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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Barmen

Von den 683 angemeldeten Vereinen seien erwähnt: Verein für wissenschaftliche Vorlesungen, Bergischer Geschichts-, Allgemeiner Bürger-(Bildungs-), Verschönerungs-, Bergischer Bezirksverein deutscher Ingenieure, Kaufmännischer Verein, Vereine für Kunst und Gewerbe, für Technik und Industrie, Freimaurerloge Lessing, ferner 171 Gesang- und Musik-, 80 religiöse, 40 gemeinnützige, 7 polit., 29 Sport-, 34 Krieger-, 7 Fach-, 6 landwirtschaftliche, 359 sonstige Vereine und 200 Kassen, als 2 Orts-, 56 Fabrik-, 5 Innungskrankenkassen, 8 eingeschriebene Hilfskassen, 1 Pensions-, 33 Kranken- und Sterbe- und 155 Sterbekassen. B. ist Sitz der Rheinischen Missionsgesellschaft (s. d.). In B. erscheinen 5 polit. Zeitungen, 9 religiöse Wochen- und Monatsschriften, 1 landwirtschaftliches Centralblatt und «Der Feuermann».

Wohlthätigkeitsanstalten. Städtisches Krankenhaus mit Reservekrankenhaus, 7 Privatheilanstalten für Augen-, Wund-, Zahn- und Frauenkrankheiten, 4 Armen-, 4 Waisenhäuser, 1 Anstalt für verlassene Kinder, 1 Diakonissen- und Mägdehaus, Volksküche, Volkskaffee- und Speisehaus, Badeanstalt mit Schwimmhallen, Wannen- und andere Bäder, Privatanstalt für Stahl- und Solbäder, Luftkurhaus im Barmer Walde, Kinderkurhaus des Vereins für Ferienkolonien; ferner zahlreiche Vereine für Wohlthätigkeitszwecke u. a.

Industrie. B. ist eine der größten Industriestädte Deutschlands; die Hauptindustrie befaßt sich mit der Herstellung von Bändern, Litzen und Besatzartikeln aus Woll-, Baumwoll-, Seiden-, Halbseiden-, Leinen- und Halbleinengarnen, die in etwa 800 Betrieben 18000 Arbeiter beschäftigt; darunter wiederum 150 Riemendrehereien, 380 Bandwebereien, 70 Färbereien und Appreturanstalten, 30 Garnbleichen, 15 Eisen- und Nähgarnfabriken, 8 mechan. Webereien, 12 Fabriken für gummielastische Waren, 25 Knopffabriken, 16 Posamentierwarenfabriken, 6 Türkischrotgarn- und 4 Stückfärbereien, 3 Tricotwarenfabriken, 2 für seidene und halbseidene Tücher, 12 für Schnürlochaugen (Oeillets); ferner giebt es 2 Teppichfabriken, 5 Fabriken für Tricot- und Korsettwaren, 2 für Bunt- und Luxuspapiere und viele andere für alle möglichen Artikel. Die Gesamtarbeiterzahl sämtlicher Industriezweige beträgt 30000, die Zahl der mechan. Webstühle für breite Waren mehr als 10000. Die Seidentrocknungsanstalt von Elberfeld-Barmen konditioniert jährlich etwa 400000 kg Seide. B. ist Sitz der 4. Sektion der Rheinisch-Westfälischen Textil-Berufsgenossenschaft.

Handel. Die Hauptzweige des Großhandels sind außer den einheimischen Industrieartikeln Garn, Indigo, Woll- und Baumwollgarne (Einfuhr etwa 6 Mill. kg), meist aus England; Kolonial-, Konfektions-, Eisen- und Stahlwaren, Baumaterialien, Koks, Kohlen, Öle, Chemikalien, Farbstoffe, Droguen, Papier, Pappe und alle zur Verarbeitung erforderlichen Rohstoffe. Die Warenausfuhr allein nach den Vereinigten Staaten von Amerika betrug (1893) 22 Mill. M., darunter für 4⅓ Mill. M. Bänder, Kordeln und Litzen. B. hat zahlreiche Speditions- und Kommissionshäuser, eine Handelskammer für Stadt und Oberbürgermeisters B., Reichsbanknebenstelle (1893: 251,153 Mill. M. Einnahme, 251,629 Mill. M. Ausgabe), Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika, 2 Aktiengesellschaften: Barmer Bankverein (Umsatz 301 Mill. M.) und Barmer Volksbank (Umsatz 26 Mill. M.) sowie 6 Privatbankgeschäfte.

