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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Barth

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Barth (Jean) - Barth (Theodor)

begann die Bearbeitung seiner «Wanderungen durch die Küstenländer des Mittelmeers», Bd. 1 (Berl. 1849). Im Nov. 1849 begab er sich mit Overweg über Tunis nach Tripolis, um sich der Unternehmung Richardsons nach Centralafrika anzuschließen.

Am 23. März 1850 brach die Karawane nach Mursuk auf und wandte sich durch die Sahara nach Tintellust, von wo B. einen Ausflug nach Agades unternahm. Erst im Dezember konnten die Reisenden ihren Weg nach Süden fortsetzen und erreichten im Jan. 1851 Damerghu, wo sie sich trennten. B. wandte sich südwestlich nach den Haussastaaten, um Katsena und Kano im Reiche Sokoto zu erreichen. Richardson wollte mit Overweg über Sinder nach Kuka gehen, starb aber zu Ungurutua, während Overweg glücklich Kuka, die Hauptstadt von Bornu, erreichte, wo er 5. Mai mit B. zusammentraf. Von hier aus machte B. alsbald einen Abstecher nach Adamaua, entdeckte 18. Juni den Binue und kehrte 22. Juli nach Kuka zurück. Beide vereint unternahmen nun eine Reise nach Kanem und, vom 25. Nov. 1851 bis Ende Jan. 1852, eine andere nach dem Lande der Musgu. Nach ihrer Rückkehr reiste B. Ende März nach Bagirmi im Südosten des Tsadsees, 20. Aug. traf er zu Kuka wiederum mit Overweg zusammen, der inzwischen Jakuba besucht hatte, aber bald darauf (27. Sept.) zu Maduari am Tsadsee dem Klimafieber erlag. Wenige Monate darauf trat B. eine Reise nach dem Westen an und ging nach Sokoto, von wo aus er seinen Weg über Gando nach Say am Niger fortsetzte. Nachdem er bei Say 12. Juni 1853 den Strom überschritten, durchwanderte er die noch von keinem Europäer betretenen Landschaften Gurma, Libtako und Dalla und kam am 7. Sept. nach Timbuktu. Nach einem siebenmonatigen Aufenthalte verließ er 8. April 1854 die Wüstenstadt, mußte aber noch einmal dahin zurückkehren und konnte erst 8. Mai die Reise wieder aufnehmen. Über Gogo oder Gao, die einstige glänzende Hauptstadt des Songhayreichs, Wurno und Kano langte er 12. Dez. wiederum in Kuka an, wo er 4 Wochen mit Eduard Vogel, dem er bereits 1. Dez. zu Bundi, zwischen Kano und Kuka, begegnet war, zusammen lebte. Anfang Mai 1855 trat B. den Rückweg nach Europa an, erreichte über Bilma und Mursuk 21. Aug. Tripolis und betrat nach fast sechsjähriger Abwesenheit 8. Sept. zu Marseille den europ. Boden wieder.

Die Reisen B.s und seiner Begleiter sind epochemachend für die Entdeckungsgeschichte Afrikas geworden. Als Frucht derselben veröffentlichte B. während eines mehrjährigen Aufenthalts in London seine «Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika» (5 Bde., Gotha 1855-58; Auszug, 2 Bde., 1859-60), welchem Hauptwerke sich «Sammlung und Verarbeitung centralafrik. Vokabularien» (3 Abteil., Gotha 1802-66) anschlossen. Nach Berlin übergesiedelt, wurde er 1863 Professor an der Universität und zugleich Präsident der Geographischen Gesellschaft. Daneben setzte er auch seine Studien über die Mittelmeerländer fort und unternahm zu diesem Zwecke größere Reisen; so im Herbst 1858 von Trapezunt über Karahissar, Tokat, Amasia, Bogasköi, Kaisarie und Angora nach Konstantinopel («Reise von Trapezunt durch die nördl. Hälfte Kleinasiens nach Skutari im Herbst 1858», Gotha 1860); 1861 nach Spanien; im Herbst 1862 durch die Centralkarpaten, das ungar. Erzgebirge und Siebenbürgen nach der Donau, dem Balkan, dem Rilo-Dagh und über Monastir zum thessal. Olymp («Reise quer durch das Innere der europ. Türkei», in der «Zeitschrift für allgemeine Erdkunde», Bd. 15, 1863, und Bd. 16, 1864); 1863 in die Bayrischen, Graubündener, Tiroler, Cadorischen und Cottischen Alpen; 1864 durch Italien und 1865 durch die nordöstl. Teile von Montenegro nach der Mitte der Balkanhalbinsel. Wenige Wochen nach der Rückkehr von dieser Reise starb B. 25. Nov. 1865 zu Berlin.

