- (Oblaten-) oder Leim- (Gelatine-)Kapseln. Man nimmt Arzneimittel in Kapseln zur Verdeckung des Geschmacks u. s. w. Die Herstellung der gefüllten A. erfolgt zum Teil im kleinen Maßstabe in den Apotheken oder fabrikmäßig im großen. Bekanntere A. sind z. B. Kreosot-, Kopaivabalsam-, Ricinus-, Farnextraktkapseln u. a.

Arzneikunde, s. Medizin.

Arzneimittel (Medicamenta) heißen diejenigen meist chemisch wirkenden Stoffe, welche zum Zwecke der Heilung von Krankheiten innerlich oder äußerlich angewendet werden; sie bilden somit eine Klasse der Heilmittel (s. d.). Die A. sind teils anorganische, teils pflanzliche oder tierische Stoffe und machen keineswegs eine natürlich abgegrenzte oder an gemeinsamen Eigenschaften erkennbare Gruppe aus; vielmehr kann nur die Erfahrung, der physiol. Versuch, die Physik, und chem. Untersuchung darüber belehren, ob ein Stoff als A. brauchbar ist oder nicht. Die naive Naturanschauung früherer Zeiten meinte wohl, die A. hätten in der Welt keinen weitern Zweck als den der Heilung, und es müsse für jede Krankheit ein bestimmtes A. in der Natur vorhanden oder ein bestimmtes Kraut gewachsen sein. Nach den spätern Erfahrungen hat man diese Ansicht von der speciellen Wirkung der A. fast vollständig aufgeben müssen; jetzt sieht der Naturforscher in den A. nichts weiter als Stoffe, die neben allen ihren sonstigen Eigenschaften auch solche haben, die zur Bekämpfung einer Krankheit benutzt werden können, Eigenschaften, die lediglich physikalische oder chemische sind und deren Wirkungen durchaus nur nach den allgemeinen Naturgesetzen erfolgen.

Die Kenntnis der Physik, und chem. Eigenschaften der Arzneien und die Zurückführung ihrer therapeutischen Wirkungen auf bekannte Naturkräfte, sowie ihre Einordnung in bekannte Naturgesetze ist die eine notwendige Bedingung einer wirklich exakten und wissenschaftlichen Arzneimittellehre oder Pharmakologie. Die andere Bedingung aber ist eine genaue Untersuchung des Baues und der physik. und chem. Beschaffenheit des Organismus in allen seinen Teilen und gesunden oder krankhaften Zuständen; denn die Arzneiwirkungen sind nichts weiter als Veränderungen jener Physik, und chem. Beschaffenheit und weiterhin auch des feinern Baues der verschiedenen Organe. Daher ist eine genaue Kenntnis der Anatomie, Physiologie und Pathologie einerseits, der Physik und Chemie andererseits nötig, um die Wirkungen eines A. zu verstehen, sie im gegebenen Falle berechnen und