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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bellum - Beloch

Bellum (lat.), Krieg; B. omnĭum in omnes oder contra omnes ("Krieg aller gegen alle"), der von Hobbes vorausgesetzte Urzustand der Menschheit, dem Rechtszustande im Staate entgegengesetzt.

Belluneser Alpen, s. Ostalpen.

Belluno. 1) Provinz in Oberitalien, der nordöstlichste Teil der Landschaft Venetien, grenzt im N. und W. an Tirol, im O. an die Provinz Udine, im S. an Treviso und Vicenza, hat 3292 (nach Strelbitskij 3347) qkm, (1881) 174 140 E. und zerfällt in die sieben Distrikte: Agordo (22 724 E.), Auronzo (19 539 E.), B. (46 337 E.), Feltre (38 108 E.), Fonzaso (17 651 E.), Longarone (11 117 E.), Pieve di Cadore (18604 E.), mit zusammen 66 Gemeinden. Das Land, zum größten Teile gebirgig, liegt ganz im Bereich der Verzweigungen der wilden südtirol. Dolomitalpen und wird durch das Thal der Piave und ihrer Nebenflüsse Boite, Mae und Cordevole durchschnitten. Der Getreidebau ist sehr beschränkt, besser die Wein- und Obstkultur, ausgezeichnet Viehzucht und Alpenwirtschaft, unterstützt durch kräftige Bergweiden; einen Hauptreichtum aber bildet der schöne Waldbestand. Das Bauholz ist der Haupthandelsartikel besonders mit Venedig und wird teils auf der Piave, teils auf dem mit dieser durch den Kanal von Sapada verbundenen Tagliamento verflößt. B. ist reich an Mineralien, die jedoch nur in geringem Grade (Kupfer bei Agordo, Zink bei Auronzo, ferner Blei und Quecksilber) ausgebeutet werden. Von Eisenbahnen geht nur die Linie von der Hauptstadt B. nach Padua durch einen Teil der Provinz.

2) Hauptstadt der Provinz und des Distrikts B. (46 337 E.), auf einer hohen, von der Piave und dem hier einmündenden Ardo gebildeten Landzunge, in 416 m Höhe, an der Linie Treviso-Cornuda-B. (86 km) des Adriatischen Netzes, ist Sitz eines Bischofs und Domkapitels mit reicher Bibliothek, hat (1881) 5766, als Gemeinde 15 660 und (1891) gegen 18 000 E., in Garnison das 1. und 9. Bersaglieribataillon, 14 Kirchen, darunter die nach dem Modell des Palladio erbaute Kathedrale, zwei Klöster, eine Akademie für Wissenschaften und Künste, zwei Gymnasien, eine Handels- und Gewerbekammer, ein schönes Theater und eine merkwürdige, B. mit klarem Gebirgswasser versehende Wasserleitung, Marmorfontänen, einen 1815 errichteten Triumphbogen; Seidenspinnereien, Strohflechtereien, Gerberei, Wachsbleichereien und lebhaften Handel mit Holz, Weinen und Früchten. In der Nähe entspringt eine natronhaltige Schwefelquelle. B. ist der Geburtsort Gregors XVI.; der franz. Marschall Victor-Perrin führte den Titel Herzog von B. Nachdem Ende Juni und Anfang Juli 1873 in B. Erderschütterungen stattgefunden hatten, erlitt die Stadt, insbesondere die Kathedrale, 8. Aug. 1873 durch ein starkes Erdbeben bedeutende, zum Teil noch jetzt sichtbare Beschädigungen. - B., das rhätische Belunum, kam um 180 v.Chr. unter röm. Herrschaft und erhielt 88 v. Chr. röm. Bürgerrecht. Später bildete es ein langobard. Herzogtum, dann eine frank. Grafschaft, trat dem Lombardischen Bund bei und mußte sich 1226 Ezelin da Romano unterwerfen. Im 14. Jahrh. wurden die Carrara Herren von B., 1388 bemächtigte sich Gian Galeazzo Visconti der Stadt, die 1404 unter Venedigs Oberhoheit trat. 1797 im Frieden von Campo-Formio kam sie an Österreich, 1805 im Preßburger Frieden an das Königreich Italien, 1814-59 bildete sie einen Teil des Königreichs Lombardo-Venetien. 1859 wurde B. im Züricher Frieden an Italien abgetreten. - Vgl. Toglioni, Notizie storiche e geografiche della città di B. e della sua provincia (Belluno 1816); Miari, Compendio storico della regia città di B. (Vened. 1830).

