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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Auersperg; Auerstädt; Auerstedt; Auerswald

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Auersperg (Carlos Wilh., Fürst) - Auerswald (Hans Adolf Erdmann von)

Radics, Anastasius Grün und seine Heimat (Stuttg. 1876); Schatzmayer, Anton Graf von A. Sein Leben und Dichten, Vortrag (2. Aufl., Frankf. 1872); Runz, Die Poesie A. Grüns (Progr., Trautenan 1882).

Auersperg, Carlos Wilh., Fürst, Staatsmann, Bruder des Fürsten Adolf Wilh. Daniel von A., geb. 1. Mai 1814, wurde noch vor vollendetem 13. Jahre das Haupt der fürstl. Linie des Hauses A. Von den öffentlichen Angelegenheiten hielt er sich fern, bis sich in den vierziger Jahren in Böhmen die Opposition gegen das Metternichsche System regte. A. forderte, obwohl er an der ständischen Vertretung festhielt, eine Erweiterung der Rechte des Landtages. Während der folgenden Reaktionsperiode trat er wieder vom öffentlichen Schauplatz ab, bis die Februarverfassung von 1861 in Österreich die konstitutionelle Ära eröffnete. Als Graf Lazansky 1865 die Rechtsbeständigkeit des Reichsrats in Abrede stellte, legte A. nebst seinen liberalen Kollegen sein Mandat für den böhm. Landtag nieder und nahm seine Thätigkeit in letzterm erst nach der Entlassung des Ministeriums Belcredi (7. Febr. 1867) wieder auf. Als Präsident des österr. Herrenhauses unterstützte er die Ausgleichspolitik des Grafen Beust und trat Ende 1867 als Präsident an die Spitze des sog. Bürgerministeriums. In dieser Stellung bekämpfte er die föderalistischen Anwandlungen Beusts, und als dieser auf eigene Hand mit den Führern der Czechen zu unterhandeln begann, nahm A. im Sept. 1868 seine Entlassung. Seit dem Sturze des Ministeriums Hohenwart-Schäffle (30. Okt. 1871), das in A. gleichfalls einen principiellen Gegner hatte, fand die in volkswirtschaftlicher und kirchlicher Beziehung reformatorische Politik des Kabinetts (Adolf) Auersperg in ihm ihre kräftigste Unterstützung. In der Session von 1879-80 bekämpfte A. auch im Herrenhause die Versöhnungspolitik des Grafen Taaffe. Später trat er vom polit. Leben ganz zurück und legte 1883 das Amt eines Oberstlandmarschalls von Böhmen und Vorsitzenden des böhm. Landesausschusses nieder. Er starb 4. Jan. 1890 in Prag.

Auerstädt, Herzog von, s. Davout.

Auerstedt, auch Auerstädt, Dorf im Kreis Eckartsberga des preuß. Reg.-Bez. Merscburg (bis 1815 kursächsisch), ist bekannt durch die Schlacht vom 14. Okt. 1806, die gleichzeitig mit der von Jena (s. d.) geschlagen wurde. Man spricht daher oft von der Doppelschlacht von Jena und A., obgleich beide nur strategisch, nicht unmittelbar taktisch in Verbindung stehen. Als der Oberfeldherr der sächs.-preuß. Armee, Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, nicht mehr daran zweifeln konnte, daß Napoleon längs der Saale den linken Flügel seiner gegen den Thüringer Wald genommenen Aufstellung umgangen hatte, beschloß er, links abzumarschieren, die Saale weiter abwärts zu überschreiten und jenseits dem Feinde entgegenzugehen. Fürst Hohenlohe sollte diesen Flankenmarsch in seiner Stellung bei Jena decken. Dieser wurde aber 14. Okt. von Napoleon selbst angegriffen und geschlagen, während die Hauptarmee, die versäumt hatte, rechtzeitig den Paß von Kosen an der Saale zu besetzen, im Vormarsch von A. schon diesseit des Flusses bei Hassenhausen im Nebel auf das Davoutsche Korps stieß, von dem eine Division bereits den Fluß überschritten hatte. Die Schlacht begann mit einer unglücklichen Attacke der preuß. Kavallerie; dann folgte ein hartnäckiger Kampf bei Hassenhauscn. Da aber die drei preuß. Divisionen hintereinander marschierten und nur sehr allmählich in das Gefecht kamen, so erhielten die Franzosen Zeit, sich zu verstärken, und der mörderische Kampf kam zum Stehen. Da wurde der Herzog durch beide Augen geschossen, und nun hörte alle Leitung auf. Der König griff zwar persönlich ein, aber die Kavallerie hatte sich zersplittert und fehlte im entscheidenden Augenblick. Der linke Flügel war mit Umgebung bedroht, gegen den rechten wendete sich eine frische franz. Division. Noch hätte die Schlacht durch die unberührte stärkere Reserve gewonnen werden können; doch entschied man sich für den Rückzug, um am folgenden Tage den Kampf in Verbindung mit Hohenlohe zu erneuern. Dessen Niederlage zog aber auch die bei A. geschlagene Armee in das allgemeine Verderben hinein.

