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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Basel (Stadt)

Stelle des altröm. Kastells erbaut, 1135 und nach einem Brande 1185 teilweise erneuert und 1356 von dem furchtbaren Erdbeben, welches B. und die nördl. Juragegenden heimsuchte, großenteils zerstört. Der gegenwärtige Bau im got. Stile wurde bereits 1363 wieder geweiht, aber erst 1500 mit der Errichtung des südl. Martinsturmes (62 m) vollendet, 1852-56 sowie neuerdings in glücklichster Weise erneuert und mit wertvollen Glasgemälden und einer großartigen Orgel ausgestattet. Im Chor der Kirche wurden 1431-48 die feierlichen Sitzungen des Konzils von B. gehalten. In Nebengebäuden des Münsters befindet sich einstweilen noch die von Wilh. Wackernagel gegründete mittelalterliche Sammlung, die reichste histor. Sammlung der Schweiz: Steinaltertümer, Architekturreste meist aus Baseler Kirchen, Waffen aus dem Baseler Zeughause; im ersten Stock der Konziliumssaal, von Kommissionen des Konzils zu Sitzungen benutzt, mit Architekturdetails von Baseler Kirchen, Modellen von Bauten und Burgen, dem gewaltigen Flügelaltar von Strigel aus Memmingen (1512) u. a., der große Saal für Hausaltertümer, das Speisezimmer des Ratsherrn Lukas Iselin zu B. (1607), das got. Zimmer von 1460 mit got. Möbeln, die Räume für die Geschichte des Kunsthandwerks und den nach der Teilung des Kantons (1833) zersplitterten Domschatz und eine Sammlung von Wirtschafts- und Küchengeräten, namentlich des alten B. Im zweiten Stock befinden sich die Säle für musikalische und kirchliche Altertümer, für Kostüme und für Staats- und Rechtsaltertümer. (Die Sammlung wird demnächst in eigenem Gebäude, nämlich in der zu diesem Zwecke [1890-92] restaurierten Barfüßerkirche aus dem Anfang des 14. Jahrh., mit sehr hohem Chor, untergebracht.) Der prächtige Kreuzgang an der Südseite des Chors, aus dem 15. Jahrh. stammend und 1869-73 erneuert, enthält viele Grabdenkmäler: an seiner Westseite das Denkmal des Johannes Ökolampadius. Die Terrasse hinter dem Münster, die hoch über dem Rhein gelegene Pfalz, bietet Aussicht auf den breiten Strom und den Schwarzwald. Außerdem verdienen Erwähnung die St. Martinskirche, 1851 erneuert, die kath. St. Clarakirche in Klein-Basel, die St. Elisabethenkirche, auf Kosten von Christoph Merian-Burckhardt erbaut, alle vier in got. Stile, die kath. Marienkirche in roman. Stile, der roman. Bogengang im ehemaligen St. Albankloster und die neue Synagoge im orient. Stil.

Weltliche Bauten. Das Ratbaus am Markte, 1508-27 im burgundischen Stile erbaut, 1821-28 erneuert, hat einen prächtigen Regierungsratssaal mit Schnitzereien und Glasgemälden und im Hofe ein 1580 aufgestelltes Denkmal des Munatius Plancus. Ferner das Zeughaus, das Spalenthor, 1370 errichtet; das 1849 vollendete Museum, welches die wertvollen naturhistor., ethnogr. und antiquarischen Sammlungen, die öffentliche Bibliothek (150000 Bände, 4000 Manuskripte) und die reiche Kunst- und Gemäldesammlung (Bilder und Handzeichnungen von Holbein dem Jüngern) enthält, die Kunsthalle (1872) mit permanenter Ausstellung von neuen Gemälden und Skulpturen, im Treppenhaus Fresken von Stückelberg, das Theater (1875) und der Musiksaal, beide von Stehlin erbaut, die neue Skulpturballe für Gipsabgüsse, das neue Postgebäude an Stelle des alten Kaufhauses mit dem Börsensaale, die Bank, die große Kaserne im Klingenthal (ein ehemaliges Frauenkloster), das Gerichtsgebäude, das Korrektionshaus, das Spital, das Absonderungsspital für ansteckende Krankheiten, das großartige Irrenhaus, Zeughaus, Kasino, Missionshaus mit ethnogr. Kabinett, der Lohnhof, ein ehemaliges Chorherrenstift, jetzt Sitz der Polizei, der durch seine Bauart bemerkenswerte Spießhof, der neue, mit Bildhauerarbeit verzierte Centralbahnhof, das Denkmal zum Andenken an die Schlacht von St. Jakob sowie dasjenige zur Erinnerung an die Belagerung Straßburgs (1870) und die den Straßburgern von der Schweiz ans geleistete Hilfe.

