Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

516

Baugi - Bauholz

Mit Einschluß dieser 6164 gelangten 25 789 Unfälle (26,57 auf 1000 versicherte Personen) zur Anzeige, darunter also die größere Zahl leichter und leichtester Art.

Außerdem bestehen auf Grund des Bau-Unfallversicherungsgesetzes noch besondere Versicherungsanstalten, welche den 12 Baugewerksgenossenschaften unterstehen und 1891 an Beiträgen 92 262 M. ablieferten. (S. Berufsgenossenschaft.)

Baugi, nach der in der Snorra Edda überlieferten Göttersage ein Riese, zu dem Odin kam, als er den Dichtermet wiedererlangen wollte, den Suttung, B.s Bruder, besaß. Nachdem Odin den Sommer über die Arbeit von neun Knechten verrichtet hatte, verlangte er von B. den als Lohn bedungenen Met. Da Suttung ihn nicht herausgab, bemächtigte er sich seiner durch List, wobei B. dem sich Bölverkr nennenden Odin half.

Baugrund, der natürliche Untergrund, auf dem ein Gebäude steht. Er soll von solcher Beschaffenheit sein, daß er die Last des Gebäudes mit Sicherheit zu tragen vermag und sich das letztere demzufolge nicht oder nur wenig, aber gleichmäßig, setzt. Es bedarf einer sorgfältigen Untersuchung des B., ehe ein Bau beginnt. Diese geschieht entweder durch das Einführen von Erdbohrern oder durch das Abteufen von Schächten an verschiedenen Stellen des B. Als guter B. ist zu betrachten: Felsen (der freilich Kelleranlagen sehr erschwert), Kies und Sandboden, wenn er nicht auf schrägem Untergrund lagert und somit Neigung hat seitlich auszuweichen. Bedenklicher ist schon Thon, Lehm, Pflanzenerde. Diese geben bei großer Mächtigkeit der Schichten einen Boden, der sich gleichmäßig setzt und daher sehr wohl benutzt werden kann. Wechseln aber verschiedene Schichten miteinander, ist also das seitliche Ausweichen zu befürchten, so sinkt der Wert des B. bedeutend. Fetter, erweichter Thon-, Lehm-, und Wiesenboden, Torf, Morast, Flugsand soll man als B. vermeiden, will man nicht große Kosten auf den Grundbau anwenden. (S. Grundbau.)

Bauh., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für Kaspar Bauhin (s. d.).

Bauhandwerker, Baugewerke, im engern Sinne Bezeichnung für die Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute und Dachdecker; im weitern Sinne auch alle andern beim Bau eines Hauses beschäftigten Handwerker, als Tischler, Schlosser, Schmiede, Klempner, Glaser u. s. w.

Bauherr, bei Bauten und in den darauf bezüglichen Schriftstücken, wie Kontrakten,Bauanschlägen, Rechnungsabschlüssen u. s. w., die Bezeichnung desjenigen, auf dessen Kosten der Bau ausgeführt wird. - In Bremen heißen B. die Mitglieder der Kirchenvorstände, welchen die Verwaltung des Kirchenvermögens und die rechtliche Vertretung der Gemeinden nach außen hin obliegt. Sie sollen womöglich aus den Mitgliedern des Senats gewählt werden.

Bauhin (spr. bohäng), Kaspar, schweiz. Anatom und Botaniker, geb. 17. Jan. 1560 in Basel, studierte in Basel, Padua und Montpellier, wurde in seiner Vaterstadt 1588 Professor der Anatomie und Botanik und 1614 erster Professor der Medizin und oberster Physikus und starb daselbst 5. Dez. 1624. Unter seinen anatom. Werken giebt das "Theatrum anatomicum" (Frankf. 1605; vermehrte Aufl. 1621) eine genaue Übersicht über den damaligen Stand der Anatomie. Außerdem schrieb er: "Phytopinax" (Basel 1596), ein Verzeichnis von 2460 Pflanzen, wovon jedoch nur der erste Teil erschien; "Prodromus theatri botanici" (Frankf. 1620; 2. Aufl., Basel 1671) und "Pinax theatri botanici" (Basel 1623), sein berühmtestes Werk, das 1671 und 1735 neu aufgelegt wurde. Das erste Buch seines "Theatrum botanicum" wurde von seinem Sohne Johannes Kaspar B. (Basel 1658) herausgegeben, der ebenfalls Professor der Medizin und oberster Physikus in Basel war. - Vgl. Heß, Kaspar B.s Leben und Charakter (Basel 1860).

