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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Asien (Entdeckungsgeschichte)

Rolle. Mit der Gründung der griech. Kolonien in Kleinasien erweitert sich der Horizont der Hellenen, und Milet wird die Wiege der Geographie; denn in dieser blühenden Handelsstadt strömten alle Nachrichten von den fernen Ländern zusammen. Anaxagoras wagte bereits im 6. Jahrh. v. Chr. eine Weltkarte zu entwerfen, und Hekatäus von Milet (549-486) zählt nicht bloß alle Völker und Provinzen auf, die dem Großkönig von Persien unterthan sind, sondern nennt auch zuerst unter den Griechen das ferne Indien. Einen mächtigen Aufschwung gewann die Kenntnis A.s durch die Perserkriege, die den Blick der Griechen naturgemäß auf die asiat. Länder richten mußten. Was diese große Zeit in Erfahrung gebracht hatte, spiegelt sich in den Büchern Herodots von Halikarnaß (484-408) wider, der selbst Kleinasien, Phönizien, Syrien, Babylonien und Medien bis Ekbatana bereiste, das Kaspische Meer als Binnensee kennt und die Inder als die östlichsten Menschen auf der Erde bezeichnet. Ktesias aus Knidos in Karien, Leibarzt des Königs Artarerxes Mnemon, um 400, beschrieb zuerst das Wunderland Indien ausführlich. Die bedeutendste Erweiterung der Kenntnis von A. brachten aber die Feldzüge Alexanders d. Gr., der bis über den Oxus und Indus mit seinem Heere vordrang. Nearch, der auch zuerst die Seide erwähnt, befuhr auf Befehl Alexanders vom Indus aus die südl. Küsten A.s bis zum Euphrat. Onesikritus nannte zuerst die Insel Taprobane (Ceylon), und Seleucus drang bis an den Ganges vor. Alles, was die Griechen über das nach Osten sich ins Unbegrenzte ausdehnende asiat. Festland in Erfahrung gebracht hatten, hat Strabo (66 v. Chr. bis 24 n. Chr.) in seiner Erdbeschreibung (Buch 11-16) niedergelegt. Mit Indien hatten bereits die Ptolemäer in Ägypten überseeische Handelsverbindungen angeknüpft. Ein zwischen 70 und 75 n. Chr. verfaßter Periplus des Erythräischen Meers (Beschreibung der Küsten und Häfen des Indischen Oceans) kennt die Westküste Indiens genau. Die Fahrten übers Meer wurden schneller und sicherer, seitdem Hippalos sich aufs hohe Meer wagte und mit Benutzung des Monsuns geraden Weges vom Golf von Aden nach Indien steuerte. Von Indien aus wagte sich dann der griech. Schiffer Alexandros noch weiter nach Osten, über die Mündungen des Ganges hinaus bis zum goldenen Chersonesus und zu der Handelsstadt Kattigara, deren Lage man in der Nähe der chines. Grenze auf dem Gebiete von Tongking vermutet. Weiter ist die Schiffahrt der Europäer weder im Altertum noch im Mittelalter gediehen. Aber auch ins Binnenland drangen die Kaufleute weit vor. Der macedon. Großhändler Mäes Titianos schickte, wie Marinus von Tyrus (140-150 n. Chr.) berichtet, seine Agenten von Samarkand aus quer durch Hochasien nach der alten Hauptstadt Chinas Si-ngan-fu. Da nun nach Angaben der Reisenden die Entfernung Chinas von den griech. Geographen zu hoch geschätzt wurde, wurde A. so weit ostwärts ausgedehnt, daß es nach unserer Vorstellung noch die Westhälfte des Großen Oceans zudeckte. Aus der Geographie des Ptolemäus erfährt man genau, wie weit die Kenntnis von A. reichte. Das Kaspische Meer war bekannt, wenn auch in seinen Umrissen verzerrt, aber der Aralsee blieb im Dunkeln und ebenso alles Land nördlich vom Jaxartes (Syr-darja). Ganz Nordasien (Sibirien) blieb unbekannt, und auch von Centralasien, China und Indien hatte man nur unklare oder falsche Vorstellungen, wie aus den Karten des Ptolemäus deutlich zu ersehen ist: die beiden ind. Halbinseln sind nicht wiederzuerkennen. Trotz dieser Irrtümer aber sind die Karten und Ortsbestimmungen dieses letzten großen griech. Geographen so wichtig, weil sie mit dem Erwachen der klassischen Studien im 15. Jahrh. und beim Beginn der portug. Seefahrten zu Grunde gelegt und nach Maßgabe der neuen Forschungen allmählich verbessert wurden. Die Schwierigkeiten, die Angaben des Ptolemäus mit den portug. Küstenaufnahmen in Einklang zu bringen, haben selbst den größten Geographen des 16. Jahrh., G. Mercator, nicht vor dem schweren Irrtum zu bewahren vermocht, daß es drei ind. Halbinseln gebe.