Vgl. Koner, Heinrich B. (in der «Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin», Berl. 1866).

Barth, Jean, franz. Seeheld, s. Bart.

Barth, Karl, Kupferstecher, geb. 12. Okt. 1787 zu Eisfeld, lernte seit 1805 unter Joh. G. von Müller in Stuttgart die Kupferstechkunst. Seit 1814 in München thätig, machte er 3 Jahre darauf eine ital. Reise und begann in Rom mit S. Amsler die Stiche nach Cornelius' Nibelungen. B. lebte einige Zeit in Hildburghausen und starb 12. Sept. 1853 zu Cassel. Einer seiner besten Stiche sind Die sieben magern Jahre, nach Overbeck. Er hat auch einiges radiert.

Barth, Marquard Adolf, bayr. Abgeordneter, geb. 1. Sept. 1809 in Eichstätt, studierte die Rechte, wurde 1837 Advokat in Kaufbeuren, 1870 in München. In Kaufbeuren 1848 zum Abgeordneten in die Deutsche konstituierende Nationalversammlung gewählt, gehörte B. dort zur erbkaiserl. Partei, war Mitglied der Deputation, welche Friedrich Wilhelm IV. die Deutsche Reichsverfassung überbrachte und nahm an der Gothaer Versammlung vom 26.Iuni 1849 teil. Seit 1855 Mitglied der bayr. Abgeordnetenkammer, wußte er bald solchen Einfluß zu gewinnen, das; er seit 1861 Führer der Linken in derselben, 1855-65 Sekretär und 1865-69 Vorstand des Ausschusses für die Gesetzbücher war, und wirkte mit seinen Gesinnungsgenossen Völk, Buhl, Brater, Jordan, Stauffenberg u. a. unausgesetzt im freiheitlichen und deutsch-nationalen Sinne. In den J. 1862-66 beteiligte er sich an den Abgeordnetentagen in Weimar und Frankfurt a. M. und leitete 1866 und 1867 die Versammlungen der süddeutschen Nationalpartei in Stuttgart. Ein eifriger Gegner der bundesstaatlichen Politik des Ministeriums von der Pfordten, war B. später ein Förderer der deutsch-nationalen Bestrebungen des Kabinetts des Fürsten von Hohenlohe. Als Vertreter des Wahlkreises Rotenburg in Mittelfranken war B. Mitglied des Zollparlaments und 1871 des Deutschen Reichstages, wo er sich zur liberalen Reichspartei hielt. Im Juli 1871 wurde B. zum Reichs-Oberhandelsgerichtsrat in Leipzig ernannt. Im Herbst 1879 trat er in den Ruhestand und siedelte nach Würzburg über, wo er 23. Mai 1885 starb. B. veröffentlichte einen «Kommentar zur neuen Civilprozessordnung für das Königreich Bayern» (3 Bde., Nördl. 1869-71).

Barth, Theodor, liberaler Parlamentarier, polit. und volkswirtschaftlicher Schriftsteller, geb. 16. Juli 1819 in Duderstadt, studierte 1868-71 Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Heidelberg, Leipzig und Berlin, war 1871-72 Rechtsanwalt in Bremen, 1872-76 Amtsassessor in Bremerhaven, 1876-83 Syndikus der Bremer Handelskammer und siedelte dann nach Berlin über, wo er die Wochenschrift «Nation» gründete, die er seitdem leitet. B. wurde 1881 für Gotha, seit 1885 für Hirschberg in den Reichstag gewählt, wo er sich der liberalen Vereinigung, dann der deutschfreisinnigen Partei und 1893 der freisinnigen Vereinigung anschloß. Er bekämpfte besonders in freihändlerischem