Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

531

Baumwolle

Den aufgesprungenen Kapseln ist jedoch Regen schädlich, da er die Faser verdirbt. Der Boden wird durch mehrjährige Pflanzungen bald wertlos, man geht daher zu immer neuen Strichen über, weshalb die ganze Baumwollkultur einen nomadenhaften Charakter besitzt. Neuerdings versucht man, durch Düngung den alten Boden wieder ertragfähig zu machen. - Nachdem die Kapseln sich zu öffnen begonnen haben, werden die Samenhaare gepflückt, indem man sie samt den Kernen aus der Kapsel herauslöst. Da das Aufspringen der Kapseln an verschiedenen Tagen der Erntezeit erfolgt und ein längeres Verweilen der Wolle in den aufgesprungenen Kapseln ihr schädlich ist, erfordert das Einsammeln große Aufmerksamkeit und eine große Zahl Arbeiter (ein Arbeiter sammelt höchstens 25 kg pro Tag). Man hat daher, namentlich in Nordamerika, versucht, das Einsammeln durch Maschinen zu verbilligen, was jedoch von vornherein problematisch erscheint, da alle mechan. Vorrichtungen das Einernten nicht anders als mechanisch besorgen können, d. h. unreife, reife und überreife Wolle gleichmäßig einsammeln. Die rohe B. wird einige Tage zum Trocknen der Sonne ausgesetzt und dann mittels besonderer Maschinen egreniert, d. h. von den Samenkernen befreit. (S. Baumwollspinnerei.) Die handelsmäßige Verpackung ist verschieden; gewöhnlich wird die B. durch Zusammenpressen stark verdichtet und in Ballen zusammengeschnürt, in Nordamerika mit Bandeisen. Levantische B. kommt in Säcken von Haartuch in den Handel.

Die Güte der sehr verschiedenen Handelssorten beurteilt man nach der Länge der Faser (lang- oder kurzstaplig), der Farbe, Festigkeit, Feinheit, Weichheit und dem Glanz; auch kommt dabei in Betracht, ob die Faser frei von Knötchen (Finnen) ist. Bezüglich der Farbe sind die farblosesten Sorten die geschätztesten, dann folgen die bläulichen, rötlichen und zuletzt die gelblichen und bräunlichen. Auch der Grad der Reinheit spielt eine Rolle bei der Wertbestimmung, da schlecht gereinigte Sorten eine Nachreinigung erfordern, bei der sich bis zu 25 Proz. Abfall ergiebt. Die Handelssorten tragen den Namen der Herkunft des Produktes und werden nach ihrer aus obigen Merkmalen beurteilten Güte in mehrere Klassen oder Marken eingeteilt; in England unterscheidet man gewöhnlich: fine, good, good fair, middling fair, good middling, good ordinary, ordinary, inferior. Hamburg bezeichnet: A, AB, B, BC, C, CD, D, DE, E, EF. Einen Überblick über die Eigenschaften der allgemein bekannten Handelssorten zeigt folgende Tabelle, in der die verschiedenen Sorten nach ihrer Herkunft in einzelne Gruppen geteilt sind; diese sind nach ihrer durchschnittlichen Güte geordnet; innerhalb einer Gruppe folgen die Sorten ebenfalls nach ihrer Güte aufeinander.

^[Leerzeile]

^[Tabellenanfang]

Namen Farbe Reinheit Faserlänge mm Faserdicke mm Ballengewicht netto kg

Nordamerika:

Georgia, extralange, oder Sea Island gelblichweiß sehr rein, finnenfrei 35-42 1/75-1/150 210

Georgia, lange gelblichweiß sehr rein, finnenfrei 25-35 1/75/1/140 210

Louisiana, lange weiß sehr rein, finnenfrei 21-28 1/45-1/60 160

Louisiaua, gewöhnliche. Georgia, Neuorleans, Alabama, Florida, Mississippi. Mobile, Virginia, Carolina oder Upland, Texas, Arkansas, Tennessee gelblichweiß oder ganz weiß die erstern recht rein, die letztern nissig und mit Laub und Schalen verunreinigt erstere 18-25, letztere 16-22 1/30-1/60 200

Mexiko: Molinos gelblich dunkle Flocken halt., finnig 18-25 --- ---

^[Leerzeile]

Südamerika:

Pernambuco und Alagoas gelblichweiß, matt glänzend sehr rein, ohne Finnen 30-38 1/40-1/70 75

Bahia stark gelblich enthält Schalen und unreife Flocken 27-36 1/50-1/60 50

Catamarca, Mendoza; Marañon oder Maranham gelblichweiß, matt glänzend enthält Schalen u. unreife Flocken 22-29 1/45-1/60 75

Ceara, Para, Maceio; Parahyba, Santos; Minas novas, Sertaro, Minas Geraes gelblichweiß, glänzend bis matt weniger rein 21-27 1/40-1/60 95

Surinam, Demerazy glänzend gelblichweiß meist etwas unrein 25-30 1/50-1/75 160

Cayenne, lange glänzend gelblichweiß rein 30-35 1/40-1/100 ---

Cayenne, kurze, Essequibo glänzend gelblichweiß mit Samen gemischt 20-25 1/30-1/80 ---

Berbice schmutziggelb unreife Flocken haltend 20-25 1/30-1/60 ---

Barinas, Barcelona gelblichweiß, einzelne dunklere Flocken Samen und unreife Flocken haltend 21-27 1/35-1/50 80

Porto Cabello, Caracas, La Guaira, Valencia, Cumana, Injura gelblichweiß, einzelne dunklere Flocken schmutziger als obige 20-26 1/30-1/50 ---

Cartagena weiß schmutziger als obige 20-25 1/30-1/50 ---

Lima, Payta, Piara grauweiß od. schmutzigweiß reiner als columbische 22-30 1/45-1/80 ---

Uruguay, Paraguay u. s. w. weiß bis nanking ziemlich rein 22-30 1/10-1/60 ---

Ecuador gelblichweiß sehr rein 25-30 1/40-1/60 ---

^[Leerzeile]

Westindien und Centralamerika:

Portoriko gelblichweiß sehr rein 35-40 2/45-1/100 120

Domingo, Haiti, Martinique, Guadeloupe, Ouayauilla, Costa-Rica u. s. w. weiß bis nanking weniger gut gereinigt, finnenfrei 25-30 1/35-1/80 ---

Cuba, St. Vincent rostgelbe Flocken enthaltend weniger gut gereinigt, finnenfrei 24-28 1/30-1/60 ---

^[Leerzeile]

Afrika:

Ägyptische; Mako oder Jumel gelblich- oder rötlichweiß gelbe unreife Flocken enth. 32-38 1/50-1/60 250

Algier weiß oder gelblichweiß ziemlich rein 28-32 1/50-1/60 ---

Bourbon, Réunion u. s. w. glänzendweiß ziemlich rein 21-28 1/60-1/90 ---

^[Leerzeile]

Italien:

Castellammare, lange glänzendweiß etw. gelbe, unreife Flocken u. kleine Schalen haltend 24-30 1/40-1/80 475

Castellammare, kurze, Taranto; Lecce, Bari u. s. w. glänzend rötlich- oder gelblichweiß etw. gelbe, unreife Flocken u. kleine Schalen haltend 18-22 1/40-1/60 170