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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Belgorod - Belgrad

sammen 8 Regimenter mit 40 aktiven und 8 Depoteskadrons, 368 Offizieren, 5744 Mann und 5560 Dienstpferden. 3) Feldartillerie: 4 Regimenter mit 12 fahrenden und 2 reitenden Abteilungen, zusammen 30 aktive, 10 Reserve-, 4 reitende und 4 Depotbatterien. 4)Festungsartillerie: 4 Regimenter mit 58 aktiven, 8 Reserve- und 4 Depotbataillonen; außerdem 4 Artillerie - Specialcompagnien, nämlich 1 Pontonier-, 1 Arbeiter-, 1 Büchsenmacher-, 1 Feuerwerkercompagnie, zusammen 616 Offiziere, 8309 Mann und 2922 Dienstpferde; die Zahl der Geschütze beträgt 204. 5) Genie: 1 Regiment zu 3 aktiven und 1 Reservebataillon mit 12 aktiven, 4 Reserve- und 1 Depotcompagnie; ferner 5 Pionier-Specialcompagnien, nämlich 1 Feldtelegraphen-, 1 Festungstelegraphen-, 1 Eisenbahn-, 1 Festungspontonier- und 1 Arbeitercompagnie, zusammen 152 Offiziere, 1433 Mann und 17 Dienstpferde. 6) Train: 1 Regiment mit 7 Compagnien und 1 Depot, zusammen 29 Offiziere, 402 Mann und 320 Pferde. An höhern Stäben bestehen im Frieden: 4 Infanteriedivisionen, 9 Infanteriebrigaden, 2 Kavalleriedivisionen, 4 Kavallerie-, 2 Feldartillerie- und 2 Festungsartilleriebrigaden.

Auf Kriegsfuß formiert die belg. Armee 4 Armeedivisionen; zum Oberkommando treten der Generalstab, die Eisenbahncompagnie, der Brückentrain, 1 Sanitätsdetachement und der 1. Zug der 7. Traincompagnie. Die Armeedivisionen bestehen jede aus 2 Infanteriebrigaden, von denen die erste bis sechste einschließlich je 2 Linienregimenter, die siebente 2 Jäger-, die achte 1 Jäger- und das Grenadierregiment enthält. An Kavallerie werden jeder Armeedivision 2 Eskadrons, an Feldartillerie der 1. und 4. Division je 8, der 2. und 3. je 7 fahrende Batterien zugeteilt; ferner jeder Division noch 1 Genie- und 1 Traincompagnie und außerdem 1 Verwaltungscompagnie, 1 Sektion Feldtelegraphisten, 1 Verwaltungsdetachement, 2 Artillerie-, 2 Infanterie-Munitionskolonnen, 1 Sektion des Genieparks, 1 Sanitätsdetachement, 2 fliegende Feldlazarette, 2 Proviantkolonnen und 1 Pferdedepot. Die nicht den Armeedivisionen überwiesenen 32 Eskadrons (2 Guidenregimenter, 2 Jäger- und 4 Lanciersregimenter zu je 4 Eskadrons) treten mit 4 reitenden Batterien zu den mobilen 2 Kavalleriedivisionen, von denen jede 2 Brigaden enthält; außerdem wird jeder Kavalleriedivision 1 Zug der 6. Traincompagnie, 1 Artillerie-Munitionskolonne, 1 Verwaltungs- und 1 Sanitätsdetachement zugeteilt. An Festungstruppen verwendet Belgien bei der Mobilmachung: zur mobilen Verteidigung von Antwerpen 1 Division (5.), welche aus 2 Infanteriebrigaden (5 Reserve-Infanterieregimentern, 1 aktiven Karabinierbataillon und 10 Reservebataillonen), aus einem neu zu formierenden Kavallerieregiment zu 4 Eskadrons und aus 6 fahrenden Feldbatterien besteht. Desgleichen für Lüttich 1 Infanteriebrigade zu 4 aktiven Bataillonen, 2 neu zu formierenden Kavallerieeskadrons, und für Namur 1 aktives Infanterieregiment zu 2 Bataillonen, 2 neu zu formierende Eskadrons und die erforderlichen Specialdienste ebenso wie bei den andern Festungsverteidigungsdetachements. Außer diesen für bestimmte lokale Verwendung in Aussicht genommenen Truppen werden noch folgende Besatzungstruppen für den Kriegsfuß bereit gehalten: 14 Reserve-Infanterieregimenter mit je 2 Bataillonen, 4 Festungsartillerieregimenter und 12 Geniecompagnien, hierzu noch 1 Festungstelegraphen-, 1 Feuerwerkscompagnie, Festungspontonier- und eine halbe Arbeitercompagnie. Endlich werden auch Ersatztruppen aufgestellt und zwar: 19 Infanterie-, 8 Kavallerie-, 4 Feldartillerie-, 4 Festungsartillerie-, 1 Train- und 1 Genie-Ersatzabteilung. Die Kriegsstärke stellt sich (1894) folgendermaßen:

