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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Athen

einer Schanze abgebrochen, bei deren Wegräumung 1835 jedoch in seinen Bruchstücken fast vollständig wieder aufgefunden und durch die Architekten Schaudert und Hansen unter Leitung des Archäologen Ludwig Roß wieder zusammengesetzt. Außerdem begann Cimon südlich neben dem alten, nach den Perserkriegen wiederhergestellten Hekatompedos einen neuen großen, für die Stadtgöttin bestimmten Tempel, dessen Bau aber durch innere und äußere Wirren in den Anfängen unterbrochen wurde. Endlich ließ ein Verwandter Cimons, Peisianar, eine prächtige Halle auf der Agora aufführen. Der berühmte Maler Polygnot schmückte diese Halle mit Gemälden, nach denen sie die bunte (Stoa Poikile) genannt wurde. Auf die gewaltigen Nutz- und Schutzbauten der cimonischen Zeit folgte dann die glänzende Bauthätigkeit des Perikles, die wesentlich auf die Verschönerung der Stadt gerichtet war. Der früheste Bau war das in der Nähe des Theaters im heil. Bezirke des Dionysos errichtete Odeion (Odeum, s. d., schon vor 447 vollendet), ein Holzbau in der Form eines pers. Königszeltes. Dann wendete er seine Aufmerksamkeit ganz besonders auf die Ausschmückung der Akropolis, die jedoch nicht ihren Charakter als Citadelle der Stadt verlor. Zunächst ließ er durch den Architekten Iktinus auf den Fundamenten des von Cimon begonnenen Tempelbaues, aber in veränderter Form, einen neuen, prachtvollen Tempel errichten, den Parthenon (s. d.), und nach dessen Vollendung durch den Architekten Mnesikles mit großem Kostenaufwande (angeblich über 9 Mill. M.) einen neuen prachtvollen Eingang zur Akropolis, die sog. Propyläen (s. d.). Der perikleischen Zeit verdankt endlich ein herrlicher, in der nordwestl. Unterstadt auf einer Erhebung über der Agora, dem Markthügel (kolonos agoraios), gelegener Tempel seine Entstehung, der, weil er im Mittelalter zu einer Kirche des heil. Georg hergerichtet wurde, noch jetzt vortrefflich erhalten ist. Früher pflegte man ihn fälschlich dem Nationalheros Theseus zuzuweisen, weshalb er noch jetzt den Namen Theseion führt, wahrscheinlich aber wurden hier Hephaistos und Athene gemeinsam verehrt. Durch den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges (431 v. Chr.) wurde die bauliche Thätigkeit in A. zwar eingeschränkt, aber doch nicht ganz unterbrochen. Namentlich wurde an Stelle der alten, vermutlich auch nach der pers. Zerstörung notdürftig für den Gottesdienst wieder hergestellten Kapelle des Poseidon Erechtheus ein neuer Bau, das Tempelchen der Athena Nike (s. oben), aufgeführt und mit neuer prächtiger Balustrade umgeben. Der für A. unheilvolle Ausgang des Krieges (404 v. Chr.) führte die Zerstörung eines der bedeutendsten Werke herbei: die Athener wurden durch die siegreichen Spartaner genötigt, die Befestigung des Peiraieus und die langen Mauern zu schleifen. Allein schon 395 zur Zeit des böot.-korinth. Krieges gegen Sparta wurde die Wiederherstellung der für A.s Sicherheit so notwendigen Werke begonnen und durch Conon mit pers. Gelde zu Ende geführt. Ein neuer schwerer Schlag traf A., wie das ganze Griechenland, durch die Schlacht bei Chäronea (338). Aber die einsichtsvolle Finanzverwaltung des Lykurgus (338-326) ermöglichte wieder die Ausführung bedeutender Bauten auf Staatskosten. So wurde jetzt das längst angefangene steinerne Theater (Zuschauerraum, festes Bühnengebäude mit Wandelhalle) vollendet, in der jenseit des Ilisos gelegenen Vorstadt Agrä wurde ein Stadium zur Abhaltung der gymnastischen Wettkämpfe am Feste der Panathenäen eingerichtet, und im Peiraieus durch den Architekten Philon ein großartiges Seezeughaus errichtet. Auch die private Bauthätigkeit steigerte sich in dieser Zeit, wovon namentlich das 335 auf 334 v. Chr. errichtete, südöstlich von der Burg an der alten Tripoden (Dreifuß-) straße gelegene zierliche Lysikratesmonument (s. d.) Zeugnis ablegt.

