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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Auswürflinge - Auteuil

Atmungsschleimhäute mit zur Herausbeförderung der Auswurfstoffe. Im gesunden Zustande hat der Mensch keinen A. Indessen findet sich in unserm Klima, namentlich in den staubreichen großen Städten, durch Feuchtigkeit, Rauch u. s. w., oder durch gewisse Genüsse (Bier, Liqueur, fette Speisen, Gewürze u. s. w.) veranlaßt, bei vielen Menschen eine habituelle Schleimabsonderung des Gaumens und der obern Luftwege ohne eigentliches Kranksein, welche indessen durch ihre Hartnäckigkeit oft eine Quelle tiefer hypochondrischer Verstimmung wird. Bei diesen chronischen Rachenkatarrhen besteht der A. hauptsächlich aus Schleim, der von den Schleimdrüsen der obern Luftwege abstammt und oft Speichel, Speisereste, eingeatmete Staubteilchen, Kohlepartikelchen und andere anorganische Beimischungen sowie einzelne Epithelzellen der Mundhöhle einschließt. Noch viel mannigfaltiger ist die Zusammensetzung des A. bei den krankhaften Zuständen der Luftröhre und der Lungen selbst, deren genaue Kenntnis und Untersuchung für den Arzt hinsichtlich der diagnostischen Beurteilung von der größten Wichtigkeit ist; es finden sich da im A. mehr oder weniger reichlich Eiter, Fett, bisweilen Blut (s. Bluthusten), häutige oder röhrenförmige Faserstoffgerinnsel sowie zu Eiter zerflossene Ausschwitzungsprodukte (z. B. nach Lungenentzündungen, Tuberkeln u. dgl.), Reste zerstörten Lungengewebes (elastische Fasern, Pigment) sowie Krystalle von Cholestearin, Hämatoidin u. s. w. Endlich enthält der A. unter gewissen Umständen tierische und pflanzliche Parasiten; so werden z. B. bisweilen Teile von Echinococcusblasen ausgehustet; beim: Lungenbrand sieht man in dem zersetzten, aashaft riechenden A. regelmäßig reiche Mengen von Bakterien (s. d.) und andern Pilzbildungen. Bei Schwindsüchtigen finden sich regelmäßig Tuberkelbacillen im A. (S. Lungenschwindsucht.) Kleine Kinder werfen gewöhnlich nicht aus, sondern verschlucken den A. Die dem A. nicht selten beigemischten krümeligen, käsigen und übelriechenden Pfröpfe, welche vielen hypochondrischen Laien die größte Besorgnis und Angst einstoßen, sind nicht, wie oft irrtümlich geglaubt wird, ausgehustete Tuberkeln, sondern nur das eingedickte, durch Zurückhaltung in den Buchten und den Taschen der Mandeln und infolge der feuchten Wärme der Mundhöhle zersetzte Sekret dieser Drüsen, das ohne alle üble Bedeutung ist und fast stets bei chronischen Mandelentzündungen vorkommt. - Über die auswurfbefördernden Mittel s. Expectorantia.

Auswürflinge, diejenigen Produkte vulkanischer Thätigkeit, die infolge Zerstäubung und Zestücklung der Lava durch Dämpfe und Gase beim Ausdruck entstehen. Hierher gehören Lavaschollen, Lavablöcke, Schlacken, Bomben, Lapilli, Sand und Asche. Häufen sich diese rings um die oberflächliche Mündung des vulkanischen Schlotes an, so bildet sich ein Aufschüttungskegel, z. B. der eigentliche Vesuvkegel. Die Masse der A. bei der Eruption des Krakatau 1883 wird auf 18 ckm berechnet.

Auswurfmünzen, Geldstücke, die bei besonders festlichen Gelegenbeilen, wie Krönung, Huldigung u. dgl., unter das Volk aufgeworfen wurden und ein darauf bezügliches Gepräge trugen. Diese Sitte, schon im Altertum verbreitet, wurde namentlich im 15. Jahrh, von den deutschen Kaisern geübt.

