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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bekk; Bekker

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Bekk - Bekker

und es ist dort das südslaw. Betjar noch heute im Sinne des deutschen Wortes Stromer in Gebrauch.

Bekk, Joh. Bapt., bad. Staatsmann, geb. 29. Okt. 1797 zu Triberg im bad. Schwarzwalde, studierte in Freiburg 1816‒20 die Rechte, wurde 1822 Advokat zu Meersburg, 1826 in Freiburg, 1829 Assessor bei dem dortigen Hofgericht, 1832 Rat im Ministerium des Innern und 1837 Vicekanzler beim obersten Gerichtshofe (Oberhofgericht) zu Mannheim. Seit 1831 war er Mitglied der Zweiten Kammer, in der er sich rasch eine geachtete Stellung sicherte, 1842‒45 wurde er zum Präsidenten derselben gewählt. Nachdem 1845 Nebenius (s. d.) wieder an die Spitze des Ministeriums getreten war, wurde B. im März 1846 als Staatsrat ohne Portefeuille zur höchsten Verwaltung berufen und 15. Dez. desselben Jahres zum Minister des Innern ernannt. Beim Ausbruch der Revolution von 1848 ergänzte B. das Ministerium durch gleichgesinnte Kollegen und versuchte, im Einklänge mit der liberalen Partei, die friedliche Reorganisation der Staatsordnung durch eine Reihe tiefgreifender legislatorischer Entwürfe durchzuführen. Nach dem Ausbruche der bad. Mairevolution erhielt B. 1. Juli 1849 seine Entlassung. 1850 wählte man ihn in das Erfurter Parlament und in den bad. Landtag, wo er wieder zum Vorsitzenden berufen wurde. Am 5. Okt. 1851 trat er als Präsident des Hofgerichts zu Bruchsal wieder in eine richterliche Stellung. Er starb 22. März 1855 zu Bruchsal. B. veröffentlichte: «Über die dinglichen Rechte an Liegenschaften» (Karlsr. 1831), «Die Bewegung in Baden» (Mannh. 1850), welche Schrift er in einem «Nachtrag» (ebd. 1851) gegen den bittern Angriff Andlaw-Birsecks (s. d.) verteidigen mußte; 1832 begründete er die «Quellen der großherzoglich bad. Gerichte», die er bis 1844 redigierte.

Bekker, Aug. Immanuel, Philolog, geb. 21. Mai 1785 zu Berlin, studierte von 1803 bis 1807 in Halle, wo er namentlich F. A. Wolf hörte. 1810 wurde er zum außerord., 1811 zum ord. Professor der Philologie an der Universität zu Berlin ernannt. Die Berliner Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1815 auf und sandte ihn nach Paris, um für das «Corpus inscriptionum graecarum» die Papiere Fourmonts zu benutzen. Zwei Jahre später ging er nach Italien, um in den dortigen Bibliotheken Handschriften zu vergleichen, und besuchte auf der Rückreise 1819 zum drittenmal Paris, im Sommer 1820 Oxford, Cambridge und London, 1839 abermals Italien, zuletzt Leiden und Heidelberg. B. starb 7. Juni 1871 zu Berlin. Den Fleiß, mit welchem er an allen Orten gesammelt, bekunden seine «Anecdota graeca» (3 Bde., Berl. 1814‒21) und seine Textrecensionen, die unabhängig von frühern Ausgaben allein aus Handschriften geschöpft sind. Dieselben begreifen: Plato (10 Bde., Berl. 1814‒21), die Attischen Redner (7 Bde., Oxf. 1823; 4 Bde., Berl.), Aristoteles (4 Bde., Berl. 1831‒36), Sextus Empiricus (ebd. 1842), Thucydides (3 Bde., Oxf. 1821; in einem Bande, ebd. 1824 und Berl. 1832 und 1868), Theognis (Lpz. 1815), Aristophanes (3 Bde., Lond. 1829), Photius' Bibliothek (2 Bde., Berl. 1824), die Scholien zur Ilias (3 Bde., ebd. 1825‒27), Harpokration und Möris (ebd. 1833), Pollux (ebd. 1846). Kritische Textausgaben hat B. geliefert von Apollodor, Appollonius, Appian, Aratus (mit den Scholien), Dio Cassius, Diodor, Heliodor, Herodian, Herodot, Josephus, Lucian, Pausanias, Plutarchs Parallelen, Polybius, Suidas; auch von Livius und Tacitus sowie von verschiedenen Schriften des Aristoteles und einigen Reden des Demosthenes. Dem Homer gab er in der zweiten, «Carmina Homerica» betitelten Ausgabe (2 Bde., Bonn 1858) das Digamma wieder. Sein Anteil an dem Bonner «Corpus scriptorium historiae Byzantinae» beträgt volle 24 Bände. In den Abhandlungen der Berliner Akademie hat er viel Romanisches publiziert; provençalisch den Fierabras, altfranzösisch «La vie de S. Thomas le martir», die Romane von Aspremont und von Flore und Blancheflor (letztern auch neugriechisch) und «Li contes d'Erec» von Chrétien de Troies. In den «Monatsberichten der Akademie» (Aug. 1850 bis April 1851) veröffentlichte er die altvenet. «Vulgaria», in den «Homerischen Blättern» (Bonn 1863 und 1872, die Ausgabe des 2. Bandes nach des Verfassers Tode durch Hercher besorgt), was er zum Homer deutsch geschrieben. – Vgl. Sauppe, Zur Erinnerung an Meincke und B. (in den «Abhandlungen der königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen», Bd. 16, 1872); E. I. Bekker, Zur Erinnerung an meinen Vater (in den «Preuß. Jahrbüchern», Bd. 29, Berl. 1872).