Bauhinia L., Pflanzengattuug aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Cäsalpiniaceen, benannt nach Kaspar Bauhin. Man kennt gegen 130 Arten, sämtlich in den Tropen. Es sind Bäume oder Sträucher, die teils aufrechte, teils kletternde, zum Teil stachelige Stämme haben und in der Vegetation aller Tropenländer eine große Rolle spielen. Die Bauhinien, unter denen es prächtig blühende Arten giebt, gedeihen im mittlern Europa nur im Warmhause, woselbst sie viel Wärme, reichliche Bewässerung und einen aus lehmiger Heideerde bestehenden Boden verlangen. Man vermehrt sie durch Ableger. Die Bastfasern mehrerer zu der Gattung L. gehörenden Arten werden in Indien seit langer Zeit zur Herstellung von Tauen, Fischernetzen und verschiedenen Geweben benutzt; sie zeichnen sich durch eine ganz bedeutende Festigkeit aus und sind sehr widerstandsfähig gegen Wasser. In den europ. Handel scheinen jedoch diese Bauhiniafasern (Apta, Maloo, Mahwal, Bun-raj) noch keinen Eingang gefunden zu haben. Diejenigen Arten, welche besonders zur Gewinnung von Bastfasern dienen, sind B. tomentosa L., B. racemosa Lam., B. scandens L., B. reticulata DC. Von einigen Arten wird auch das Holz wegen seiner großen Härte zur Herstellung von Waffen, Scheiden, Handgriffen u. s. w. benutzt, hauptsächlich von B. acuminata und B. tomentosa L.

Bauhinsche Klappe (Valvula Bauhini), die von dem Anatomen Kaspar Bauhin (s. d.) zuerst beschriebene klappenförmige Schleimhautfalte, die den Dickdarm von dem Dünndarm trennt (s. Darm).

Bauholz, alle diejenigen Arten Holz, welche beim Bauen Verwendung finden. Das B. muß frei von fauligen Stellen, schwarzen Ästen, großen Rissen, beim Anschlag von hellem Klang, im Winter gefällt, gut getrocknet sein. Der Wuchs muß bei Nadelholz schlank und gerade, bei Laubholz kernig und gedrungen sein. Sehr zu beachten ist, ob das Holz nicht durch Wurmfraß gelitten hat. Feuchtes Holz, d. h. solches, in dem noch der Saft steckt, fault leicht und bringt den ganzen Bau in Gefahr; es schwindet, d. h. verkürzt sich in der Breitenrichtung, wirft sich, d. h. krümmt sich in der Richtung vom Kerne abseits, und reißt, d. h. zeigt Risse in der Längsrichtung. Man hat daher eigene Trockenapparate für das Holz eingerichtet, die darauf ausgehen, den Saft teils durch Dampf, teils durch Wasser aus den Gewebezellen herauszupressen. Diese Auslaugung geschieht auch beim Flößen des Bauholzes durch das Stromwasser, so daß Floßholz zu den gut getrockneten Hölzern gehört. Gesteigert wird die Dauerhaftigkeit des Bauholzes durch Imprägnieren (s. Holzkonservierung). Als B. werden für den Hochbau Kiefer, Tanne, Fichte, Lärche, Eiche, Esche, Buche, Erle, Ahorn, Nußbaum, Linde, Birke, Ulme, für feinere Ausbauarbeiten, wie Treppengeländer, Parkettböden u. s. w. auch Mahagoni, Ebenholz, Ceder u. s. w. verwendet.