Vgl. von Lettow-Vorbeck, Der Krieg von 1806 und 1807, Bd. 1: Jena und A. (Berl. 1891); von Treuenfeld, A. und Jena (Hannov. 1893).

Auerswald, Alfr. von, preuß. Staatsminister, geb. 16. Dez. 1797 zu Marienwerder, Sohn des Hans Jakob von A., trat 1815 als Freiwilliger in ein preuß. Dragonerregiment, bezog nach Beendigung des Krieges die Universität Königsberg und wirkte bei Begründung der Burschenschaft mit. A. trat 1819 in den Staatsdienst, verließ denselben aber 1824, um sich der Verwaltung seiner Güter zu widmen, und war 1630-44 Landrat des Kreises Rosenberg. Seit 1837 gehörte er der preuß. Provinzialständeversammlung an, wo er 1840 den Antrag auf Einberufung der seit 1815 versprochenen Reichsstände stellte; 1842 wurde er zum Mitgliede der nach Berlin berufenen provinzialständischen Ausschüsse sowie 1846 zum Mitgliede der evang. Generalsynode gewählt, in der er entschieden gegen die Anwendung der Bekenntnisschriften bei Ordinierung der Geistlichen auftrat. Auf dem Vereinigten Landtage von 1847 wirkte er in konstitutionellem Sinne. 1848 trat A. als Minister des Innern in das zuerst vom Grafen Adolf Heinr. Arnim, dann von Camphausen geleitete Kabinett, zog sich aber gleichzeitig mit Camphausen, Heinr. von Arnim und Schwerin infolge verschiedener, dem Ministerium feindseliger Abstimmungen der Nationalversammlung 14. Juni 1848 zurück und nahm nun seinen Platz im rechten Cetrum. 1849-52 gehörte A. der preuß. Zweiten Kammer als Abgeordneter an, wo er mit der konstitutionellen Linken stimmte und die von Radowitz geleitete Unionspolitik unterstützte. Als 1853 seine Wahl zum General-Landschaftsdirektor Ostpreußens erneuert wurde, verweigerte die Regierung die Bestätigung. Später wurde A. noch mehrmals in das Abgeordnetenhaus gewählt, ohne dort eine Rolle zu spielen. Er starb 3. Juli 1870 zu Berlin.

Auerswald, Hans Adolf Erdmann von, preuß. Generalmajor, Sohn des Hans Jakob von A., wurde 19. Okt. 1792 auf dem Gute Faulen bei Rosenberg in Preußen geboren und studierte seit 1810 Staatswissenschaften zu Königsberg. Beim Marsche des Yorckschen Korps durch Königsberg schloß er sich diesem im Jan. 1813 an, trat in das 2. westpreuß. Dragonerregiment und kämpfte als Offizier in den Schlachten von Großbeeren, Dennewitz und Leipzig sowie in dem Feldzuge in Holland unter Bülow. Nach der Schlacht von Waterloo wurde er zum Adjutanten Bülows ernannt und trat 1817 in den Generalstab, wo er bis 1840 verblieb. A. wurde 1841 zum Obersten des litauischen Dagonerregiments, 1846 zum Bigadecommandeur in Neiss ernannt und 1848 nach Breslau versetzt. Bei den Wahlen zum Deutschen