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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Baghelkhand – Bagnara Calabra

Baghelkhand, s. Bagalkhand.

Bagherīa, Stadt im Kreis Palermo der ital. Provinz Palermo, auf der Nordküste Siciliens, in herrlicher, reich angebauter Ebene an der Linie Palermo-Porto Empedocle der Sicil. Eisenbahnen, hat (1881) 13272, als Gemeinde 14027 E., viele teilweise verfallene Villen palermitanischer Großen, darunter die durch Goethes Schilderung bekannte Villa Palagonia und die Villa Valguarnera mit einer der schönsten Rundsichten in Sicilien.

Bagīda (auch Bageida), Küstenort mit Hafen des deutschen Schutzgebietes Togo an der Sklavenküste in Oberguinea, auf einer Nehrung zwischen der Bai von Benin im Süden und dem Togosee im Norden. Hier hißte Nachtigal als kaiserl. Kommissar 5. Juli 1884 die deutsche Flagge. (S. Togoland.)

Bagienrahe (Baginerahe), die unterste Rahe (s. d.) des Kreuzmastes (s. Mast).

Baginsky, Adolf, Mediziner, geb. 22. Mai 1843 zu Ratibor, studierte in Berlin und Wien Medizin, ließ sich 1868 in Seehausen, 1870 in Nordhausen, 1872 in Berlin als praktischer Arzt nieder und habilitierte sich hier 1881 an der Universität als Privatdocent für Kinderheilkunde; 1890 wurde er zum Direktor des neuerbauten Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses ernannt. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten, welche vorwiegend die Kinderheilkunde und die Schulhygieine betreffen, sind hervorzubeben: «Handbuch der Schulhygieine» (2. Aufl., Stuttg. 1883), «Praktische Beiträge zur Kinderheilkunde» (3 Hefte, Tüb. 1880–84), «Lehrbuch der Kinderkrankheiten» (3. Aufl., Berl. 1889). Außerdem begründete und redigierte er im Verein mit Monti das «Archiv für Kinderheilkunde» (Stuttg. 1880 fg.). Sehr verbreitet sind seine populären Schriften: «Pflege des gesunden und kranken Kindes» (3. Aufl., ebd. 1885) und «Das Leben des Weibes» (3. Aufl., ebd. 1885).

Bagirmi, mohammed. Negerstaat im mittlern Sudan, zwischen Bornu und Wadai, südöstlich vom Tsadsee am Schari (s. Karte: Kamerun, Togo und Deutsch-Südwestafrika), hat etwa 50000 (nach Wagner-Supan 183404) qkm. Das ganze Land ist eine Ebene in etwa 310 km Höhe; nur im Osten, in der Heimat der Sokoro, steigt es allmählich bis zu dem Geregebirge (s. Wadai) an. Die Bevölkerung übersteigt kaum die Zahl von 1 Mill., doch wechselt die Volksmenge häufig mit den Grenzen, die sich infolge der Kämpfe mit den mohammed. Nachbarstaaten und den südlich angrenzenden Heidenvölkern bald erweitern, bald verengern. Die B. sind ein Mischvolk von verschiedenen Rassen: den So, Makari, Arabern, Fulbe u.a.; als Weber, Färber, Lederarbeiter sehr geschickt, und geborene Krieger. Allgemein herrscht Polygamie. Als Eingewanderte leben unter ihnen Araber als Ackerbauer und Fulbe als Hirten. Reichtümer verschaffen sie sich durch Sklavenjagden bei den heidn. Negerstämmen der Sara, Kufu, Fomrei u.a. im Süden, die wehrlos den mit Feuergewehr Bewaffneten als Beute anheimfallen. Die Sokoro allein vermochten in ihren Bergen die B. siegreich zurückzuschlagen. Die Regierungsform ist absolute Monarchie, der Titel des Herrschers ist «Banga». Die Heersmacht beträgt 10000 Mann Fußvolk und 3000 Mann Reiterei. Die Hauptstadt heißt Massenja (s. d.).

