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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Asien (Mineralien. Gewässer. Klima, Pflanzen- und Tierwelt)

zusammengewehte Detritusmassen, sowie Kies und Sand. (S. Centralasien.) Das nordsibir. Gebirge ist paläozoisch, doch mit starken Mengen jüngerer Eruptivgesteine an der untern Tunguska. Auch mesozoische Gebilde kommen vor, wie in China, wo dasselbe zwischen die ältern Gebirgsgerüste gebreitet ist. Hier tritt Quartär im Tiefland der Flüsse hinzu. Hinterindien s. oben (Bodengestaltung). Vorderindien ist im O. und S. archäisch, im NW. und N. quartär (Ganges, Indusebenen), im W. zwischen 23 und 35° mit einer riesigen Basaltdecke übergossen. Mesozoische Ablagerungen nehmen auch an dem Aufbau der Gebirge Himalaja, Thian-schan und Karakorum teil. Gegen Westen werden sie häufiger. Der größte Teil der Iranischen Hochebene scheint daraus zu bestehen, wird aber von quartären Gebilden verdeckt. Tertiär nimmt die Mitte von Kleinasien, die südl. Ränder des Iranischen Hochlandes, Teile von Syrien, Oman in Arabien und die Ust-Urt-Platte zwischen Kaspischem und Aralsee ein. Das übrige Syrien ist eine mesozoische Tafel, mit vulkanischen Durchbrüchen, Arabien im N. ebenfalls, im W. archäisch mit starken Eruptivgesteinsdecken, im übrigen von Wüstensand und Kies überzogen, wie Centralasien. Der Kaukasus ist ein mesozoisches Gebirge mit archäischer Centralachse und vulkanischen Kegeln, der Ural ein archäisch-paläozoisches. Die Kirgisensteppe ist quartär, Nordwestsibirien mesozoisch, ebenso Teile von Nordsibirien. Kleinasien bietet sehr große Mannigfaltigkeit, fast alle Formationen sind daselbst vertreten.

An Mineralien schließt der asiat. Boden in sich: die Diamanten Indiens und des Urals, das Gold Chinas, Hinterindiens und der verschiedenen Inselgruppen des östl. Archipelagus, des Altai, des Kuen-lun und Ural, den Silber- und Kupferreichtum des russischen und türkischen A.s, Eisenminen in fast allen Himmelsstrichen und einen allgemein verbreiteten Reichtum der verschiedensten Nutzmineralien, wie das auf Banka und Billiton im Nordosten von Sumatra häufige Zinn. Die Diamantenfundorte liegen im östl. Vorderindien, südlich des Ganges, ferner auch bei Baganapalli südlich des Krischna. Silber und Rubinen liefert Birma, Gold und Diamanten Borneo, Kohlenfelder bilden einen großen Teil Chinas, von riesiger Ausdehnung. Steinsalz findet sich ebendaselbst, namentlich in Jün-nan und Sze-tschwan und in Kaukasien. Naphtha liefert die Umgebung des Kaspischen Meers.