Bekker, Elisabeth, holländ. Schriftstellerin, geb. 24. Juli 1738 zu Vliessingen, war mit dem reform. Prediger Adrian Wolff verheiratet. Nach dessen Tode, 1777, lebte sie in innigster Freundschaft mit der geistreichen Agathe Deken (s. d.), mit der zusammen sie ihre wichtigsten Werke schrieb, auch während des sog. Englischen Krieges nach Frankreich zog und sich zu Trevour niederließ. Mit ihr kehrte sie 1798 zurück und lebte im Haag, wo sie 5. Nov. 1804 starb. Ihre Romane «Historie van Willem Levend» (8 Bde., Amsterd. 1785; deutsch von Müller-Itzehoe, 4 Bde., Berl. 1798‒1802), «Historie van Sara Burgerhart» (2 Bde., neue Aufl. 1886; deutsch 2 Tle., Lpz. 1788), «Abraham Blankaart» Bde., Amsterd. 1787) und «Cornelia Wildschut» (6 Bde., ebd. 1793‒96; deutsch von Müller-Itzehoe als «Klärchen Wildschütt», 2 Bde., Berl. 1800) gelten als klassisch. – Vgl. van Vloten, E. Wolff, geb. B. Levens- en Karakterbeeld eener groote vaderlandsche vrouwenschrijfster (Haarlem 1880) und Losse proza-stukken en brieven (ebd. 1866).

Bekker, Ernst Immanuel, Jurist, Sohn von Aug. Immanuel B., geb. 16. Aug. 1827 zu Berlin, studierte die Rechte, war 1849‒52 Offizier, habilitierte sich dann zu Halle und wurde dort außerord. Professor. 1857 wurde er ord. Professor der Rechte in Greifswald, 1874 in Heidelberg. B. schrieb: «Die prozessualische Konsumption im klassischen röm. Recht» (Berl. 1853), «Theorie des heutigen Strafrechts» (Bd. 1, Lpz. 1857‒59), «Die Aktionen des röm. Privatrechts» (2 Bde., Berl. 1871‒73), «Das Recht des Besitzes bei den Römern» (Lpz. 1880), «Über die Couponsprozesse der österr. Eisenbahngesellschaften» (Weim. 1881), «System des heutigen Pandektenrechts» (Bd. 1‒2, ebd. 1886‒89), «Über den Streit der histor. und philos. Rechtsschule» (Heidelb. 1886), «Ernst und Scherz über unsere Wissenschaft» (Lpz. 1892). 1857‒63 gab er mit Muther und Stobbe ein «Jahrbuch des gemeinen deutschen Rechts» heraus, später mit Pözl einige Jahrgänge der «Kritischen Vierteljahrsschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft». B. ist ferner Verfasser vieler Abhandlungen, auch des anonymen «Von deutschen Hochschulen. Allerlei was da ist und was da sein sollte» (Berl. 1869).