Belluno, Herzog von, s. Victor-Perrin.

Bellye (spr. bellje), Klein-Gemeinde im ungar. Komitat Baránya, 7 km von Esseg, in der Drauebene, bei Darda an der Moravicza, hat (1890) 1265 E (697 Magyaren, der Rest Deutsche und Serben), zur Hälfte römisch-katholisch, zur Hälfte reformiert; Post, ein vom Prinzen Eugen von Savoyen erbautes Schloß, zahlreiche sonstige Herrschafts- und Wirtschaftsgebäude und ist Vorort einer großen Privatbesitzung des Erzherzogs Albrecht, der hier blühende Musterwirtschaften eingerichtet hat.

Bel Martino, ital. Name für Schongauer (s. d.).

Belmez, Stadt in der span. Provinz Cordoba, zur Linken des dem Guadalquivir zufließenden Guadiato, an der Zweigbahn Almorchon-B. (63 km) der Linie Badajoz-Ciudad-Real und der Cordoba-Belmez-Bahn (72 km), in der Sierra Morena, hat (1887) 12 043 E., Reste eines maur. Kastells und Steinkohlenbergbau.

Belmont (spr. -mönnt), Dorf im nordamerik. Staat Missouri, am Mississippi, Columbus gegenüber. Hier siegte 7. Nov. 1861 General Grant über die Konföderierten unter Polk und Pillow.

Belmontet (spr. -mongteh), Louis, franz. Dichter und Publizist, geb. 26. März 1799 in Montauban, von ital. Herkunft, besuchte das Lyceum zu Toulouse, studierte daselbst und wurde Advokat. Als er infolge satir. Gedichte mit dem Magistrat von Toulouse in Mißhelligkeiten geriet, ging er nach Paris, wurde hier in dem romantischen Dichterkreise freundlich aufgenommen und erhielt eine Hauslehrerstelle. In dieser Stellung verfaßte er seine Hauptwerke "Les Tristes" (1824), eine Sammlung Elegien, "Le souper d'Auguste" (1828), ein größeres Gedicht, und, mit Soumet, "Une fête de Néron", eine Tragödie, die 1829 im Odeon über 100 Vorstellungen erlebte. Infolge eines Aufenthalts bei Arenenberg, dem Landhause Hortenses, der Mutter Napoleons III., wurde er leidenschaftlicher Bonapartist. Er gründete 1830 den "Tribun du peuple", ein Wochenblatt, in dem er die Kronrechte des Königs von Rom vertrat. Später arbeitete er an dem bonapartistischen "Le Capitole" und besorgte 1839 den Druck der Memoiren Hortenses. Nach der Februarrevolution wirkte B. eifrig für Wiederherstellung des Kaiserreichs, begleitete den Präsidenten Napoleon auf dessen Agitationsreisen in der Provinz und wurde 1852 in den Gesetzgebenden Körper gewählt. Sein Talent verwandte er nun auf Verherrlichung der Napoleonischen Dynastie in vielen begeisterten Oden. Er starb 14. Okt. 1879 zu Paris.

Belmontin, Name für natürliches, im Naphtha von Birma vorkommendes Paraffin (s. d.), das im Belmontquartier zu London durch Destillation gewonnen und zur Herstellung der Belmontinkerzen verwendet wird.

Belo..., in slaw. Namen, s. Bjelo...

Beloch, Jul. Alwin, Historiker, geb. 21. Jan. 1854 in Nieder-Petschkendorf, Kreis Lüben in Schlesien, seit 1879 Professor der alten Geschichte an der Universität Rom, veröffentlichte: "Campanien, Geschichte und Topographie des antiken Neapel und seiner Umgebung" (Berl. 1879; 2. Aufl., Bresl. 1890), "Der italische Bund unter Roms Hegemonie" (Lpz. 1880), "Die attische Politik seit Pe-^[folgende Seite]