Gewässer. Sehr verschieden sind die hydrogr. Verhältnisse. Die Eigenart des Wüstengürtels der Alten Welt zieht auch in hydrogr. Rücksicht in die asiat. Tief- und Hochsteppen ein, und zwar in größerm Maße als irgendwo. Die tiefe Steppensenke Turans enthält die größten Steppenseen der Erde, den Kaspischen und Aralsee, den erstern mit einer Oberfläche von 438 690, letztern von 67 770 qkm, dieser durch den Syr-darja (Iaxartes) und Amu-darja (Oxus), jener durch Emba, Ural, Wolga, Terek und Kura gespeist. Nur ein Steppensee von Bedeutung, der Hamun mit dem Hilmend, bewässert die Scheitelfläche des hohen Iran, dagegen finden sich in Armenien der Wan-, in Aserbeidschan der Urmia-, in Kleinasien zahlreiche Steppenseen, in Palästina See Tiberias und Totes Meer. Der Balchaschsee mit dem Ili, der Ala-kul und der Saisan liegen vor, der Issyk, Baikalsee in dem Thian-schan-Gebirge, der Lob-nor, Kuku-nor, Tengri-nor in Centralasien. Charakteristisch für A. ist der Besitz großer Doppelströme oder mehrerer mächtiger Flüsse, die eine Quellgegend und eine Mündungsgegend haben und gleiche Verhältnisse ihres Laufs entwickeln. Unter solchen Geschwisterströmen stehen obenan: Euphrat und Tigris, Ganges und Brahmaputra, die Riesenströme Jang-tse-kiang und Hoang-Ho, der Indus und Satladsch mit Nebenflüssen, welche das sog. Pandschab oder Fünfflußgebiet bilden. Ein und demselben Systeme gehören an: die sibir. Ströme Ob mit Irtysch, Tobol und Ischim, Jenissei mit oberer und unterer Tunguska und dem Baikalsee, Lena, Indigirka und Kolyma; die hinterind. Gewässer Me-kong oder Kambodschafluß, Me-nam, Saluen und Irawadi; in der Mandschurei der Amur mit Schilka, Argun, Sungari und Ussuri; die vorderind. Flüsse Mahanadi, Godawari, Kistna (Krischna), Kaweri-Tapti und Narbada, endlich die kleinasiat. Ströme Kisil-Irmak, Sakaria, Susurlu, Menderes (Mäander), Seihan, Dschihan. (S. auch die Karten: China, Japan, Malaiischer Archipel, Ostindien I und II und Sibirien I, II und III.)

Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Die gewaltige Häufung von Landmassen bewirkt, daß das Klima ausgeprägt kontinentalen Charakter trägt. Dann ist das Bestehen einer Hochgebirgszone inmitten A.s von großer Wichtigkeit, da dadurch eine stärkere Scheidung des N. und S. eintritt, als es schon an und für sich den Breitenunterschieden nach zu erwarten war. A. greift mit seinen Nordspitzen weit in die Polarregion ein, dagegen erreicht des Kontinents Südende fast den Äquator. Es besitzt also auch den reichsten Wechsel der Klimagürtel, von den eiserstarrten sibir. Küsten bis zu den Palmen- und Bananengegenden der Tropenzone Indiens. Der kontinentale Einfluß äußert sich im Vergleich mit Amerika in größern Gegensätzen, insofern die Klimagürtel in A. eine noch 4-7,5° niedrigere Winter- und 2,5-4° höhere Sommertemperatur aufweisen; es erscheinen mithin größere Temperaturunterschiede in sich für diesen Erdteil eigentümlich. In A. ist der eigentliche tropische Klimagürtel nur auf die südlichsten Küstengegenden und Tiefländer beschränkt; denn die umfangreichen bedeutendern Erhebungen ziehen einen großen Teil der Tropenzone schon in das kühlere Klima der immergrünen Bäume und der Savannen und lassen schon in sehr südl. Breiten den Niederschlag in veränderlicher Form auftreten. Wenn die gemäßigte Klimazone durchschnittlich schon mit 30° nördl. Br. beginnt, also mit dem Parallel von Nordafrika, Texas und Florida, so dehnt sie sich aber auch fast bis zu den Nordgestaden des Polarmeers aus, da, wenn auch auf kurze Zeit, die Sommertemperaturen verhältnismäßig hoch sind. Die Jahresisotherme von 0° schneidet A. schon in 50° im O., 55° im W. Ganz Sibirien, mit Ausnahme des äußersten Südens, sowie das nördl. Amurland hat daher ein kaltes Klima. Dies steigert sich sogar derart, daß der Nordosten, Werchojansk (68° N.), eine mittlere Jahrestemperatur von -17° hat, eine Temperatur, die in Nordamerika erst unter 75° erreicht wird. Dies ist auf den Einfluß der großen Landmasse zurückzuführen, die sich im Winter acht Monate lang stark abkühlt. Gegen S. nimmt die Wärme rasch zu. Die Isotherme von +20° zieht nördlich von Kanton und Lhassa an Herat, Teheran vorbei. Die wärmsten Gegenden A.s sind Südost- und Mittelindien, sowie Ceylon, mit 28° mittlerer Jahrestemperatur.

A. ist nicht regenreich. Nur der äußerste Süden erhält starke Tropenregen, die Westseite Vorder-^[folgende Seite]