Verkehrswesen. B. liegt an den Linien Hagen-Düsseldorf, Düsseldorf-Mettmann-Schwelm, B.-Rittershausen-Lennep-Opladen (41,60 km) und an den Nebenlinien Lennep-Dahlerau-Langerfeld-B. (21,50 km), Langerfeld-Oberbarmen (0,70 km), B.-Rittershausen-Oberbarmen (3,30 km) und Oberbarmen-Hattingen (22,30 km) der Preuß. Staatsbahnen und hat 6 Bahnhöfe. 1892/93 wurden insgesamt 1332189 Fahrkarten ausgegeben; befördert wurden im Ein- und Ausgang 76582 t Eil- und Stückgut, 651745 t Wagenladungen und 28863 Stück Vieh. B. ist mit Elberfeld durch eine zweigleisige Pferdebahn (11,95 km) verbunden, wovon 10,95 km auf B. kommen; die elektrische Bergbahn (1630 m) nach den Anlagen und nach dem Tölleturm und die elektrische Straßenbahn Theater-Heckinghausen sind seit 1894 im Betrieb; die Straßenbahn Theater-Wichlinghausen wird 1895 eröffnet. Die Umwandlung der Pferdebahn in eine elektrische Straßenbahn sowie der Bau einer elektrischen Schwebebahn über die Wupper bis Sonnborn ist geplant. Außerdem besteht eine Omnibuslinie in Wichlinghausen. Es bestehen 4 Postämter erster und 1 zweiter Klasse; die Einnahmen der Post betrugen (1893) 1½ Mill. M.; auf Postanweisungen wurden eingezahlt 17¼ Mill. M., ausgezahlt 26 Mill. M.; Pakete gingen ein 443024 Stück, aus 1024018 Stück. Das Telegraphenamt und die 4 Telegraphendienststellen beförderten (1893) 200666 Telegramme, davon 127938 im Durchgangsverkehr. 1894 bestanden 982 km Fernsprechleitungen mit 661 Sprechstellen.

Geschichte. B. wird zuerst im 11. Jahrh, als Barmon erwähnt in einer Urkunde des Klosters Werden. Am 14. Jan. 1245 verkaufte Graf Ludwig I. von Ravensberg die Güter von B. an den Grafen Heinrich von Berg. Ende des 14. Jahrh. wurde es an den Grafen Adolf von Cleve verpfändet und dem Amte Beyenburg zugeteilt, wo es bis 1806 verblieb. Bis zum Ende des 17. Jahrh, bestand es nur aus Bauernhöfen, deren Bewohner sich aber seit dem 15. Jahrh, schon mit der Bleicherei, dem ersten Anfang industrieller Betriebsamkeit im Thale, beschäftigten; 1606 bestanden schon 77 Bleichen; Band- und Leinwandbereitung fand nachweislich schon im Anfang des 16. Jahrh, statt. Seit dem Anfang des 18. Jahrh. kam Färberei und Verwendung von Wolle, 1750 Spitzen- und Kantenweberei, Seidenfabrikation u. s. w. hinzu. Eine Hauptepoche für B. beginnt mit der Gründung der reform. Gemeinde zu Gemarke (1702) und dem dadurch hervorgerufenen ersten geregelten Anbau in Straßen. In ähnlicher Weise bezeichnen die Gründungen der evang. Gemeinden Lutherisch-Wichlinghausen 1744, Lutherisch-Wupperfeld 1778 und Evangelisch-Uniert-Unterbarmen 1822 wichtige Epochen der Entwicklung B.s. Die erste Schule B.s wurde 1579 gegründet (s. oben Bildungswesen). B. erhielt erst durch Einführung der franz. Municipalverwaltung 1808 und die Ernennung eines Maire 1809 städtische Verwaltung und Stadtrechte. Nach der 1815 erfolgten Einverleibung in Preußen hoben sich Handel und Industrie allmählich wieder. Die Beteiligung an der 1821 begründeten Rheinisch-Westindischen Compagnie und dem 1824 ins Leben gerufenen Deutsch-Amerikanischen Bergwerksverein endete jedoch mit großen Verlusten für die Beteiligten. Von großem Einfluß war die 1821 erfolgte Einführung der Jacquardwebereien und die zu Anfang der fünfziger Jahre erlangte Vervollkommnung der Flechtmaschi-[^folgende Seite]