Auszehrung (Phtisis), diejenige Art der Konsumtion oder Schwindsucht (s. d.), bei welcher der Körper durch zu große Ausgaben, durch abnorme Abgänge, Eiterungen, Schleimflüsse u. s. w. verzehrt wird, trotzdem vielleicht die Nahrungszufuhr noch normal blieb, im Gegensatz zur Abzehrung oder Darrsucht (Tabes, Marasmus), bei welcher sich der Körper infolge zu geringer Einnahme und verminderter Ernährung gewissermaßen selbst verzehrt. Von den Laien wird der Ausdruck A. oft irrtümlich für Lungenschwindsucht (s. d.) gebraucht, während er nur ein Symptom bezeichnet, welches den verschiedensten Krankheiten zukommen kann. Über A. der Kinder s. Pädatrophie.

Ausziehen, in der Jägersprache das Ausnehmen des Federwildes mittels eines Häkchens.

Auszieher, Extraktor, in Österreich Patronenzieher, eine Vorrichtung an den neuern Gewehren, z. B. am Magazingewehr M/71.84, die selbstthätig die Patronenhülse nach dem Schuß zurückzieht. Durch den Auswerfer (Ejektor) wird dann die leere Hülse rechts seitwärts herausgeschleudert. Bei einzelnen Gewehrkonstruktionen (z.B. dem österr. Repetiergewehr M/88) erfolgt Auswerfen und Ausziehen der Patronenhülse durch einen und denselben Teil des Verschlusses.

Ausziehgleis, s. Bahnhöfe.

Ausziehspitzen, die älteste Art der genähten Spitzen, bei denen das Muster durch zweckentsprechendes Ausziehen von Fäden des als Grundlage dienenden Stoffs und geeignete Gruppierung der zurückgebliebenen Fäden entsteht.

Auszug, Ausgedinge, Altenteil, Leibzucht, Inbegriff der Leistungen, welche zur Versorgung eines abtretenden Bauerngutsbesitzers (des Auszüglers) auf dessen Lebenszeit festgesetzt werden, wie Gewährung von Wohnung, Feuerung, Lebensmitteln, Landnutzung u. s. w. Die Festsetzung geschieht regelmäßig im Gutsübergabevertrage für beide Alteltern (reservatum rusticum). Die Leistungspflicht kann eine persönliche sein, kann aber auch reallastartig auf das Grundstück gelegt werden. Ist der Umfang der Leibzucht vom Richter zu bemessen, so soll auf die Kräfte des Hofes Rücksicht genommen werden. Der aufgeheiratete Ehegatte, insbesondere der Interimswirt, hat einen gesetzlichen Anspruch auf Gewährung eines Altenteils. Der das Grundstück belastende Altenteil muß in das Grundbuch eingetragen werden.

Auszug oder Bundesauszug (frz. Élite), in der Schweiz die im Alter von 20 bis 32 Jahren stehende waffenfähige Mannschaft des Bundesheeres, aus der die Feldtruppen ausschließlich zusammengesetzt sind (s. Schweizerisches Heerwesen).

Auszügler, s. Auszug.

Aut., bei naturwissenschaftlichen Namen, s. Auct.

Aut – aut (lat.), entweder - oder.

Aut Caesar aut nihil (lat., d. h. entweder Cäsar oder nichts), die unter einem Kopfe Julius Cäsars angebrachte Devise Cesare Borgias; jetzt Ausdruck für: «Entweder alles oder nichts».

Auteroche, Jean C., s. Chappe d'Auteroche.

Auteuil (spr. otöj), Dorf (jetzt mit Paris vereinigt) rechts an der Seine und am Eingange des Boulogner Holzes, an der Pariser Ringbahn (Chemin d'Auteuil), von alters her beliebter Sommeraufenthalt der Pariser. Schon Boileau und Moliere hatten Landhäuser in A., wo sich ihre Freunde Racine, Lafontaine, Chapelle u. a. versammelten. Der Salon der Madame Helvétius war der Sammelplatz von Schriftstellern, Gelehrten und Staatsmännern, deren in den franz. Memoiren des