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Feldarmee 72 932 Mann

Festungstruppen:

Antwerpen Besatzung 20 833

Mobile Truppen 10 083 30 916 Mann

Lüttich Besatzung 4 843

Mobile Truppen 4 106 8 949 Mann

Namur Besatzung 4 810

Mobile Truppen 2 072 6 882 Mann

Termonde 4 427 Mann

Diest 2 642 Mann

Juy 586 Mann

Ersatztruppen 3 978 Mann

Zusammen 131 312 Mann.

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Die Einführung des Gewehrs 1889 (7,65 mm), System Mauser, ist noch nicht beendet; die Feldartillerie führt seit 1890 Kruppsche Gußstahlgeschütze (die fahrenden Batterien von 87 mm, die reitenden von 75 mm Kaliber).

Zur Heranbildung von Offizieren und Unteroffizieren, für die Ausbildung der Truppen, die Herstellung von Kriegsmaterial u. s. w. bestehen eine höhere und niedere Kriegsschule, Infanterielehrschule, Feldpionierdienstschule, die Pupillenschule für Kinder von Militärpersonen, Reitschule, Fechtschule, Schießschulen, eine Gewehr- und eine Geschützfabrik.

Belgorod, s. Bjelgorod.

Belgrad, serb. Beograd ("weiße Burg"), türk. Dar ul-Dschahid ("Stätte des Religionskrieges"), ungar. Nándor Fejérvár, Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Serbien, liegt unmittelbar am Einfluß der 400 m breiten Save in die hier 750 m breite Donau, auf dem rechten Ufer beider Flüsse und hat sehr veränderliches Klima mit schroffen Übergängen, im Sommer bis 40° C., im Winter bis -20° C. Das Weichbild umfaßt 10,85 qkm mit 6328 Häusern. Die Bevölkerung nimmt stark zu und betrug 1884: 20 651, 1890: 54 458 (32 008 männl., 22 450 weibl.) E., darunter 41 366 Griechisch-, 5480 Römisch-Katholische und 2350 Israeliten. Die Mehrzahl sind Serben, daneben Serbo-Macedonier, Griechen, Zinzaren und wenige Deutsche, Czechen und Ungarn. B. besteht aus Festung und Stadt.

^[Abb.]

Die Festung zerfällt in zwei Teile, die obere auf einem gegen die Donau sanft, gegen die Save schroff (47 m) abfallenden Bergrücken gelegen, hat eine alte Umwallung mit Gräben und Mauern gegen W. und SW., ein bastioniertes Hornwerk mit Ravelins, gegen S. Infanteriekasernen, die 1862 erbaute Kommandantur, Verwaltungsgebäude, Kasematten für 5-600 Sträflinge, einen Brunnen mit 300 Steinstufen und das Grabdenkmal des 1683 hier erdrosselten Großwesirs Kara Mustapha. Die untere Festung bestreicht beide Flüsse, enthält eine Kaserne, Magazine und die St. Rosalienkirche.

Die Stadt zerfällt in 6 Bezirke (Kvarts): 1) Dunavski Kvart (türk. Dortjol), der Festung zunächst auf der Donauseite, ehemals Türkenstadt, Judenviertel und Wohnplatz der Donaufischer, mit der schön angelegten, geraden Duschanstraße, dem