Als nach dem traurigen Ausgang des Lamischen Krieges (322 v. Chr.) auch A. macedon. Besatzung aufnehmen mußte, hörte die Ausführung von Bauwerken durch den Staat wie durch Privatleute fast ganz auf. Allein der alte Glanz, der noch immer die Stadt umstrahlte, veranlaßte nun auswärtige «hellenistische» Fürsten zur Errichtung von Bauwerken, deren Inschriften den Ruhm ihrer Stifter verkündeten. So ließ der König Ptolemäus II. Philadelphus von Ägypten (284-246) in A. ein Gymnasium errichten, in dem sich auch eine Bibliothek befand, König Eumenes II. (197-159) von Pergamum eine jetzt noch in den Fundamenten erkennbare Säulenhalle (Stoa) westlich neben dem Theater, sein Nachfolger Attalus II. (159-138) eine ausgedehnte Kaufhalle am Ostende des Marktes, die 1860-62 und 1874 ausgegraben wurde. König Antiochus IV. Epiphanes (175-164) von Syrien unternahm die Vollendung des seit der Vertreibung der Pisistratiden unterbrochenen Baues des Olympieions, der jedoch infolge des Todes des Königs nicht zu Ende geführt wurde. Auch die röm. Herrschaft hatte anfangs für A. nichts Drückendes. Als es aber im Kriege der Römer gegen den König Mithridates d. Gr. von Pontus die Partei des letztern ergriffen hatte, wurde die Stadt von Sulla erobert (86 v. Chr.). Die Befestigungen des Peiraieus, das große Seezeughaus und die Reste der langen Mauern wurden von dem Sieger geschleift und seitdem nicht wiederhergestellt. A.s Seemacht verfiel gänzlich, und der Peiraieus sank zu einer unbedeutenden Ortschaft herab. Aus A. selbst schleppte Sulla, außer einigen Weihgeschenken, eine Anzahl Säulen von dem unvollendeten Olympieion fort. Um die Mitte des Jahrhunderts errichtete ein Privatmann, Andronicus, auf einem freien Platze östlich von der Agora ein noch jetzt erhaltenes, vom Volke Turm der Winde genanntes Bauwerk, das man aber richtiger als Horologium des Andronicus bezeichnet.

Auch die Begründer der röm. Monarchie, Julius Cäsar und Angustus, erwiesen sich, trotz mancher polit. Fehler der Athener, freundlich gegen die Stadt. Aus den von jenen gespendeten Gaben weihten die Athener nordöstlich von der Agora ein Festthor der Athena Archegetis. Dem Agrippa, dem großen Minister des Augustus, errichteten die Athener eine Statue, deren gegen 8 m hohes, ziemlich plumpes Piedestal vor den Propyläen noch jetzt vorhanden ist. Noch bei Lebzeiten des Augustus wurde auf der Akropolis östlich vom Parthenon ein der Göttin Roma und dem Augustus geweihter Rundtempel erbaut, in der Kaiserzeit auch ostwärts vom Markt zwischen dem Thor der Athena Archegetis und dem Turm der Winde ein großer von Hallen umsäumter Platz angelegt, der vielleicht als eine Erweiterung des Marktes anzusehen ist. Der größte Wohlthäter A.s aber war der Kaiser Hadrian, unter dessen Regierung die Stadt einen neuen Aufschwung nahm und in reicherm Maße als je vorher durch viele mit Pracht ausgeführte Neubauten verherrlicht wurde. Zunächst vollendete Hadrian den Tempel des olympi-^[folgende Seite]