Im Anfang des 16. Jahrh. wurde das von Fulbe und Arabern bewohnte B. teils herrscherlos, teils abhängig von den Bulala in Wadai. Da ↔ wanderten heidn. Fremde, von Osten (wahrscheinlich aus Kenga) kommend, ein und gründeten die Stadt Massenja. Sie warfen das Joch der Bulala ab und machten ihren Häuptling Birni Besse 1522 zum ersten König von B. Der Islam wurde gegen Ende des 16. Jahrh. allgemein eingeführt; die folgenden Herrscher vergrößerten und befestigten das Reich, bis mit Gauranga (1785–1806) die Kämpfe mit Wadai abermals begannen, aus denen dieses siegreich hervorging; ja es zwang B. zur Tributpflichtigkeit, als es dessen Herrscher Burkomanda (1807–46) gegen den aufrührerischen Feldherrn Araueli rettend unterstützte. Zur Zeit von Dr. Barths Aufenthalt im Lande (1852) war sein Sohn Abd el-Qadir Sultan, welcher in einem Kampfe gegen einen fanatischen Mekkapilger 1858 fiel. Sein Nachfolger Mohammedu (Abu Sekkin), gedrückt von der Tributpflicht, reizte den jungen Herrscher Ali von Wadai zum Krieg; dieser vertrieb ihn 1870 und setzte einen Onkel desselben, Abd er-Rahman, an seine Stelle. Ihm folgte Gauranga. Dieser wurde 1892–93 von Rabah, einem ehemaligen Offizier Zebir Paschas in den obern Nilländern, welcher sich mit El-Aiatu, dem frühern Sultan von Sokoto, verbunden hatte, aus B. vertrieben. Rabah, Herr des Reichs, unternahm dann einen Eroberungszug gegen Bornu. Sichere Nachrichten darüber fehlen. – Vgl. H. Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika in den J. 1849–55 (5 Bde., Gotha 1857–59); Nachtigal, Reise in die südl. Heidenländer B.s (im 8. Bde. der «Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde», Berl. 1873); ders., Sahara und Sudan, Bd. 1 u. 2 (ebd. 1879–82); Rohlfs, Quer durch Afrika (2 Bde., Lpz. 1874–75).

Bagistăna, s. Bisutun.

Baglione (spr. baljohne), Giovanni, ital. Maler und Kunstschriftsteller, geb. um 1571 in Rom, wo er sich der Gunst Papst Cleniens' VIII. und Pauls V. erfreute und 1644 starb. Freskogemälde von ihm sind in verschiedenen Kirchen zu Rom sowie in der Vatikanischen Bibliothek vorhanden. Sein schriftstellerisches Hauptwerk ist: «Le vite de' pittorio, scultori, architetti ed intagliatori dal pontificato di Gregorio XIII fino ai tempi di Urbano VIII» (Rom 1642 und Neapel 1733). Auch schrieb er «Le nuove chiese di Roma» (Rom 1639).

Baglioni (spr. baljohni), ital. Architekt, s. Baccio d'Agnolo.

Bägna, s. Begna.

Bagnacavallo (spr. banja-), Stadt im Kreis Lugo der ital. Provinz Ravenna, an der Linie Castel Bolognese-Ravenna des Adriatischen Netzes, hat (1881) 3843, als Gemeinde 14645 E., Post, Telegraph, Pfarrkirche, Lycealgymnasium, technische Schule; B. ist das alte Tiberiacum Gabeum.

Bagnacavallo (spr. banja-), eigentlich Bartolommeo Ramenghi, ital. Maler, geb. 1484 zu Bagnacavallo, gest. 1542 zu Bologna, ein Schüler Francias (nicht Raffaels). Bilder von ihm finden sich in Bologna (Christus am Kreuz, Madonna), Dresden (Madonna mit dem Kinde nebst Heiligen) und Berlin (die Heiligen Petronius, Agnes und Ludwig XI. von Frankreich).

Bagnara Calăbra (spr. banjahra), Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Reggio di Calabria an der Küste des Tyrrhenischen Meers und am Südabhang des Monte-Elia, an der Linie Reggio-Gioja-Tauro des Mittelmeernetzes, hat (1881) 6811, als Gemeinde 9233 E., Post, Telegraph, eine offene Reede und Ausfuhr von Holz, Teer, Wein, Öl, Seide

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 285.