Verwaltung. Da der Kanton Basel-Stadt nur aus der Stadt B. und den 3 rechts vom Rheine gelegenen Landgemeinden Kleinhüningen, Riehen und Bettingen besteht, fungiert der kantonale «Große Rat» und der «Regierungsrat» auch als Verwaltungsbehörde der Einwohnergemeinde der Stadt B., während die Bürgergemeinde B.s (1890: 28883 E.) durch einen von den Stadtbürgern auf 3 Jahre gewählten «weitern Bürgerrat» verwaltet wird, welcher zur Befolgung der Geschäfte auf dieselbe Amtsdauer einen «engern Bürgerrat» (7 unbesoldete Mitglieder) wählt; seine Hauptgeschäfte betreffen die Verwaltung des bürgerlichen Waisenhauses, des Bürgerspitals, des bürgerlichen Armenwesens, des Vermögens der Bürgergemeinde und die Aufsicht über die Zünfte. Alle andern die Verwaltung der Stadt B. betreffenden Geschäfte sind an die Kantonsbehörden (Großer Rat und Regierungsrat) übergegangen.

Finanzen. Die Einnahmen des Kantons Basel-Stadt beliefen sich 1890 auf 6584581 Frs. (darunter Ertrag der Einkommen- und Erwerbssteuer 1550000 Frs. und der Vermögenssteuer 950000 Frs.); die Ausgaben betrugen 6474840 Frs. (darunter für das Erziehungswesen 1,5 Mill. Frs., für das öffentliche Bauwesen 2241000 Frs. und für Verzinsung und Amortisation der Staatsschuld 2241000 Frs.). Der Kanton besaß 1890 ein Aktivvermögen von 11191000 Frs. und ein Passivvermögen von 12217000 Frs.

Bildungs- und Vereinswesen. Von den Unterrichtsanstalten der Stadt, die von jeher eines vorzüglichen Rufs genießen, ist die älteste und wichtigste die 1459 von Papst Pins II. gestiftete Universität mit (1892) 86 Professoren und Docenten und 401 Studenten; außer den erwähnten Sammlungen und der Bibliothek (170000 Bände, 5000 Handschriften) sind mit ihr verbunden der botan. Garten, die Anstalt für Physik und Chemie (Bernoullianum, 1874 eröffnet), die Anatomie und die Kliniken des großartigen städtischen Spitals, des Kinderspitals, der Irrenanstalt, der Augenheilanstalt und der Diakonissenanstalt in Riehen. Im 16. Jahrh. wirkten an dieser altberühmten Stätte der Wissenschaft Erasmus von Rotterdam und die Reformatoren Ökolampadius und Grynäus, im 17. die Naturforscher Kaspar und Joh. Kasp. Bauhin, im 18. die Mathematiker Bernoulli, Euler, Merian. Aus neuerer Zeit sind zu nennen die Theologen de Wette und Hagenbach, der Germanist Wackernagel, der Philologe Gerlach, der Kunsthistoriker Jakob Burckhardt, die Naturforscher P. Merian und L. Rütimeyer, der Theologe und Dichter R. Hagenbach sowie dessen Sohn der Physiker Ed. Hagenbach u. s. w. Ferner bestehen ein Gymnasium (Rektor Dr. Burckhardt, 341 Schüler am untern, 139 am obern Gymnasium), eine Obere Realschule (4 Real-, 3 Handelsklassen, Rektor Dr. Kinkelin, 17 Lehrer, 270 Schüler), eine