Im ersten Abschnitte des Mittelalters, bis zu den Kreuzzügen, wurde die Kenntnis von A. nicht erweitert, ging vielmehr zurück. Für das orthodoxe Abendland wurde Jerusalem in den Mittelpunkt der Erdscheibe und das Paradies in den äußersten Osten versetzt. Nach der Gründung des Islams bereisten zwar die Araber fast ganz A. und beschrieben die besuchten Länder, aber der Wissenschaft im Abendlande blieb diese Litteratur fremd. Erst mit den Kreuzzügen richtete sich der Blick der abendländ. Christenheit wieder nach A., zunächst allerdings nur nach den im Altertum genau bekannten Ländern von Vorderasien. Eine wirkliche Erweiterung der Kenntnisse trat mit der Gründung des Mongolenreichs ein. Da die Mongolenfürsten sich als die Feinde des Islams erwiesen, so suchten die christl. Fürsten in ihnen und namentlich in dem Priesterkönig Johannes (s. d.) natürliche Verbündete im Kampfe gegen die Sarazenen. Daher wurden Mönche als Sendboten und Glaubensboten in den Orient gesandt, drangen bis zum Hauptort der Mongolen vor und suchten das Reich Kathai (Chatai, Khitai), dessen Identität mit China erst im 17. Jahrh. erkannt wurde. Die Dominikaner wandten sich den aus dem fernen Osten kommenden Türkenzügen entgegen, die Franziskaner zogen durch die Steppen Südrußlands nach Centralasien. Papst Innocenz IV. schickte 1245 den Franziskaner Giov. Piano Carpini durch die Kirgisensteppe nach der mongol. Residenz Karakorum, Ludwig der Heilige entsandte 1253 Wilh. Rubruk. Ihnen folgte 1289 Johann von Montecorvino und begründete die Mission in der Hauptstadt Chinas, Cambalu. In derselben Zeit durchwanderten die venet. Kaufleute Nicolo, Maffio ^[richtig: Maffeo] und Marco Polo von 1271 bis 1295 ganz A. und befuhren das Chinesische und Indische Meer. Während Marco Polo seinen Reisebericht diktierte, entstand aus den Angaben des Armeniers Hayton von Gorigos, spätern Abtes von Poitiers, der dem Nic. Sanconi eine Beschreibung der östl. Länder diktierte, um 1307 die erste neue Geographie von A., welche in der Folgezeit neben den Schilderungen Polos viel zur Verallgemeinerung der neu erworbenen Kenntnisse von Land und Leuten A.s beitrugen. Bald darauf, 1316 oder 1318, ging Odorich von Pordenone in Friaul als Glaubensbote durch Armenien und Persien nach Indien, über die ind. Inseln nach China und kehrte um 1330 durch Tibet nach Venedig zurück. Ihm folgte 1338 der vom Papste Benedikt XII. abgesandte Johann von Marignola. Als aber 1368 die mongol. Dynastie gestürzt wurde, hörten diese Verbindungen mit China auf, doch blieb In-^[folgende Seite]